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Pegel sinkt durch Wassermühle : Hauen und Stechen um Schlower Bach

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Die Erde ist noch feucht am Schlower Bach direkt am Försterhaus. Der Bach selbst mutiert hingegen langsam zu einem Rinnsal, hat sich über einen Meter zurückgezogen. Schuld daran soll die Borkower Wassermühle sein.

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erstellt am 29.Aug.2013 | 10:45 Uhr

Schlowe/Borkow | Die Erde ist noch feucht am Schlower Bach direkt am Försterhaus. Der Bach selbst mutiert hingegen langsam zu einem Rinnsal, hat sich über einen Meter zurückgezogen. "Und das innerhalb weniger Tage", sagt Revierförster Roland Rünger. Der nahe Lattenpegel bei der Försterei wies gestern Mittag nur noch eine Marke von ca. 17 Zentimetern aus. "Am Dienstag waren es noch 26, am Montag 29. Normal sind hier 50. Der Pegel ist in wenigen Tagen abrupt gefallen", betont Rünger. Und den Schuldigen macht er im Wasserwerk Borkow aus, welches Stephan Meyer seit nunmehr 16 Jahren betreibt, nachdem die alte Mühle zuvor ein viertel Jahrhundert still stand.

Für das zum Forstamt Sandhof gehörende Revier Schlowe mit seinen fast 2000 Hektar ist der aus Bossow bei Krakow am See stammende Rünger seit fast 20 Jahren zuständig. "Trockenheit und damit verbundene Wasserschwankungen gab es schon immer - aber so was habe ich noch nicht erlebt!" Und darum schlug der 55-Jährige gestern Alarm, unter anderem um 9 Uhr bei Jan Lippke, dem stellvertretenden Leiter des Naturparks Sternberger Seenland in Warin. Diesem war das Problem "so noch nicht bekannt" und darum informierte er sofort Nils Meyer, der beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg (StALU) für die FFH-Schutzgebiete zuständig ist. Dazu zählen unter anderem auch der Borkower See samt Ufersaum sowie die Mildenitz.

Am Vormittag suchte Manfred Lutze aus Schlowe die SVZ-Redaktion in Sternberg auf und beklagte sich über die Gefährdung der Natur durch das alte Borkower Wasserwerk. Gleiches tat er im Anschluss übrigens auch bei Lippke in Warin.

Zum Hintergrund: Für die Stromerzeugung dient das Wasser aus dem Borkower See "und damit gleichzeitig aus der Mildenitz, der Bresenitz und dem Schlower Bach", so Revierförster Rünger, der hinzufügt: "Mein Problem ist, und das frage ich öffentlich: Wie kann man jetzt bei dieser extremen Trockenheit so viel Wasser zur Stromerzeugung ziehen? Ich vermute, dass beim Wehr des Wasserwerks der zulässige Pegelstand unterboten wird."

Dem widerspricht Stephan Meyer gegenüber SVZ vehement: "Am Wasserwerk alte Mühle gibt es einen ganz normalen Staupegel. Das maximale Stauziel für diesen Standort beträgt 36,80 Meter über Null, das maximale Absenkziel 36,10. Das halte ich mehr als ein! Vom Stand heute könnte ich den Pegel laut wasserrechtlicher Genehmigung - die besteht übrigens noch aus DDR-Zeiten, dem Jahr 1988 - um 40 Zentimeter runterfahren. Was ich nicht mache." Von November bis Juni/Juli fahre er die Anlage voll, jetzt im August "auf minimaler Leistung alle 14 Tage - und dann nur für zwei, drei Tage. Stündlich steige der Pegelstand jetzt wieder. In zwei Tagen ist der Schlower Bach wieder voll", prophezeit Meyer.

Der Wasserwerksbetreiber seinerseits hat diese Vermutung, was hinter dem Ganzen stecken könnte: "Der Förster und auch Herr Lutze sind Angler. Und jedes Jahr liegt ein Ruderboot mehr am Steg von Roland Rünger am Schlower Bach", so Meyer, der zudem eine Sache nachschiebt: "Wenn der Förster im Herbst seine Treibjagd veranstaltet, ruft er Wochen vorher bei mir an. Dann kann der Wasserstand gar nicht genug tief sein. So tief wie jetzt und noch tiefer…"

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