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Nach Abriss leerstehender Häuser : Häuser weg, Weitendorf verlässt Stewo

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Weite statt Häuser am Ortsrand von Weitendorf: Nach Abriss leerstehender Häuser, will mit Weitendorf eine weitere Gemeinde ihre Mitgliedschaft in der Sternberger Wohnungsbaugesellschaft kündigen.

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2013 | 09:47 Uhr

Weitendorf/Sternberg | Erst verschwinden die leerstehenden kommunalen Wohnungen auf den Dörfern, dann verabschieden sich die Gemeinden aus der Stewo. Mit Weitendorf will eine weitere Gemeinde ihre Mitgliedschaft in der Sternberger Wohnungsbaugesellschaft kündigen. Das haben die Gemeindevertreter beschlossen.

"Wir haben keine Stewo-Wohnungen mehr", erklärte der Weitendorfer Bürgermeister Bernd Knoll gegenüber SVZ. Alle seien inzwischen abgerissen worden. Zunächst sei der Block in Jülchendorf verschwunden, schließlich auch die fünf Gebäude in Weitendorf. Die Häuser waren Ende der 1950er - bis Anfang der 1960er-Jahre für die Beschäftigen der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) errichtet worden, so Knoll.

Weitendorf will mit dem Austritt aus der Stewo den Schritt gehen, den zwei Gemeinden vor etwa einem Jahrzehnt vollzogen hatten. Hohen Pritz und Langen Jarchow hatten sich als erste aus der Gesellschaft verabschiedet.

Als sie Ende der 1990er-Jahre Bürgermeisterin wurde, gab es bereits keine kommunalen Wohnungen mehr in Hohen Pritz, so Britta Täufer. Das alte Gutshaus, das in diese Kategorie fiel, war Anfang der 90er-Jahre abgebrannt, so die Bürgermeisterin. "Wir hatten danach keinen Wohnraum mehr", erklärt Täufer. Auch gab es keine belastenden Kredite. Die Hohen Pritzer konnten seinerzeit ohne Probleme die Gesellschaft verlassen. "Im Nachhinein war es ein Glücksgriff", meint Britta Täufer. Denn sie weiß, dass ein Austritt für andere Gemeinden heute offenbar nicht mehr so einfach ist.

Zweimal haben die Gemeindevertreter von Kobrow einen Beschluss gefasst, dass sie sich aus der Stewo verabschieden wollen: 2011 und 2012. "Wir möchten austreten", bestätigte Bürgermeister Olaf Schröder gegenüber SVZ. Doch dagegen laufe eine Klage der Stewo. Dabei hat auch diese Gemeinde keine kommunalen Wohnungen mehr, nachdem im Vorjahr der letzte Stewo-Block in Kobrow II abgerissen wurde. In voran gegangenen Jahren waren bereits Häuser in Stieten und Wamckow gefallen.

Die Gesellschafter der Stewo haben die Kündigung der Gemeinde zurückgewiesen, erklärte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der kommunalen Gesellschaft und Sternberger Bürgermeister Jochen Quandt. Es gehe jetzt darum, vor Gericht festzustellen, ob die Gemeinde ordnungsgemäß gekündigt hat oder nicht. Verhandelt werden soll darüber am morgigen Freitag in Schwerin.

Vor allem, so ist es Quandts Schilderungen zu entnehmen, geht es im Hintergrund um die Frage: Kommen austritt swillige Gemeinden raus aus der Gesellschaft, ohne weiterhin über von der Stewo laufende Kredite mit aufzukommen? Diese Frage habe bei Hohen Pritz und Langen Jarchow noch nicht bestanden, da in diesen Gemeinden nach der Wende nicht in die Häuser investiert wurde.

Quandt erinnert an die Ausgangsposition am Ende der DDR. Viele Wohnungen hatten Ofenheizung, Fenster waren undicht, die Bäder längst nicht mehr zeitgemäß. Es gab einen enormen Modernisierungsstau. Die nach der Wende gegründete kommunale Wohnungsgenossenschaft Stewo habe in die Wohnungen investiert. "Es war der Wunsch aller Bürgermeister", so Quandt. Diese Ausgaben waren aber nicht mit den Mieteinnahmen zu finanzieren. Es mussten Kredite aufgenommen werden, die auf den einzelnen Häusern lasten und die immer noch bestehen, auch wenn die Gebäude längst abgerissen sind. Ab Ende der 90er-Jahre ging der Bedarf an Wohnungen zurück, erinnert Quandt. Wohnungsgesellschaften hatten einen wachsenden Leerstand zu verkraften. Die Finanzierung der Stewo-Kredite muss trotz sinkender Mieteinnahmen gesichert werden, so der Bürgermeister. Diese finanzielle Last sollen die Austrittswilligen jetzt offenbar mittragen.

Dazu haben die Gesellschafter, unter denen die drei Städte Sternberg, Brüel und Warin die klare Mehrheit haben, einen neuen Gesellschaftervertrag beschlossen. Gültig ist noch ein Vertrag aus dem Jahr 2002, erklärt Stewo-Geschäftsführerin Regina Nienkarn. Der neue Vertrag warte aber bereits auf seine Eintragung ins Handelsregister.

Nienkarn verweist darauf, dass mit den leerstehenden Wohnungen neben den Krediten aus Nachwendezeiten weitere Lasten verbunden sind. Zwar gibt es Geld für den Abriss über das Programm Stadtumbau-Ost, aber diese Zuschüsse decken nicht in jedem Fall die Kosten, sagt sie. Entlastung erhalten die Wohnungsgesellschaften im Falle des Abrisses zudem von den Altschulden aus DDR-Zeiten. Allerdings läuft das Programm zum Ende 2013 aus, so Nienkarn. Die Wohnungswirtschaft habe lange darum gekämpft, den Termin zu verlängern. Aber offenbar ohne Erfolg.

Folglich hätte die Stewo eigentlich das Interesse, bis Jahresende noch viele Häuser dem Erdboden gleich zu machen. Das geht aber erst, wenn die Häuser leer stehen, so Nienkarn. Im vergangenen Jahr ließ die kommunale Wohnungsgesellschaft neben dem Block in Kobrow auch einen in Zahrensdorf abreißen. In diesem Jahr stehen Gebäude in Müsselmow und Witzin auf dem Plan. Wobei in Witzin noch die Aufnahme ins Förderprogramm offen ist, mit dem der Abriss finanziert wird.

Einst wurden die Wohnblocks auf den Dörfern errichtet, um vielen Menschen direkt an ihrem Arbeitsort in der Landwirtschaft ein Zuhause zu geben. So auch in Weitendorf. In unmittelbarer Nähe der Blocks gab es sogar eine Stallanlage für die Bewohner, in der sie nebenbei noch Schweine fütterten und diese abliefern. Mittlerweile gibt es weniger Arbeitsplätze auf den Dörfern. Und die Ansprüche haben sich verändert: Wer neu aufs Land zieht, baut meist sein eigenes Häuschen. Für die Wohnblocks finden sich immer weniger Mieter. Wobei sich zusätzlich der Bevölkerungsschwund in Mecklenburg-Vorpommern auswirkt.

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