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Dorf Mecklenburg : „Hätte uns genauso passieren können“

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Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Beim Neuklosteraner René Brüsewitz war nach dem Luftminen-Toten von Euskirchen die Erinnerung an die Metelsdorfer Panzerminen sofort wieder da.

svz.de von
erstellt am 13.Jan.2014 | 08:08 Uhr

Geradezu gemächlich fließt der Wallensteingraben unter der neuen Brücke hindurch, welche die Dorf Mecklenburger Ortsteile Metelsdorf und Karow verbindet. Nicht nur die Metelsdorfer Mädchen und Jungs nutzen die Verbindung als Schulweg, das asphaltierte Band ist auch Teil eines überregionalen Rad- und Wanderweges. Zur Rast in freier Natur laden neuerdings zwei Gabionen-Sitzbänke ein. Den Findling als Tisch „stellte die Gemeinde zur Verfügung. Wir haben ihn dann eingemauert“, sagt René Brüsewitz, Chef der gleichnamigen Firma für „Tiefbau - Wasserbau - Erdarbeiten“ in Neukloster. Und ein Aufsteller gibt in Wort und Bild Auskunft über die wechselvolle Geschichte des Wallensteingrabens, der sich über knapp 21 Kilometer vom Schweriner See bis nach Wismar schlängelt.

Idylle pur sozusagen, ein herrlicher Ort nicht nur für eine Rad-Pause. Am 3. April vergangenen Jahres freilich war plötzlich alles ganz anders. Bei Baggerarbeiten zum Abriss der alten, maroden Brücke wurden drei Panzerminen der deutschen Wehrmacht aus den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges zutage befördert (SVZ berichtete). „Da war ein Griff dran, ich habe das erste Ding einfach an die Seite gelegt“, so Brüsewitz. Und sein Kollege Bernd Rekittke ergänzte: „Bei der Dritten war es blank neben dem Zünder.“ Während der Chef im Bagger saß, standen Rekittke und der Dritte im Bunde, Einzelunternehmer Silvio Schönhoff aus Neu Greschendorf, unten am Wasser.

Den Männern wurde die Sache zu heiß. Brüsewitz alarmierte den Munitionsbergungsdienst in Schwerin, der die drei Panzerminen noch am gleichen Tag etwa 200 Meter entfernt auf einer Wiese sprengte. Der Firmenchef hielt das Ganze mit der Handykamera fest.

Mitte Juli, als dann die neue, acht Tonnen schwere Stahlbrücke mit einer Länge von 12,40 Metern sowie zweieinhalb Metern Breite Punkt genau vom Montagekran auf die Widerlager gehievt wurde, gab sich René Brüsewitz in Sachen Panzerminen schon wieder viel relaxter: „Die Dinger sahen egal aus, aber die vom Bergungsdienst sagten, dass sei gar nicht egal. Und ich weiß ja jetzt auch, was dahinter steckte; spätestens, als ich die Sprengung sah. Da waren neun Kilogramm Sprengstoff drin – pro Bombe!“

Wäre auch nur eine davon hochgegangen… Keiner wollte sich die möglichen Folgen wirklich ausmalen. Inzwischen stehe er drüber, verkündete der Neuklosteraner vor fünfeinhalb Monaten.

Das ist leicht dahin gesagt. Als jedoch vor zehn Tagen ein Baggerfahrer in Euskirchen bei Bonn durch eine explodierende Luftmine ums Leben kam, dachten die Mecklenburger sofort wieder an Metelsdorf. „Natürlich war der tödliche Vorfall sofort ein Thema bei uns in der Firma. Das hätte uns genauso passieren können. Wir hatten eben mehr Glück als der Baggerfahrer von Euskirchen“, so René Brüsewitz. Nochmals müsse er keine Weltkriegs-Altlast finden. „Und wenn doch, dann geht es hoffentlich wieder glimpflich ab; aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass dann doch mal was passiert“, sagt der Nordwestmecklenburger und schiebt, quasi zur Selbstberuhigung, nach: „Wir sind nicht das Ruhrgebiet, im ländlichen Bereich hier findet man solche Dinger relativ selten.“ Ganz vergessen und verdrängen wird er den Metelsdorfer Panzerminenfund freilich nie.

Aktuell errichtet seine Drei-Mann-Firma „in Rerik eine 30 mal 15 Meter große Aussichtsplattform zum Salzhaff hin als Anbildung an die Haffpromenade“. René Brüsewitz ist froh: „So müssen wir wenigstens nicht im Westen arbeiten und weit fahren.“

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