Notsicherung ein erster Schritt zum Erhalt des Gebäudes : Gutshaus Keez zeigt sich wieder

Hatten die Notsicherung ins Rollen gebracht: Raingard Berger und Dr. Felix Lüdemann (v. l.) und freuten sich dann über die Unterstützung durch Brüeler Kameraden um Wehrführer Torsten Reiher (2. v. r.) und Bürgermeister Jürgen Goldberg (r.). Roswitha Spöhr
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Hatten die Notsicherung ins Rollen gebracht: Raingard Berger und Dr. Felix Lüdemann (v. l.) und freuten sich dann über die Unterstützung durch Brüeler Kameraden um Wehrführer Torsten Reiher (2. v. r.) und Bürgermeister Jürgen Goldberg (r.). Roswitha Spöhr

Es ist früh an diesem Sonnabend - der Tag ist noch keine acht Stunden alt. Raingard Berger und Dr. Felix Lüdemann warten vor dem Gutshaus in Keez. Für das Haus aus dem 18. Jahrhundert ist es bereits kurz vor Zwölf.

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02. September 2012, 05:35 Uhr

Keez | Es ist früh an diesem Sonnabendmorgen - der Tag ist noch keine acht Stunden alt. Raingard Berger aus Wismar und Dr. Felix Lüdemann aus Weitendorf warten vor dem Gutshaus in Keez. Für das Haus aus dem 18. Jahrhundert ist es bereits kurz vor Zwölf. Strauchwerk überwuchert das Mauerwerk und lässt kaum noch einen Sonnenstrahl ans Haus. Die Fenster sind zerschlagen, Türen fehlen, im Dach klaffen zwei große Löcher - Kunsthistoriker Lüdemann graut es, wenn er an den bevorstehenden Winter denkt.

"Wir wollen heute einen Anschub geben", sagt Raingard Berger, die Gutshäuser in Warkstorf und in Klein Grabow besitzt. "Wenn das Kulturerbe das einzige ist, was wir als Wirtschaftsfaktor haben, dann muss man es schützen", erklärt sie. Dr. Felix Lüdemann ist Eigentümer des Gutshauses in Weitendorf, Mitglied der AG Gutsanlagen und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gutsanlagen und Herrenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern. Beide Organisationen haben sich dem Schutz kulturhistorisch wertvoller Gebäude verschrieben. Wie Berger und Lüdemann. "Die Notsicherung des Gutshauses in Keez ist das Pilotprojekt", sagt die Wismarerin. Das haben beide auch dem Brüeler Bürgermeister Jürgen Goldberg und auf einem Dienstabend der Brüeler Feuerwehr vorgestellt und um Unterstützung geworben; per Handzettel auch bei den Bewohnern im Dorf (SVZ berichtete).

Es ist 8 Uhr. Raingard Berger lässt ihrer Freude freien Lauf, als die Feuerwehr mit einer starken Truppe anrückt. "Wir haben einen Anfang gemacht", sagt sie und bedankt sich auch im Namen der zwei Eigentümer des Keezer Gutshauses Karlheinz Lippmann sowie Günther Hilmer herzlich bei den Kameraden. Lippmann und Hilmer, Gesellschafter der Firma HIT Holz industrie Torgau in Sachsen, haben ihr gegenüber angekündigt, zeitnah nach Keez zu kommen, so Berger. In den vielen Gesprächen mit den Eigentümern sei auch die Idee geboren, dass deren 400 Firmenmitarbeiter hier vielleicht Urlaub machen könnten oder das Haus als Seminarzentrum für Geschäftspartner genutzt werde.

Mitgebracht hat Raingard Berger am Sonnabend auch viel Papier, u. a. die Erlaubnis, den Privatbesitz betreten zu dürfen und diverse behördliche Genehmigungen für die Notsicherung des Gutshauses. Dann ist es soweit: Christian Bukow setzt die Motorkettensäge an und Zentimeter um Zentimeter frisst sich die Säge in das Holz. Nach nur einer Stunde ist die Fassade des Gutshauses von der Dorfstraße wieder sichtbar - wie seit Jahren nicht. "Wehrführer Torsten Reiher: "Ich habe Respekt, wenn die Sanierung klappt", sagt er. Die Kameraden verstehen ihren Einsatz als Ausbildungstag. Brüels Bürgermeister Jürgen Goldberg zeigt sich ein wenig enttäuscht darüber, dass aus Keez niemand gekommen ist, um zu sehen, was bei der Notsicherung passiert. "Im Bauausschuss am Donnerstag hatten sich zwei Keezer empört, die Stadt könne doch wohl nicht Privatleuten Geld zuschießen. Aber das tut sie doch nicht", erklärt Goldberg.

Dr. Felix Lüdemann kümmert sich selbst um die Löcher im Dach - als Flickzeug dienen mit UV beständiger Folie umwickelte Platten. Betroffen zeigt er sich, als er im Haus entdeckt, dass gerade erst wieder ein original Türblatt im Eingangsbereich und mehrere Dachfenster gestohlen wurden. Jetzt braucht es noch mehr Aufwand, um das Haus witterungsfest zu machen. Auch wenn Leerstand Witterung und Vandalismus viel Schaden angerichtet haben, "es ist alles rekonstruierbar", zeigt sich der Kunsthistoriker überzeugt.

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