zur Navigation springen

Neperstorf vermeldet Storch-Rückkehr : "Grünland ist nicht gleich Grünland"

vom

Der 50-Einwohner-Ort Neperstorf hat bereits seinen Storch wieder. Das große Adebar-Eintreffen wird in diesen Tagen erwartet. Das weiß auch Dr. Lothar Daubner, der „Storchenmann“ aus Sternberg.

svz.de von
erstellt am 13.Apr.2013 | 04:09 Uhr

Neperstorf/Sternberg | "Der Zugstau durch die kalten Ostwinde ist endlich beendet. Jetzt werden die Weißstörche mit Schwall übers Land kommen", verkündet Dr. Lothar Daubner, seines Zeichens ehrenamtlicher "Storchenmann" aus Sternberg. Zugleich trägt er die Brutdaten für den gesamten Altkreis Parchim zusammen. Im Raum Warin ist Hans Kaiser aus Warin-Waldheim - regionweit bekannt über zig Jahre auch als Wanderleiter - der ehrenamtliche Storchenbeauftragte.

Dr. Daubner: "Nach dem extrem langen Winter können wir jetzt nur hoffen, dass das Frühjahr nicht total trocken wird. Die Störche benötigen für ihre Jungen viel Nahrung, vor allem Regenwürmer. Bei Trockenheit ziehen sich diese dann zu tief in die Erde zurück. Muss der Altstorch auf andere Beute ausweichen, gebe es ein Riesenproblem, da er im Gegensatz zu anderen Tieren die Nahrung für seinen Nachwuchs nicht zerkleinert."

Ein Adebar hatte es heuer mit der Heimkehr anscheinend besonders eilig. In Neperstorf (Gemeinde Jesendorf/NWM) traf der Stammgast bereits am 3. April trotz der da noch herrschenden Nachtfröste ein. Über die Nachricht freute sich Ulf Bähker vom Naturschutzbund (Nabu) in Schwerin, der u.a. die Störche in Nordwestmecklenburg betreut.

"2012 hat es allerdings erstmals seit Jahren keinen flüggen Jungstorch gegeben. Den hat der Greifvogel geholt", berichtet Bürgermeister Arne Jöhnk, der von seinem Anwesen beste Sicht auf den Horst hat. "Das ist sehr, sehr ungewöhnlich, kommt aber hin und wieder doch vor", so Bähker. Aber in Neperstorf könnte das passiert sein, denn "Herr Kaiser informierte mich, dass ein Seeadler einen Angriff geflogen hatte". Insgesamt gab es im Vorjahr in NWM und der Stadt Wismar laut Nabu 41 belegte Horste mit 68 Jungvögeln. Für den Altkreis Parchim lauten die Zahlen 48 (84).

Jetzt zur neuen Saison wurden durch die Firma Sandmann aus Sternberg im Auftrag des Energieversorgers edis in der Region Grevesmühlen sowie um Wismar herum zusammen mit dem dortigen "Storchenpapst" Volkmar Kapinski gleich 17 Horste neu aufgestellt bzw. gereinigt. In der Region Sternberg - Brüel gab es eine derartige Aktion nicht. "Die Feuerwehr hat in Gustävel (SVZ berichtete) einen neuen Korb auf einem exponiert auf dem Berg stehenden Schornstein gesetzt", sagt Dr. Daubner und merkt an: "Dies ist der falsche Standort, hier wird sich nie ein Storch einfinden!" In Gustävel gibt es indes seit vielen Jahren schon auf einem Privatgelände einen Horst. "Hier verendeten im Vorjahr allerdings die Jungstörche vorm Ausflug durch einen Hagelsturm", so Dr. Daubner. Bruterfolge gab es 2012, was die Region Sternberg - Brüel - Warin betrifft, nur in Keez (3 Junge), Dabel und Kleekamp (je 2).

Dr. Daubner vertritt denn auch eine klare Meinung: "Viel wichtiger als neue Horste sind für den Weißstorch die artgerechten Lebensräume, die er vorfindet. Und die werden immer ungünstiger. Wichtig ist Feuchtgrünland in zwei bis drei Kilometern Entfernung um den Horststandort herum."

Der Sternberger gibt dabei dem großflächigen Mais- und Rapsanbau in Meckpomm in erster Linie für Biogas und -diesel nicht die Alleinschuld. "Grünland ist beileibe nicht gleich Grünland. Es geht hier um Artenvorkommen, die Anzahl der verschiedenen Gräser und Kräuter. Wird eine Wiese oft umgebrochen und neu angesät, ist sie danach völlig steril, weil sich dann lediglich eine Grasart auf ihr befindet. Dann kommen weniger Insekten, in der Folge auch weniger Frösche, die nunmal wichtigste Nahrung der Störche…"

Für die Bauern habe der Wiesenumbruch, was Heumenge und Sicherheit für den Magd-Zeitpunkt betrifft, Vorteile. Doch Nabu-Mann Ulf Bähker etwa "will nicht die Landwirte anklagen. Mein Vorwurf richtet sich an die Politik, denn die legt die Spielregeln fest. So gibt es seit einigen Jahren keine Förderung für Brachen mehr."

Nach dem Storchen-"Störungsjahr" 2005, als nur noch 834 Tiere statt der zuvor 1142 (2004) gezählt wurden, hat sich die Population in MV nie wieder erholt. 2012 wurden landesweit 837 gezählt. Solch ein Störungsjahr komme laut Bähker "immer mal vor. Aber danach kommen normalerweise die Altstörche wieder. Doch bei uns fehlen seitdem 300. Die genauen Ursachen weiß man nicht."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen