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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

19. November 2017 | 11:41 Uhr

Sternberger Seenland : Großinventur bei Streuobstwiesen

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Ein gefördertes Projekt des Landschaftspflegeverbandes Sternberger Endmoränenlandschaft soll Anhaltspunkte für Artenvielfalt bringen.

von
erstellt am 01.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Es sind alte Plantagen, die seit langem nicht mehr bewirtschaftet werden und teils zugewachsen sind, kleinere Flächen in oder am Rande von Städten und Dörfern sowie Baumreihen an Straßen und Wegen. Ab 15 Bäumen, ob als Gruppe oder linear, wird von einer Streuobstwiese gesprochen, erklären Marika Schuchardt und Anja Hansen vom Landschaftspflegeverband Sternberger Endmoränengebiet (LSE) mit Sitz in Kobrow II. Sie erfassen und kartieren diese Obstflanzungen mit unterschiedlichen Arten und Sorten im gesamten Sternberger Seenland.

Während sich Schuchardt durch das Rotmilan-Projekt schon bestens in der Region auskennt, ist die für Hansen noch Neuland. Die studierte Biologin aus Rostock wurde zum 1. Februar eigens für das Streuobst-Projekt eingestellt, bis November 2017 befristet und durch Leader-Mittel finanziert. Leader steht für Regionalentwicklung, die es Menschen vor Ort ermöglicht, Prozesse mitzugestalten. Auf die Ausschreibung der Stelle habe es 45 Bewerbungen gegeben, zeigt sich LSE-Geschäftsführer Hans Diederichs beeindruckt. „Für eine auf knapp zwei Jahre befristete Halbtagsstelle eine ganze Menge. Aber das war schon beim Rotmilan-Projekt so.“


In der Natur groß geworden


Hansen, im Harz aufgewachsen, sagt von sich, in der Natur groß geworden zu sein. Jetzt habe sie am Stadtrand von Rostock einen Kleingarten. Was dort wie auf anderen Parzellen die Gemüsebeete hergeben, werde in einem selbst organisierten und sich selbst tragenden Bioladen (Foodcoop) in der Hansestadt angeboten. Die 36-Jährige könne sich vorstellen, künftig auch Früchte von Streuobstwiesen dort an den Mann zu bringen. Dass sie von außerhalb gekommen sei, um das Projekt im Sternberger Seenland zu betreuen, findet sie „gar nicht verkehrt“. Sie habe sicher einen anderen Blick. Wie es nach November 2017 weitergehe, „werden wir dann sehen“, so Hansen. Vielleicht schließe sich ein Projekt zur Betreuung der erfassten Streuobstwiesen an.

Der erste Schritt sei, die Flächen überhaupt zu finden und dann ihren Zustand festzustellen. Die Eigentümer würden dabei freilich „mitgenommen“. Es könnten Privatleute, Kommunen, Betriebe oder auch die Kirche sein. Mitunter gestalte es sich allerdings am schwierigsten, teils erst mit Hilfe des Bürgermeisters, einen Eigentümer ausfindig zu machen. Sei das geschehen, habe sie bislang stets großes Entgegenkommen gespürt. Viele wüssten gar nicht, welche Sorten sie eigentlich hätten. Apfel, Birne oder Pflaume schmecke gut, das reiche den meisten. „Doch solche Bäume können auch mal absterben, und dann wäre es gut, alte Sorten nachzupflanzen“, meint Hansen. Es sollten möglichst hier aufgezogene Bäume sein, um die Regionalität zu bewahren. Zudem würden so die hiesigen Baumschulen gestärkt, fügt Schuchardt an. Diese wüssten auch am besten, welche Sorten sich für die Standorte hier zu Lande eignen.


Erfasste Flächen in Netzwerk-Datenbank


Bei ganz alten Streuobstwiesen, bei denen völlig verloren gegangen sei, was dort steht, werde zusammen mit Pomologen versucht, Aufschluss zu bekommen. Manche reichten bis ins 17./18. Jahrhundert zurück. Nach der Erfassung werde jede relevante Fläche oder Baumreihe in die Netzwerk-Datenbank eingegeben und außerdem der Pflegebedarf ermittelt, um Maßnahmen zum Erhalt als Lebensraum und Kulturgut ableiten zu können.

Ein ähnliches Leader-Projekt laufe im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide, sagt Hans Diederichs. Dort sei es jedoch an ein Ingenieurbüro vergeben worden, während die Erfassung über ehrenamtliche Arbeit erfolge. „Wir arbeiten eng zusammen, zumal sich die natürlichen Gegebenheiten wenig unterscheiden“, so Diederichs.

Ziel sei es, wie schon beim Rotmilan-Projekt, das seit Dezember 2013 läuft, die Vielfalt in der Agrarlandschaft zu erhalten oder – wo notwendig – wiederzubeleben. Mindestens 100 Streuobstwiesen sollen für ein flächendeckendes Kataster erfasst werden. Schon nach wenigen Wochen seien es über 50 gewesen, so dass das Ziel deutlich übertroffen werden dürfte, rechnen Marika Schuchardt und Anja Hansen. Der zweite Schritt sei dann, Ideen zu finden für Pflege und Nachpflanzen sowie dessen Förderung.

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