Brüel : Großes Konzert vor vielen leeren Stühlen

Das Theo-Jörgensmann-Quartett nach dem Konzert im Brüeler Kulturknastfenster: Klaus Kugel, Christian Raimond, Christopher Dell und Theo Jörgensmann (v.l.).  Fotos: Christoph von Fircks
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Das Theo-Jörgensmann-Quartett nach dem Konzert im Brüeler Kulturknastfenster: Klaus Kugel, Christian Raimond, Christopher Dell und Theo Jörgensmann (v.l.). Fotos: Christoph von Fircks

Das Theo-Jörgensmann-Quartett jazzte das Kulturknastfenster in Brüel.

svz.de von
15. Mai 2017, 05:00 Uhr

Vor 20 Jahren haben sie sich zusammengefunden, spielten weltweit ihre innovative Musik. Selbst in China traten sie auf. Nach einem Konzert in Winterthur (Schweiz) im Jahre 2007 gingen die Musiker des Theo Jörgensmann eigene Wege, musizierten in anderen Formationen. Am vergangenen Sonnabend, nach zehn Jahren, erwachte das Theo-Jörgensmann-Quartett im Kulturknastfenster in Brüel zu neuem Leben. Die Originalbesetzung mit Theo Jörgensmann, Klarinette, Christopher Dell, Vibraphon, Christian Raimond, Bass, und Klaus Kugel, Perkussion, schien ihr „sich wiederfinden“ hörbar zu genießen.

Als hätte es nie eine lange Pause gegeben fanden die vier Vollblutmusiker, die alle zur Spitzengarde ihrer Musikrichtung gehören, ihre Dialogform, temporeich, euphorisch bis hin zu ekstatischer Klangfülle. Großartig das musikalische Gefühl füreinander. Wenn sich zu einem starken Bass-Soli fast zart das Schlagzeug meldet, die Klarinette einfällt und das Vibraphon seine perlenden Töne zufügt, dann wird der Zuhörer mitgenommen, verfällt in die Magie der Musik. Die kompositorischen Vorgaben von Christopher Dell und Theo Jörgensmann ließen viel Raum für das solistische Können der Musiker. Der Kölner Christian Raimond gab dem Bass eine große Dynamik. Klaus Kugel zauberte aus seinen Schlag- und Effektinstrumenten eine beeindruckende Klangfülle. Christopher Dells Musizieren, temporeich und in breiter Klangvielfalt, scheint tief aus ihm selbst zu kommen. Gewohnt souverän und das Quartett prägend spielte Theo Jörgensmann.

Es war ein ganz starkes Konzert, ein wirkliches Musikerlebnis. Einziger Wermutstropfen: Viele Stühle blieben leer. Nur knapp ein Dutzend Zuhörer hatten sich eingefunden. Schade und schwer verständlich bei
einem Konzert in der gebotenen Weltklasse-Qualität.

Es wäre schon toll, wieder zusammen zu spielen, sagte nach dem Konzert Christian Raimond, auch weil sie sich alle weiterentwickelt hätten. Im Spiel in wechselnden Formationen wären neue Erfahrungen hinzugekommen, die ihre Musik reifer gemacht habe. Brüel sei eine gelungene Vorbereitung für das morgige Konzert in Berlin gewesen, resümierte Theo Jörgensmann und versprach zugleich, dass es im Brüeler Jazz-Zentrum unbedingt weiter gehen wird – eine Aussage, die alle Freunde dieser Musik auf eindrucksvolle Konzerte hoffen lässt.



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