Wamckow : Große Musik in kleiner Dorfkirche

Die sechs jungen Musiker mit Prof. Christian Wilm-Müller (l.), Hochschule für Musik in Weimar, und Stanislav Soloviev (2.v.l.), Rimsky-Korsakow Konservatorium St. Petersburg.
1 von 3
Die sechs jungen Musiker mit Prof. Christian Wilm-Müller (l.), Hochschule für Musik in Weimar, und Stanislav Soloviev (2.v.l.), Rimsky-Korsakow Konservatorium St. Petersburg.

Das deutsch-russische Jugendkonzert begeistert das Publikum in der Wamckower Dorfkirche. Im nächsten Jahr steht bereits die zehnte Auflage an.

von
18. September 2017, 21:00 Uhr

In der kleinen, wunderschönen Dorfkirche in Wamckow gab es mehrmals hochklassige Konzerte. Das am Sonntagabend von jungen Musikern der Hochschule für Musik in Weimar und des Rimsky-Korsakow Konservatoriums St. Petersburg setzt diese Reihe eindrucksvoll fort.

Zum neunten Mal fand auf Initiative des Vereins „Wir leben“ in Zusammenarbeit mit der Gartow Stiftung sowie großer Unterstützung von Sponsoren diese Reihe deutsch-russischer Jugendkonzerte statt. Nach Parchim, erstmals Plön, Partnerstadt von Plau am See, und der Seestadt selbst war Wamckow die vierte Station vor dem Abschluss heute im Schloss Belvedere Weimar.

Es sei ganz wichtig, dass die jungen Virtuosen auf solchen Bühnen ihr Können unter
Beweis stellen könnten, sagte Prof. Christian Wilm-Müller von der Hochschule für Musik in Weimar, der informativ und unterhaltsam moderierte. Im Januar sei begonnen worden, das Programm sowie die Musiker auszuwählen, zwischen 16 und 18 Jahre alt, jeweils drei aus beiden universitären Einrichtungen. „Franz Liszt“ Weimar mit dem Musikgymnasium Schloss Belvedere und das Rimsky-Korsakow Konservatorium seien Spezialschulen für Musik, „um die besten Talente abzuholen“, so Wilm-Müller. Die Grundlage werde in den Musikschulen gelegt, sie würden damit beginnen, künftige Virtuosen zu fördern und verdienten daher selbst Förderung. Nach St. Petersburg kämen die Jüngsten mit fünf Jahren und seien mitunter ein Dreivierteljahr weit weg von zu Hause.

Die sechs Teilnehmer an dieser Konzertreihe hätten im Mai die Stücke für Klavier, Violoncello, Querflöte, Klarinette, und Violine genannt bekommen, über den Sommer einzeln geübt und erst ab Montag vergangener Woche gemeinsam gespielt, erklärt Wilm-Müller. Das Ergebnis finde er sehr beachtlich. „Ich bin mir sicher, dass auf einem hohen Level musiziert wird, fiebere aber bei jedem Stück mit“, bekennt der Weimarer Professor. Er applaudiert nach jeder Darbietung genauso anerkennend wie das Publikum, das die jungen Virtuosen nie ohne mehrmalige Verbeugung entlässt und deren Herzen sichtlich höher schlagen lässt. „Ich freue mich über die Möglichkeit, dass sie hier auftreten können. Es steckt viel Arbeit darin, die durch den Applaus
belohnt wird.“ Dass dies kein Konzertsaal sei, sondern eine kleine Dorfkirche, mache überhaupt nichts. „Es gibt keine großen und kleinen Spielstätten. Die Menschen haben heute alles zur Verfügung, können sich die Musik ins Haus holen, insofern gibt es nur gute Orte zum Spielen“, so Wilm-Müller im SVZ-Gespräch.

Für ihn sei es „angenehm, dass viele bekannte Melodien zu hören sind“, sagt der Sternberger Peter Jahnke. „Ich bin kein Fachmann, doch ich finde die hervorragend gespielt.“ Das sieht Dr. Helga Böhm
genauso: „Mit welcher Fingerfertigkeit und Geschwindigkeit.“

Um das zu erleben, müssten sie sonst auf Reisen gehen, sagt Klaus-Dieter Dehmel aus Dabel, wie Ehefrau Jeannette völlig angetan von dem Konzert. Sie seien schon in der Semperoper gewesen. Mit der ganzen Familie einmal im Jahr nach Dresden sei für sie beinahe ein Muss. Auch die drei Kinder seien sehr musikalisch, die beiden Großen hätten Gitarre gelernt, die Jüngste spiele Klavier. Wenn es die Zeit zulasse, besuchten sie auch hier gern Konzerte, wie in der Sternberger Stadtkirche.

Bei jedem der Jugendkonzerte – und immer wieder freudig, wie sie sagen – sind Erika und Friedrich Neumann vom Rande Schwerins. Sohn Steffen von Piano Neumann stellt den Flügel zur Verfügung.

Im nächsten Jahr hätten die deutsch-russischen Jugendkonzerte ihr zehntes Jubiläum. Das werde wieder ein Erlebnis, blickt Vereinspräsident Marco Rexin von „Wir leben“ schon jetzt voraus.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen