Ostertreff : Groß Raden als Wikinger-Pilgerort

Trotz Feuchte von oben im Freien am Karfreitag: „Das ist norddeutscher Regen, der fällt senkrecht“, verkündet Fabian aus Nordhastedt (vorne rechts) hartgesotten. Fotos: Roland Güttler
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Trotz Feuchte von oben im Freien am Karfreitag: „Das ist norddeutscher Regen, der fällt senkrecht“, verkündet Fabian aus Nordhastedt (vorne rechts) hartgesotten. Fotos: Roland Güttler

Seit Jahren ist es Tradition: Die Freunde der Nordmänner zieht es aufs Gelände des Archäologischen Freilichtmuseums

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26. März 2016, 12:03 Uhr

Sie kommen aus ganz Norddeutschland aber auch aus anderen deutschen Landen – und sogar internationales Flair bietet das österliche Treffen der Wikinger-Freunde auf dem Freigelände des Archäologischen Freilichtmuseums Groß Raden. Selbst Gäste aus Luxemburg, Schweden, Holland und der Schweiz tauchen hier in die Zeit von vor 1000 Jahren ein; lassen ihrem Wikinger-Faible freien Lauf.

Während Ulrich Sobbe aus Dortmund, nachts um zwei Uhr wie viele andere „Nordmänner“ erst angereist, gestern Mittag gerade sein rustikales Wikinger-Frühmahl mit „ordentlich Fleisch, Speck und Brot“ beendet hatte, waren andere längst auf den Beinen. Simone aus der Lübecker Ecke liebt es, früh aufzustehen und den Sonnenaufgang zu genießen. „Solch eine Atmosphäre, die gibt nirgendwo anders“, ist sie überzeugt.

Neben ihr mit einem wärmenden Kräutertee-Becher in der Hand am wärmenden Feuer sitzt die 17-jährige Tjede aus Lübeck. Auf die Frage, warum sie in dem Alter bei den Wikingern mitmacht, kommt zur Antwort aus der Runde: „Andere werden getauft, sie ist eben von kleinauf Wikingerin.“ Das gilt auch für ihren Bruder Tjark (20). Mutter Petra Kaukewitsch hält sich derweil mit Ehemann Stefan und Mischlingshund Dascha im Zelt auf und näht an einem Mantel. „Ich brauche etwas Wärmeres“, sagt sei. Bei den Kaukewitsch’ ist Wikingersein in der Freizeit eine Leidenschaft. Stefan Kaukewitsch war acht Lenze, als sein Vater in Schleswig die Ausbildung vom Oberstaats- zum Generalstaatsanwalt machte. Vor den Toren Schleswigs „lief gerade die Ausgrabung in Haithabu. Ich durfte dabei sein.“ Der Wikinger-Bazillus ließ ihn nicht mehr los; ja, seine ganze Familie ist infiziert. Und so geht es vielen. Sebastian Born (36) etwa ist extra aus dem fränkischen Würzburg samt Wikinger-Zelt angereist. Wo er herkommt, verrät unverkennbar sein rollendes „Errr“.

Der Oster-Ober-Wikinger von Groß Raden ist jedoch seit 15 Jahren Jörg Fraske, Wikinger-Name „Jorge“, aus Rheinland-Pfalz, der die „Aufsicht“ über die hier bis Ostermontag lagernden Nordmänner und -frauen hat. „Eigentlich stamme ich aus dem Tauberfränkischen“, sagt er. 2016 weilt Fraske bereits zum zweiten Mal in Groß Raden. „Auf der Rückfahrt von Schweden haben wir hier schon mal Station gemacht“, sagt er und ist nicht ohne Begleitung. Seit 15 Jahren ist er mit Nusse Mellgren zusammen, die von einer Insel vor Stockholm stammt und als Dozentin für Design an der Hochschule Kristianstad arbeitet. Kennengelernt hat man sich, wo sonst, bei einem Wikingertreffen in Dänemark!

Noch bis Montag hält das bunte Treiben in Groß Raden an: u.a. mit Schmieden, Wolle Färben, Bogenschießen, Töpfern und Zinn gießen für Kinder. Jörg Fraske verspricht zudem Schaukämpfe – und der Wettergott ab heute besseres Wetter jenseits der zehn Grad. Das Museum hat täglich von von 10 bis 17.30 Uhr geöffnet.

Auf dem Weg zum Eingang des Freigeländes bietet zudem Jens Kohlhaus vom Kamelhof Sternberger Burg über Ostern täglich Safaris ins Elch-Gehege an.  

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