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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

19. Oktober 2017 | 13:08 Uhr

Goderner Katzen im Schussfeld

vom

svz.de von
erstellt am 16.Okt.2012 | 05:27 Uhr

Godern | Kater Charly geht es wieder besser. Und auch Oliver Schack hat den Schock allmählich überwunden. Das Tier wurde von Unbekannten am 30. September angeschossen und konnte ein paar Tager später nur mit einer Operation gerettet werden. Der Maikater mit dem rötlichen Fell gehört dem zwölfjährigen Jungen aus Godern. "Eins von seinen sieben Leben ist nun wohl weg. Er hat ja zum Glück noch sechs", macht sich Oliver selbst Mut.

Zugleich schwingt in diesen Worten immer noch Fassungslosigkeit und Entsetzen mit, dass es in der unmittelbaren Umgebung einen Menschen geben muss, der auf das Haustier der Nachbarn schießt - mit eindeutiger Tötungsabsicht. "In der Tierarztpraxis haben wir erfahren, dass hier in diesem Jahr zwei andere Katzen aus Godern mit Schussverletzungen eingeschläfert werden mussten", berichtet Vater Bernd Schack. Das gab auch den letzten Anstoß, den Vorfall bei der Polizei anzuzeigen. "Selbst wenn die Chancen nur gering sind, den Täter zu finden, auf sich beruhen lassen wollen und können wir diese Sache nicht", betont der 45-Jährige.

Besonders schwer ist der gesamte Vorfall für Oliver. Kater Charly ist sein neugieriger und zutraulicher Gefährte. Das Tier wurde erst im Frühjahr geboren und ersetzte den Platz der Familienkatze, die kurz vor Weihnachten 2011 im Alter von 17 Jahren eingeschläfert werden musste. Oliver kümmerte sich bereits um dieses Tier - wie jetzt auch um Charly.

Kurz vor dem Herbstferien stellte der Junge aus Godern seinen Mitschülern aus der sechsten Klassen an der Cambser Schule Charly beim Haustierprojekt im Biologieunterricht vor. Alle Kinder waren von dem Kater begeistert, nahmen ihn auf den Arm und streichelten ihn.

Vielleicht wurden nun genau Zutraulichkeit und Neugier gepaart mit Unerfahrenheit dem jungen Kater zum Verhängnis. Denn der Schuss aus einer Luftdruckwaffe muss aus der Nähe abgefeuert worden sein, erfuhr Bernd Schack von der behandelnden Tierärztin. Das Diabolo steckte im Rücken, knapp oberhalb der Wirbelsäule. Das ist auf der Röntgenaufnahme bestens zu sehen. "Ein wenig tiefer und wir hätten Charly nicht helfen können", resümiert Bernd Schack. So nahm die Familie mehrere hundert Euro von ihrem Ersparten und finanzierte die Operation. "Einen neuen Fernseher können wir jetzt nicht kaufen, doch dieses Opfer war es uns allen wert."

Froh sind alle Familienangehörigen, dass sie Charly mit Hilfe der Tierärztin überhaupt retten konnten. Denn zuerst hatten sie die Verletzung gar nicht so ernst genommen. "Wir haben die Wunde gleich gesehen, aber gedacht, die stammt von einer Rauferei unter Katern", erinnert sich Bernd Schack. Doch nach wenigen Tagen wurde es nicht besser, sondern schlimmer. Charly wurde richtig krank und zog seine lahm gewordenen Hinterläufe nach. Der Besuch beim Tierarzt brachte dann Klarheit - und die schockierende Wahrheit ans Licht: Charly wurde angeschossen. Auch die Pflege nach der Operation hat der Familie viel aberlangt. "Das ist alles geschafft", betont Bernd Schack. Doch es bleibt die Furcht, dass so etwas wieder geschehen könnte. "Man kann eine Katze auch anders von seinen Gemüsebeeten und gefiederten Freunden fern halten. Dazu muss sie nicht zum Krüppel geschossen oder getötet werden", betont Vater Schack. Sohn Oliver kann immer noch nicht verstehen, wie jemand so gemein und feige sein kann. Der Zwölfjährige wünscht sich eine Entschuldigung von dem unbekannten Schützen - auch um mit den Geschehnissen endgültig abschließen zu können und in Zukunft nicht um das Leben seines Haustieres fürchten zu müssen.

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