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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. November 2017 | 21:28 Uhr

Rothen : "Globalisierung zum Anfassen"

vom

Zur einem Podiumsvortrag und einem Theaterworkshop lud der Verein Rothener Hof in seine Werkstatt ein. Gäste aus Ecuador erzählten von ihrem Volk, und die Gruppe "madera metalico" brachte Lieder und Tänze dar.

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erstellt am 10.Jun.2013 | 08:46 Uhr

Rothen | Zur einem Podiumsvortrag und einem Theaterworkshop lud am Freitagabend der Verein Rothener Hof in seine Werkstatt ein. Gäste aus dem lateinamerikanischen Ecuador erzählten von ihrem Volk, und die Gruppe "madera metalico" brachte auf ihren landestypischen Instrumenten Lieder und Tänze dar.

"Ich war vor zehn Jahren in Ecuador bei einer Bekannten und hatte vor einiger Zeit einen Vortrag in Berlin an der Hochschule für Soziales, Arbeit, Gesundheit, Bildung und Erziehung abgehalten. Dadurch ergaben sich private Beziehungen, die wir nutzten, die ,Globalisierung zum Anfassen und Verändern bei uns vorzustellen und dazu einzuladen", sagte Initiatorin Takwe Kaenders. Im Mittelpunkt des Abends stand das Bewusst-sein-Machen, welchen Einfluss unser Handeln auf den ecuadorianischen Regenwald hat.

"Wir weilen mit sieben Ecuadorianern und 14 Studenten der Berliner "Alice Salomon" Hochschule für drei Tage in Rothen. Im Zentrum der insgesamt dreiwöchigen Zusammenarbeit mit den lateinamerikanischen Gästen steht die Begegnung der Menschen verschiedener Kontinente. Mit dem Workshop und den Vorträgen wollen wir die Öffentlichkeit aufmerksam machen auf die Missstände durch die Reduzierung des Regenwaldes", erzählte die Professorin für soziale Kulturarbeit, Ulrike Hemberger.

Juan-Pablo, Daniel, Emilia und Carmen waren die vier afro-äquadorianischen Musiker. In ihrem Workshop stellten sie den Gästen ihre Musikinstrumente, die Marimba, Bombo und Kununo, vor. Sie leben an der kolumbianischen Grenze, hier sind die Mangrovenwälder schon zu 70 Prozent verschwunden. Damit nimmt man der Ur-Bevölkerung den Lebensraum. Denn diese leben dort noch mit der Natur im Einklang.

In ihrem Verein zuhause pflegen die jungen Leute ihre Traditionen, wozu auch der Nachbau der Musikinstrumente gehört. Sie betreiben ehrenamtlich eine Musik- und Tagesschule für die Kinder. Hier lernen die Jungen und Mädchen die alte Kultur ihres Volkes kennen mit den Liedern und Tänzen. Um ihre Traditionen und das natürliche Leben der Menschen ihres Heimatlandes zu erhalten, bräuchten sie Geld. Das bekommen sie durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit aber nicht. Würden die Initiatoren arbeiten gehen, müsste die Schule geschlossen werden. So sind Juan-Pablo, Daniel, Emilia und Carmen auf Mission, um auch Unterstützung für ihr Schulprojekt "Asociacion Juvenil Madera Metalico" aus der Stadt Borbon, zu suchen. Spannend und lebendig war demzufolge der kleine Ausschnitt ihres musikalischen Programms, das sie auf dem Dachboden des Rothener Vereinshauses zeigten.

Gestenreich sprach Yijunt über die Geschichte des Bildungswesens vorher und jetzt. Sie ist Lehrerin in ihrem Dorf, das im Amazonas-Zuflussgebiet liegt. Ihre Vorfahren waren Nomaden, die in Familienverbänden lebten und die sich gegenseitig bekriegten aufgrund des guten und bösen Schamanismus. Inzwischen wurden auch die Nomaden missioniert und die Verbände schlossen sich zusammen. Die Kinder besuchen eine Schule. Die Eltern wollen auch hier die beste Bildung für ihre Kinder und vergessen dabei ihre Umwelt. Diese geht ihnen verloren durch das Ausschreiben von Lizenzen an Erdölkonzerne.

Trotz Verankerungen von Mitspracherechten der indigenen Bevölkerung setzt sich die Regierung über die Völker hinweg und beschließt die Abholzung des Regenwaldes. Mit den Geldern werden Löcher in den Kassen des armen Landes gestopft. Andererseits passiert der Kahlschlag ohne nachhaltiges Denken, welche Folgen die Abholzung für den gesamten Erdball hat.

Yijunt gründete mit ihrem Bruder eine Schule, an der die englische Sprache gelehrt wird. Ihr Traum ist es, dass die Natur erhalten bleibt, so wie sie ist. Denn sie bietet den dort lebenden Völkern alles - Nahrung, Kleidung, Medizin. Auch der gelernte Elektriker Olger erzählte emotionsreich vom Leben des indigenen Volkes im Regenwald, ohne moderne Technologie. Von der Missionierung eines US-Amerikaners, dass die Indios plötzlich ihre Waren und Dinge mit Geld bezahlen sollten, was anfangs nicht klappte, und das die Erdölgewinnung schon ecuadorianische Völker spaltete.

Es gibt Rundfunksender im Regenwald, über die die Menschen sich informieren. Yanda ist Moderator für einen dieser Sender, erzählte Professorin Hemberger im Vorfeld. Sie möchte noch einmal die transkulturelle Arbeit verdeutlichen, die auch generationsübergreifend war während des Aufenthaltes der Gäste aus Ecuador.

Während des Besuchs in Rothen genossen die Studenten und ihre Gäste die Freizeit mit Schwimmen und Ballspielen. Für gute Laune sorgte Richard Scherer vom Cafe Rothener Hof mit deutschem Essen. Kartoffelsuppe mit Rind, Tomatensuppe, Hühnerbrühe, Salat, Sauerkraut mit Schweinebraten waren Gerichte der deutschen Küche, die sich die Ecuadorianer gewünscht hatten, so der Wirt.

Gefördert wurde die Veranstaltung mit einem Zuschuss von Ver.di-Forum Nord, sagte Takwe Kaenders. Sie informierte auch, dass der Verein Rothener Hof am vergangenen Mittwoch einen mit 2000 Euro dotierten Preis von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in Berlin überreicht bekam. Unter 280 Teilnehmern war konnte sich der Verein an neunter Stelle behaupten.

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