Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen : Gleichstellung braucht Zeit

Gleichstellungsbeauftragte Antje Kühl.
Gleichstellungsbeauftragte Antje Kühl.

Die Gleichstellungsbeauftragte für das Amt Sternberger Seenlandschaft übt ihr verantwortungsvolles Ehrenamt neben einem Vollzeitjob aus

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25. November 2017, 12:05 Uhr

Am heutigen 25. November wird der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen begangen. Anlässlich dieses jährlichen Gedenk- und Aktionstages zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt jeder Form gegenüber Frauen gibt es auch in den Landkreisen Ludwigslust-Parchim und Nordwestmecklenburg Veranstaltungen, die zumeist von den Gleichstellungsbeauftragten der Landkreise bzw. der Kommunen organisiert werden. Im Kino Parchim laufen beispielsweise seit Mittwoch und noch bis zum 29. November die Frauenfilmtage, in Wismar gab es gestern eine Aktion der beiden Mitarbeiterinnen des Frauenhauses vor dem Rathaus, bei der Passanten auf eine Postkarte schreiben konnten, was ein gewaltfreies Leben für sie bedeutet. Diese Postkarten wurden um 13 Uhr mit Luftballons in den Himmel geschickt.

Für die SVZ war dieser Tag ein Anlass, sich mit Antje Kühl zu treffen, der Gleichstellungsbeauftragten des Amtes Sternberger Seenlandschaft.

„Ich habe keine Veranstaltung zum Antigewalttag organisiert“, meint Antje Kühl. „Denn es ist wirklich ein Problem, dass ich dieses Ehrenamt neben meinem Vollzeitjob ausübe.“ Antje Kühl, die hauptberuflich in Vollzeit als Amtsvormund für den Landkreis Ludwigslust-Parchim arbeitet, hat auch noch zwei Kinder im Alter von zwei und elf Jahren und ist für die Schiedsstelle des Amtsbereiches zuständig. Zum Amtsbereich gehören die Städte Sternberg und Brüel sowie zehn Gemeinden, insgesamt rund 13 000 Einwohner (Stand 2015). Zum Vergleich: die Stadt Boizenburg mit rund 10 600 Einwohnern hat eine Gleichstellungsbeauftragte mit 20 Stunden pro Woche fest angestellt. Weil sie so viel zu tun hat - zum Beispiel Betriebe über das Zertifikat familienfreundliches Unternehmen zu informieren und sie dazu zu beraten, sich einen Überblick über die Gleichstellung in Stadt und Stadtverwaltung zu verschaffen, Veranstaltungen z. B. zur Antigewaltwoche, zum Christopher-Street-Day und zum Equalpay-Day zu organisieren, eine anonyme Selbsthilfegruppe von Betroffenen häuslicher Gewalt zu unterstützen oder sechs Porträts über starke Frauen der Stadt zu drehen - wird ihre Arbeitszeit wohl demnächst auf 30 Wochenstunden erhöht.

„Es gab bisher noch keinen, der an mich heran getreten ist in meiner Funktion als Gleichstellungsbeauftragte“, meint Antje Kühl, die diese Arbeit im Dezember 2015 von Anke Bittermann übernommen hat. „Der Girls Day ist in diesem Jahr in Sternberg auch ins Wasser gefallen, weil es keine Anfrage von der KGS gab.“ Am Girls Day bekommen Mädchen einen Tag schulfrei, um in Unternehmen, die diesen Tag von sich aus anbieten oder in solchen, die sich die Schülerinnen selbst suchen, einen Einblick in frauenuntypische Berufe zu bekommen. „Wahrscheinlich müsste man die Mädchen dafür ein bisschen mehr motivieren“, vermutet Kühl.

„Mir ist jedenfalls wichtig, dass wir die Kommunikation zwischen Kreis und Kommune wieder besser hinbekommen“ , meint sie mit einem generellen Blick auf ihre Arbeit. Am 4. Dezember hat sie deshalb einen Gesprächstermin mit der Gleichstellungsbeauftragten LUP, Heidrun Dräger, vereinbart „um zu erfahren, wie wir das gemeinsam wuppen können.“ Zuvor hat sich Antje Kühl erst einmal einen Überblick über ihre Aufgabenbereiche verschafft. Das sind ja nicht nur der große Bereich der Gleichstellung von Männern und Frauen, sondern auch die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen und die von Menschen mit Migrationshintergrund. „Mein Wunsch ist es auch, mit den Institutionen oder Menschen in Kommunikation zu kommen, die sich hier schon mit diesen Themen beschäftigen.“ Wie der Frauenbund, die Sozialarbeiterin der KGS, die Konfliktberatungsstelle des DRK, der Seniorenbeirat und die Sternberger Tafel. Zu den Treffen oder Sprechzeiten dieser Organisationen bzw. Einzelpersonen zu gehen, fehlt Antje Kühl die Zeit, denn die finden meist am Vormittag statt, wenn sie in ihrem Job arbeiten muss. „Ich dachte aber auch, dass da mal jemand von sich aus auf mich zukommt.“ Wer ein Problem in den genannten Themenbereichen hat oder auch ein Projekt vorschlagen möchte, kann sich an Antje Kühl unter der Telefonnummer 0172/9647 267 wenden.

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