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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

17. Oktober 2017 | 19:14 Uhr

Sternberg : „Germany ist mein neues Zuhause“

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Syrischer Flüchtling Issam Al Ballehyi (21) möchte Danke sagen für die Hilfsbereitschaft / Zurück nach Vorderasien nur noch im Urlaub.

von
erstellt am 09.Okt.2015 | 22:04 Uhr

Seit nunmehr drei Wochen lebt der 21-jährige Issam Al Ballehyi zusammen mit seinem jüngerem Bruder Odai (13) sowie 13 weiteren syrischen Flüchtlingen in insgesamt drei Wohnungen der Sternberger Wohnungsbaugesellschaft (Stewo). Issam, der zuvor zwei Semester englische Literatur in Damaskus studierte, ist in Sternberg so etwas wie das Sprachrohr der Flüchtlinge, übersetzt für andere ins Arabische. Der Mann aus der südsyrischen Provinz Daraa ist froh, zusammen mit seinem Brüder hier in Deutschland zu sein. „Danke für das ,Welcome Refuges‘. Germany ist mein neues Zuhause“, sagt er vor Beginn des privat organisierten Deutschkurses im Sternberger Pfarrhaus durch Patrick Scott Dingle, dem Ehemann von Pastorin Katrin Teuber.

Danke zu sagen, ist ihn sehr wichtig. Zugleich ärgert er sich über Flüchtlinge, „die Essen, Unterbringung oder die deutschen Behörden kritisieren. Wir sollen dankbar sein, hier in Deutschland zu sein!“, erklärt Issam. Ein Punkt, der ihm ganz wichtig ist genauso wie der folgende Satz: „Wir sind nicht als Wirtschaftsflüchtlinge hier.“

Auf alle Menschen gehe er freundlich zu, sagt „Hallo“. Dabei spüre er durchaus Reserviertheit; ja von einigen schlage ihm auch Hass entgegen. Und dennoch steht für den 21-Jährigen fest: „Germany ist mein neues Zuhause“. Auch wenn in Syrien einmal Frieden herrschen sollte – was man sich nach fünf Jahren Bürgerkrieg mit seinen diversen Fronten in einer Art Stellvertreterkrieg der Groß- und Regionalmächte aktuell nur schwerlich vorstellen kann – Issam Al Ballehyi will nicht wieder zurück. „Im Urlaub vielleicht, aber sonst auf gar keinen Fall.“

Das gilt auch für die anderen Syrer beim privaten Deutschkurs im Pfarrgebäude. „Bei der ersten Veranstaltung mit den Flüchtlingen in Sternberg habe ich die Hand gehoben für eine Deutschstunde“, so Dingle. Es ist mittlerweile längst nicht bei der einen geblieben. Zum zweiten Mal an seiner Seite beim Unterricht war in der Woche Niki Stefanidis. „Ich bin da, eben da und gucke, wo ich helfen kann“, benennt die Frau aus dem kleinen Ort Dinnies in der Gemeinde Hohen Pritz ihr kleines, ganz persönliches „Welcome Refuges“. Auch Patrick Scott Dingle hilft in der Notsituation gern. Aber zugleich denkt der in Las Vegas Geborene darüber nach, „wann und wie das mal staatlich organisiert wird“. Freiwillige ersetzten auf Dauer keine staatlichen Aufgaben.

Issam, Odai und die anderen sind froh, Deutsch zu lernen. Darunter sind die siebenjährige Nadia Alhamdan (sie kann bereits akzentfrei Eins und Fisch sagen) und ihre Schwester Rawan (15), die zusammen mit der Mutter sowie Cousin Emad (25) und Onkel Ibrahim (30) in Sternberg unterkamen.

Für Issam Al Ballehyi gibt es neue Nachrichten: „Meine Mutter sowie zwei Brüder und zwei Schwestern haben sich gerade von Izmir (Türkei – d. Red.) aus auf den gefährlichen Weg übers Mittelmeer nach Deutschland gemacht. Mein Vater hingegen ist verschollen.“  

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