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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 12:38 Uhr

Hohen Pritz : Genug Punkte für Eigenständigkeit

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die Gemeinde Hohen Pritz hat bei der Selbsteinschätzung eher knapp gerechnet und liegt mit 56 Punkten sicher über der magischen Grenze.

von
erstellt am 16.Okt.2017 | 20:30 Uhr

Die Selbsteinschätzungen der Städte und Gemeinden liegen fast alle vor. Diese waren nach dem Mitte 2016 beschlossenen Leitbildgesetz des Landes verpflichtet, ihre Zukunftsfähigkeit zu bewerten und daraus möglicherweise Schlüsse für freiwillige Fusionen zu ziehen.

Hohen Pritz mit den Ortsteilen Klein Pritz, Kukuk und Dinnies ist nach der Zahl der Einwohner – rund 350 laut Bürgermeister Jan Kessel – die kleinste Gemeinde im Amt Sternberger Seenlandschaft. Unter dem Strich stehen bei ihr 56 Punkte – von möglichen 100 . Die liegen nicht weit, aber sicher genug über der magischen Grenze von 50 und sind „absolut realistisch“, wie der Bürgermeister sagt. Bei Kommunen, die darunter bleiben, steht die Zukunftsfähigkeit möglicherweise in Frage.

Über die Eckpunkte der Selbsteinschätzung sei vorher in einer Einwohnerversammlung informiert und eine Arbeitsgruppe aus den Mitgliedern der Gemeindevertretung gebildet worden. „Dann hat jeder für sich den Fragebogen ausgefüllt, bevor wir uns zusammengesetzt haben“, so Kessel. Gerade bei größeren Unterschieden sei ausdiskutiert worden, „warum das so oder so gesehen wurde“. Ob diese Eigenbewertung was nützt, darüber lasse sich streiten, ebenso darüber, ob eine Gemeinde mit über 50 Punkten wirklich überlebensfähig sei. „Zumindest soll es eine Tür sein, um Gespräche zu führen in Richtung Fusionen. Was eine Gemeinde daraus macht, bleibt ihr selbst überlassen. Wer in der Kommunalpolitik tätig ist, hat einen realistischen Blick“, sagt Kessel.

Eingangs bei den Pflichtaufgaben habe sich Hohen Pritz acht von zehn Punkten gegeben. Eine aktive Feuerwehr zähle hier hinein, und nachdem zuletzt die Fritz-Reuter-Straße in Hohen Pritz und die Ortsdurchfahrt von Kukuk erneuert wurden, seien die Straßen in Ordnung. „Wer weiß, wie es in zehn Jahren aussieht“, fragt sich jedoch der Bürgermeister selbst. Schule und Kindertagesstätte habe die Gemeinde nicht.

Zwei von drei Punkten sind es bei den so genannten freiwilligen Verwaltungsaufgaben in Sachen Kultur, Sport und Senioren. Es gebe Veranstaltungen, aber keine durchgängigen Angebote etwa durch einen Sportverein, so Kessel.

Gut gepunktet mit 20 von 25 habe Hohen Pritz bei der finanziellen Leistungsfähigkeit, Amtskämmerer Reinhard Dally dafür die Zahlen geliefert. Ausgeglichener Haushalt, keine laufenden Kredite, hohe Steuerkraft nennt der Bürgermeister als Eckpunkte. Letztere liege mit 827 Euro pro Einwohner weit über dem Landesdurchschnitt (577 Euro). Die Gemeinde habe auch „auskömmliche Rücklagen“, große Investitionen seien trotzdem nicht möglich. „Wenn wir irgendwann an die Straßen heran müssen, ist das Geld weg“, gibt Kessel zu bedenken.

Bei aller Bedeutung von Finanzen und Infrastruktur stehe für ihn aber das dörfliche Leben, „das wir nur von uns aus gestalten können“, ganz weit vorn, sagt Kessel. „Bei den Möglichkeiten, die wir haben, ist das in Ordnung. Natürlich geht immer mehr.“ Gemeindevertretung, Feuerwehr und ihr Förderverein sowie der von der Kirche stünden an der Spitze. Hohen Pritz könne sich auch über zahlreiche Zuzüge freuen. Bescheiden sei die Gemeinde jedoch bei 11 von 25 Punkten geblieben.

Bei Fusionen hält sich der Bürgermeister von Hohen Pritz bedeckt. „Sicher müssen wir uns Gedanken machen über die künftigen Gemeindestrukturen.“ Doch er er halte nichts von der Formulierung im Mustervertrag des Innenministeriums, in dem von übernehmender und zu übernehmender Gemeinde die Rede sei. Wenn, dann nur auf Augenhöhe, mit Fingerspitzengefühl, dass sich die Bürger mit einer Fusion identifizieren, betont Jan Kessel. Derzeit sei das kein Thema.

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