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Scherenschnittkünstler Jaques Matéos : Genie mit Chirurgenschere ist jetzt Wariner

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Flink gleiten die Scherenschenkel in das schwarze Papier hinein und formen Gesichtssilhouetten. Seit wenigen Wochen steht der Meister der Scherenschnittkunst Jaques Matéos im Schweriner Schlossparkcenter.

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erstellt am 23.Dez.2011 | 04:00 Uhr

Warin | Flink gleiten die Scherenschenkel in das schwarze Papier hinein und formen Gesichtssilhouetten. Wie ein Jongleur bewegt die linke Hand das Papier und die rechte Hand die Schere. Seit wenigen Wochen steht der Meister der Scherenschnittkunst Jaques Matéos im Schweriner Schlossparkcenter. Die Leute kommen aus dem Staunen nicht heraus und spendieren dem Franzosen oftmals Applaus, wenn er sein kleines Kunstwerk nach wenigen Sekunden vorzeigt, das er gerade erst zu formen begann.

Zum Ende des größten Weihnachtsmarktes Deutschlands in Dortmund im vergangenen Jahr, hat Jaques Matéos sein Geschäft verkauft. Seit knapp neun Monaten wohnt der 74-Jährige nun in Warin. Vor zwei Jahren bereits ist seine Frau Christa in den mecklenburgischen Ort gezogen. Sie renovierte das Haus, ihr Mann zog jetzt nach.

"Wir waren hier einmal in Sternberg im Urlaub gewesen mit Bekannten. Die Gegend hat uns sehr gut gefallen. Der Bekannte machte den Vorschlag, sich nach einem passenden Häuschen umzusehen. In Warin wurden wir fündig. Ein kleines Haus mit Garten und Auslauf für die Hunde", erzählte Christa Matéos. Sie ist absolute Hundeliebhaberin, mag die Natur und hat sich in diesen Landstrich längst verliebt. Vor allem liegen ihr die Tiere am Herzen, die zu halten in der Großstadt wie Düsseldorf schier unmöglich ist.

Nun fehlen dem Silhouettisten noch die nötigen Kontakte zu Märkten und Schaustellern, um seine Arbeit hier im Norden fortführen zu können. "Der Centermanager war beeindruckt von der Fingerfertigkeit meines Mannes. Nun wäre es schön, wenn es nach dem Weihnachtsfest weiter Aufträge und Anfragen geben würde", so die 72-Jährige.

Immerhin hatte der Franzose mit spanischen Wurzeln schon Willy Brandt, Henry Kissinger und Supernase Mike Krüger vor der Schere gehabt.

"Mein Instrument ist eine Chirurgenschere, deren Schenkel man einzeln zusammenstecken kann", zeigt Matéos. Das Papier ist Spezial-Scherenschnittpapier. Das holt er sich aus dem Künstlerbedarf, da nicht jedes Scherenschnittpapier gleich ist.

"Als ich einmal in einem Jumbojet tausende von Kilometern geflogen bin, habe ich in den Stunden während des Fluges von 60 der 300 mitgeflogenen Passagiere Scherenschnitte angefertigt. Zuvor hatte ich den Flugkapitän um Erlaubnis gefragt. Jetzt geht das alles nicht mehr. Wegen der Sicherheitsvorkehrungen muss die Schere im Koffer im Gepäck bleiben", so der 74-jährige Neu-Wariner.

Seine Scherenspuren hinterließ er schon auf der ganzen Welt, in Washington, Rumänien, Belgien, den Kanarische Inseln und verdiente sich damit seinen Lebensunterhalt. "Ich mache einen Job ohne Diplom und das seit 43 Jahren", lächelt er und schneidet gerade die Silhouette von Inge Bartholomäus aus. Die Parchimerin hatte in der Zeitung davon gelesen und war extra ins Schlossparkcenter gekommen. Ruck zuck war das Konterfei in die Plastikumhüllung gesteckt, Meister und Kundin lächelten zufrieden. Helmut Triebsch hatte Matéos schon in Wismar erlebt und fand ihn toll. Am Vortage ließ seine Frau sich im Scherenschnitt abbilden und er wollte nun das Pendant dazu von der anderen Seite haben, so dass beide Scherenschnitte sich quasi anschauten, wenn sie an die Wand gehängt werden. Petra Eckert brachte eine Fotocollage dem Meister vorbei, den sie während seiner Arbeit abgelichtet hatte, als er die Tochter portraitierte.

Wie groß ein Scherenschnitt ist, das entscheidet übrigens der Kunde selber. Wenn es sein soll, fertigt der Meister des Scherenschnittes diesen auch in Lebensgröße.

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