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Wir in Borkow : Handwerksarbeit statt Serienfertigung

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Korbmachermeister Ralf Eggert ist seit gut zehn Jahren in Woserin selbstständig.

svz.de von
erstellt am 27.Dez.2015 | 21:52 Uhr

An der Seite stehen Flechtwände für eine Kutsche. Einige Stellen sind brüchig, grüne Farbe ist abgeplatzt. Mit dem Wagen wurde einst Heu oder Stroh eingefahren, am Wochenende auch mal durch die Gegend kutschiert. Ralf Eggert erneuert die Teile original „mit geschälter, heller Weide“. Die bleibe in Natur, Lack sei „der Tod fürs Geflecht“. Es werde dadurch spröde und gehe kaputt, erklärt der Woseriner Korbmachermeister.

Neben Sonderanfertigungen erledige er zumeist Reparaturen. Was die Werkstatt verlasse, gebe es nicht im Laden zu kaufen, das sei Handwerk. Sich was ausdenken und eine Serie aufbauen, funktioniere bei einem heutigen Korbmacher nicht, ist Eggert überzeugt. Denn Weidenkörbe, woher auch immer, würden beinahe an jeder Ecke angeboten. Seine Stärke sei es, auf Kundenwünsche zu reagieren.

Manches lasse sich mit recht geringem Aufwand in Ordnung bringen. Stühle oder Wäschekörbe – die Leute würden daran hängen und wollten so was nicht wegwerfen. Ebenso dachten die Besitzer einer Hängebank von Ikea, die einer Hollywoodschaukel ähnelt, aber mit Rohr ausgeflochten war. Das ersetzt der Woseriner durch Weide. „Die hält länger.“ Altes in Neuem zu integrieren, wie bei Wabi-Sabi, das in der japanischen Teezeremonie geboren wurde, findet er interessant. „Das hat auch was mit Achtung zu tun.“

Der gebürtige Havelberger machte sich 2005 in Woserin selbstständig. Er hatte zwei Jahrzehnte in Dresden gelebt. Als er dort von 1985 bis 1990 Berufspädagogik für Bauberufe studierte, wurde ihm mittendrin angeboten, nach dem Abschluss Korbmacher zu unterrichten. Neben dem Studium absolvierte er daher seine praktische Ausbildung.

Die ersten vier Jahre Selbstständigkeit waren nicht leicht, sagt Eggert, doch längst sei er zufrieden. Selbst die Saure-Gurken-Zeit im Frühjahr bis zu den ersten Märkten gebe es für ihn nicht mehr. „Ich habe viele Aufträge und Kontinuität, möchte jetzt nur noch zuverlässiger werden. Es gibt Kunden, die ein Jahr warten.“

Im Januar/Februar erntet der Korbmachermeister sein Material, bevor die Gehölze im Saft stehen. Er hat eine Weidenkultur in Wendisch Waren bei Goldberg. Ruten von Kopfweiden würden sich nicht eignen. Am Gutshaus in Woserin wachsen neue Weiden heran. Eggert hat die Scheune dort, die zuvor gepachtet war, im Frühjahr von der Gemeinde gekauft. Seine Werkstatt soll geräumiger werden, getrennt vom Lager, er möchte Kurse durchführen und 2017 einen kleinen Markt mit mehreren Korbmachern. Im Januar beginnt erstmals ein Praktikant.

Eggert, der seit August allein lebt, fühlt sich in Woserin samt Umgebung wohl, „angekommen und heimisch im wahrsten Sinne des Wortes“. Ein Gefühl, das er bereits vor zehn Jahren hatte, „nachdem ich von 1990 bis 2004 zwölf Mal umgezogen war“. Eggert ist auch ehrenamtlich Gemeindevertreter.

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