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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

18. November 2017 | 20:46 Uhr

Warin : Geheimnisse um Schünemann

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Genau am 100. Todestag erinnerten die Musikschule und das Stadtarchiv an den weltweit bekannten Geigenbaumeister, der in Warin lebte.

svz.de von
erstellt am 15.Mai.2014 | 17:16 Uhr

Manchmal wünscht sich der Wariner Ortschronist Christoph von Fircks eine kriminalistische Ausbildung. Obwohl er bei seinen Recherchen schon oft den richtigen Spürsinn bewiesen hat. Doch bei Otto Schünemann, dem weltweit bekannten Geigenbaumeister, der in der Stadt seinen Lebensabend verbracht hat, bleiben Geheimnisse, denen der umtriebige Ortschronist zu gern auf die Spur gekommen wäre.

Im alten Kinosaal erinnerten am Mittwochabend, exakt am 100. Todestag Schünemanns, die Wariner Musikschule und das Stadtarchiv an den seinerzeit hoch geschätzten, aber beinahe vergessenen Mecklenburger. Weil Trompeter, Klavierspieler, Keyboarder oder Gitarristen, die an der städtischen Einrichtung unterrichtet werden, so gar nicht zu einem Geigenmacher passen, wie Musikschulleiter Bertram Grafendorff bei der Eröffnung lächelnd meinte, freute er sich über die musikalische Begleitung des Abends durch Heide Sooß und Moritz Niens von der Kreismusikschule „Carl Orff“. Dort gibt es 40 Geigenschüler. Zu Hause sind die beiden Instrumentalisten in Neukloster.


Schweriner Großherzog als Mäzen gewonnen


Von Fircks zelebrierte mit amüsanten Einlagen den „sprechenden Teil des musikalischen Abends“, wie er selbst eingangs sagte. Ein Artikel vom 18.12.1912 in der damaligen Wariner Zeitung habe ihn stutzig gemacht. Dort sei von dem weltweit bekannten Geigenbaumeister die Rede gewesen, der seit einiger Zeit in Warin lebte und tags zuvor seinen 75. Geburtstag gefeiert hatte. Der Ortschronist wollte mehr wissen. Im Internet steht, dass Otto Schünemann am 17.12.1837 in Dargun geboren wurde, in Rostock eine Ausbildung zum Geiger erhielt und von dort nach Dresden und Prag ging. In der „goldenen Stadt“ entdeckte er den Geigenbau als neue Leidenschaft und wollte sich später in Hamburg in diesem Metier vervollkommnen. Schünemann war zu der Zeit 1. Geiger eines Ballettorchesters.

Er habe jedoch keinen Meister gefunden, der ihn ausbilden wollte. Das sei vielen so ergangen, weiß von Fircks. Die Meister hätten offenbar befürchtet, sich eigene Konkurrenz heranzuziehen. Auch Schünemann sei beschieden worden, „lieber weiter Geige zu spielen“. Doch er wusste aus eigener Erfahrung, dass in Orchestern auf schlechten Instrumenten gespielt wurde, und wandte sich gerade deshalb unbeirrt dem Bau von Geigen zu. Bei der Suche nach einem Mäzen kreuzten sich die Wege mit dem damaligen Schweriner Großherzog. Ein Glücksfall für Schünemann. So gibt es in den Mecklenburger Nachrichten von November 1887 einen größeren Artikel: „Die erste deutsche Geigenmacherschule in Schwerin“. Die bestand zwölf Jahre am Großen Moor 4 in Schwerin, bis der Großherzog starb. „Sein Nachfolger hatte mit Geigen nichts im Sinn“, sagte von Fircks. Schünemann ging nach Hamburg. An die Geigenmacherschule erinnere heute so gut wie nichts mehr.


Sohn eines Uhrmachers aus Dargun


Doch warum Schünemann nach Warin kam und wo er wohnte, wissen wir noch immer nicht. Von Fircks ging weiter auf die Suche und erlebte das, was einem Ortschronisten immer mal widerfährt – er kommt kaum voran. Eine Anfrage in Schünemanns Geburtsort Dargun brachte nichts. Nur: Der Vater sei Uhrmacher gewesen und habe „gern mit den Händen gearbeitet“. Der kleine Otto hatte schon als Kind angefangen, Geige zu spielen. Welche Wandlung müsse in ihm vorgegangen sein, stellte von Fircks fest, als Sohn eines Uhrmachers Geige zu spielen. „Das wollten damals viele, er hat es durchgezogen.“ Über die Schweriner Landesbibliothek und Grete Grewolls „Wer war wer in Mecklenburg-Vorpommern“ führte der Weg des Ortschronisten ins Heimatmuseum Neukloster. Dort habe sich im Band von 1914 ein Eintrag vom 14. Mai gefunden, dass Otto Schünemann nach langer Krankheit verstorben sei, bis zuletzt Geigen gebaut habe und in Hamburg-Ottensen beigesetzt werde.

Weil Letzteres nicht in Warin geschah, gibt es keine Eintragung im sorgfältig geführten Kirchenregister. Die spürte von Fircks in Ottensen auf. Leider seien die Pastoren dort nicht so gründlich gewesen. Es sei nur die Bestattung „eines Auswärtigen“ vermerkt.


Theorie schnell dahin – Haus erst 1915 gebaut


Mit einer Todesanzeige wurde es für den Ortschronisten wieder spannend. Doch da stand Mühlenbruchstraße und Nr. 269, und die ließ sich nirgends zuordnen. Hausnummern in den Straßen wurden erst 1933 eingeführt, so von Fircks. Im Register der Zuzüge habe er zunächst keinen Schünemann gefunden, erst zufällig bei der Suche nach einem anderen Namen. Danach sei der berühmte Geigenbauer im Juni 1910 mit einer deutlich jüngeren Frau nach Warin gekommen. „Ich dachte schon, das wäre vielleicht eine neue Flamme von ihm, aber nach dem Nachnamen könnte sie eine Verwandte gewesen sein“, erzählte von Fircks schmunzelnd. Steintor 241, die heutige Brüeler Straße, wird genannt. Das Eckhaus zur Mühlenbruchstraße könnte das gesuchte sein, kombinierte von Fircks. Aber diese Theorie war schnell dahin: Das Haus wurde erst 1915 gebaut. So bleiben Geheimnisse um Otto Schünemann. Vielleicht hilft dem Ortschronisten noch einmal der Zufall .

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