Gin aus Brüel : Gefragter Hochprozentiger: Der Brogilus

Verkostung der „Special Edition“ mit dem Zusatz von Kakaobohnen: Lydia und Willfried Klammer mit Gabi Schumacher-Poschmann (v.. l.) vom Mecklenburger Hof in Brüel, die seit November den Gin auch im Angebot hat: „Die Gäste sind begeistert.“
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Verkostung der „Special Edition“ mit dem Zusatz von Kakaobohnen: Lydia und Willfried Klammer mit Gabi Schumacher-Poschmann (v.. l.) vom Mecklenburger Hof in Brüel, die seit November den Gin auch im Angebot hat: „Die Gäste sind begeistert.“

Seit dem Herbst brennen Lydia und Willfried Klammer ein hochprozentiges Getränk, das sich gerade zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt

svz.de von
29. Dezember 2017, 05:00 Uhr

„Land soweit das Auge blickt, menschenleer, damals wie heute. Stur, eigensinnig, wortkarg – so sind sie, die Mecklenburger. Hier sprechen keine Worte, hier spricht der Geschmack.“ Diese Sätze stehen auf jedem Etikett der besonderen Flaschen mit dem Gin, der seit September in Brüel gebrannt wird. „Brogilus“ heißt er, die lateinische Übersetzung für Brüel, der Name bedeutet „Feuchtgebiet“. Die Künstlerin Lydia Klammer und ihr Vater Willfried, eigentlich Zahntechniker, überlassen kein Detail ihrer kleinen, sehr feinen Produktion dem Zufall und schreiben sicher nicht zuletzt deshalb offenbar an einer Erfolgsgeschichte. 300 Liter verkauften sie in drei Monaten. Bei „Weine und Mehr“ in Rostock, einem Großhändler, der Gin von über 80 Herstellern vertreibt, sind sie seit Wochen auf Platz eins im Verkauf. SVZ-Redakteurin Katja Frick traf sich mit den „Brogilus Destillers“ zum Gespräch.

Wie sind Sie dazu gekommen, ausgerechnet Gin herzustellen?
Willfried Klammer: Ich habe schon seit vielen Jahren für die Familie Wein hergestellt und seit einiger Zeit in erlaubten Mengen destilliert. Mich interessiert, aus einem Stoff etwas anderes zu machen, den Geschmack zu verändern. Und ich brauche immer neue Herausforderungen, das hat mit den Bienen angefangen, ich bin ja auch der Vorsitzende vom Imkerverein „Sternberg und Umgebung“.
Lydia Klammer: Das hat mein Vater schon sein ganzes Leben so gemacht. Wir hatten das Glück Armin Neumann von „Weine und Mehr“ zu kennen, der einen geschulten Gaumen besitzt. Nach einer Verkostung hat er meinen Vater ermutigt, weiter zu machen.
W. Klammer: Und dann habe ich mich belesen und ausprobiert und der dritte Versuch war im Prinzip der „Brogilus“. Im Januar 2017 reifte die Idee, eine Gin-Produktion aufzuziehen.

Was muss man beachten bei der Herstellung von Alkohol? Darf das jeder machen?
L. Klammer: Man braucht alle möglichen Genehmigungen, das hat dann gedauert, bis wir die alle zusammen hatten.
W. Klammer: Vor allem braucht man die Genehmigung vom Zoll, der zieht die Steuern ein. Denn auf jedem Liter Alkohol liegt ja eine Steuer von 13 Euro.
L. Klammer: Am 14. September haben wir zum ersten Mal gebrannt. Nach einer Woche war die gesamte erste Abfüllung verkauft, das sind circa 60 Flaschen mit 0,5 Litern.
W. Klammer: Ich musste für den Zoll eine Kalkulation erstellen, da wollten sie wissen, wieviel Alkohol wir im Jahr wohl etwa herstellen werden, und ich habe 500 Liter geschätzt. Damit werden wir nicht auskommen, das wird wohl mehr.

Was ist das Geheimnis des „Brogilus“?
W. Klamme: Das Geheimnis verraten wir natürlich nicht. Wir überspringen die Herstellung des eigentlichen Alkohols, weil wir 96-prozentigen Alkohol haben wollen. Zu dessen Herstellung braucht man Destillationsapparaturen mit 30 bis 40 Metern Höhe, in denen das Wasser vom Alkohol getrennt wird. Deshalb kaufen wir unseren Alkohol ein. Dann kommt der Alkohol in Fässer und wird mit Wasser verdünnt, das ist das sogenannte Verschneiden. Dazu werden dann immer Wacholderbeeren gegeben - beim Gin muss die Wacholdernote vorschmecken - und danach wird mazeriert. Wie lange, ist eines unserer Geheimnisse. Anschließend kommt das Mazerat in den Kessel der Brennanlage, die nach unseren Vorgaben in Tirol gefertigt wurde. Über den Brennkessel kommt ein Aromakorb mit unseren Zusätzen und dann wird über das „Geistrohr“ das Destillat in den Kühler transportiert.
L. Klammer: Über den Aromakorb setzen wir insgesamt 32 verschiedene Botanicals hinzu, das sind Gewürze, Kräuter Blüten, Früchte, Samen, Wurzeln - alles pflanzlich.
W. Klammer: Und wir haben einen Zuckergehalt von unter einem Prozent, deshalb können wir den „Brogilus“ Destilled Gin nennen. Unser Gin hat einen Alkoholgehalt von 46 %.

Ist die Herstellung des „Brogilus“ für Sie so etwas wie Kunst?
L.Klammer: Die Gin-Herstellung ist eine Kunst, in der man durch die Zugabe und die Variationen der unterschiedlichen Botanicals in Menge und Vielfalt jedem Gin eine individuelle Note verleiht. Kein Gin gleicht dem anderen. Die Etiketten des „Brogilus“ - Originals sind handschriftlich versehen mit dem Entstehungsjahr, der Abfüllung und der Flaschennummer. Neben dem Original gibt es limitierte Auflagen mit z.B. Kakao oder Apfelquitte und Brombeere aus eigener Ernte. Diese Gins sind einmalig und auf etwa 60 Flaschen begrenzt.
Das Flaschenetikett gestaltete der Rostocker Künstler Felix Gruse, der unsere Erwartungen bei weitem übertroffen hat. Wir sind sehr glücklich über diese Zusammenarbeit.

Wie sieht der Alltag der „Brogilus Destillers“ aus?
L. Klammer: Wir brennen immer mittwochs ...
W. Klammer: ... von um 9 Uhr bis so 18 oder 19 Uhr.
L. Klammer: Dann wird abgefüllt, verkorkt und etikettiert.
W. Klammer: Ich arbeite noch weiter als Zahntechniker, weil ich meinen Beruf liebe. Im Februar fahren wir zur DLG-Messe nach Frankfurt am Main und hoffen, dort einen Preis zu gewinnen.
 

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