Agrargenossenschaft Gustävel : Geduld bei Acker und Grünland

Diese Herde der Agrargenossenschaft Gustävel weidet ein kleines Stück abseits der Landesstraße 09.   Fotos: Rüdiger Rump
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Diese Herde der Agrargenossenschaft Gustävel weidet ein kleines Stück abseits der Landesstraße 09. Fotos: Rüdiger Rump

Agrargenossenschaft Gustävel: Was im Frühjahr bestellt wurde, kam bislang nicht in Gang. Die Niedermoorweiden sind noch zu nass und würden dürch Rinderherden oder Technik Schaden nehmen.

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14. Mai 2017, 21:00 Uhr

Im Mai wächst das Gras der Kuh ins Maul. Diese bäuerliche Erfahrung trifft in diesem Jahr noch nicht zu, sagt Ralf Toparkus, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Gustävel. „Bisher fressen die Tiere das Gras schneller weg, als es nachwächst.“ Das liege an der Kälte, die sich den April über bis weit in den Mai gehalten habe. „So durchgängig kühl bis Mitte Mai ist es schon ungewöhnlich. Letzten Mittwoch hatten wir noch Raureif.“ Die äußeren Bedingungen seien eben jedes Jahr anders, gibt sich der Landwirt allerdings völlig gelassen.


Rinderherden derzeit nur auf Mineralböden


Geduld und nochmals Geduld brauchten die Bauern, weil sich manches verschiebe. Der Betrieb habe die Ausstallung längst abgeschlossen, die Rinder – rund 420 Mutterkühe, 400 Kälber, 30 Färsen und

17 Zuchtbullen – könnten derzeit aber nur auf Grünland mit Mineralböden weiden. Niedermoorflächen, die unter den insgesamt 500 Hektar Grünland einen erheblichen Anteil hätten, seien zu nass, Trittschäden daher absehbar. Es würde mehr kaputt als gut gemacht, ist Toparkus überzeugt. Die Agrargenossenschaft betreibe die Rinderhaltung ohnehin mehr extensiv als intensiv.

Auch an den Einsatz von Technik, etwa zum Schleppen, sei kaum zu denken, das Grünlandniedermoor nicht befahrbar. Deshalb erfolge die Pflege erst nach dem ersten Schnitt, zumal gegenwärtig Bodenbrüter, beispielsweise der Kiebitz, ihre Zeit hätten. „Wir schränken die Pflegemaßnahmen ein und geben der Natur den Vorrang“, unterstreicht der Landwirt.

Geduld sei auch beim Acker gefragt, hier allerdings nicht wegen der Feuchtigkeit. „Im Gegenteil, da sind wir froh, dass der Boden ausreichend Wasser hat. Das ist eine Voraussetzung für gute Erträge. Von Januar bis März 160 Millimeter hatten wir lange nicht.“ Ein Glück, dass das kein Schnee gewesen sei, sonst wäre das Räumen zum Problem geworden, setzt Toparkus lachend hinterher.

Die Winterkulturen, unter anderem 280 Hektar Raps, 350 Hektar Weizen, 200 Hektar Roggen und 180 Hektar Wintergerste, seien damit klar gekommen. „Wir sehen das positiv bei allen Kalamitäten, die es dadurch im Frühjahr bei der Befahrbarkeit der Felder gab, aber der Wasservorrat im Boden ist von Vorteil“ , meint Toparkus zuversichtlich. Er wolle nichts zu erwartenden Erträgen sagen, „denn die Linsen werden gezählt, wenn sie auf dem Speicher liegen, doch wir haben gute Voraussetzungen“. Winterschäden wie sonst häufig seien ausgeblieben, es habe weder Extremfrost noch gefährliche Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht gegeben. Regen und Wind hätten den Pflanzen zwar Stress bereitet, aber keinen Schaden verursacht.

Die reichlichen Wassergaben vom Himmel hätten jedoch das Unkraut sprießen lassen, Gräser genauso wie breitblättrige Arten. „Nachaufläufer in diesem Ausmaß kannten wir nicht, so dass nachbehandelt werden musste.“ Dafür sei bei der andauernden April-Kälte der Befall mit Pilzkrankheiten und Pflanzenschädlingen geringer gewesen. Die kühle Witterung habe durchaus auch positive Auswirkungen.

Andererseits habe sich von dem, was im Frühjahr bestellt worden sei und zwei bis drei Wochen im Boden liege, bislang nichts bewegt. Toparkus: „Sonst sind es beim Mais zu dieser Zeit zwei Blätter, doch diesmal ist noch gar nichts zu sehen. Der Mais stammt aus einer anderen Ecke der Welt und will Wärme, muss sich aber hier mit diesen Temperaturen herumärgern.“ Die Agrargenossenschaft baut die Hackfrucht auf 40 Hektar an, wie Hafer und Lupine als Futter für die eigenen Rinder.

Die rund 1300 Hektar Ackerland enthalten auch fünf Prozent so genannte ökologische Vorrangfläche. Ohne die werde kein Betrieb gefördert. Es gebe mehrere Möglichkeiten, vom Anbau von Eiweißpflanzen über Randstreifen bis zu Brachflächen. Die würden über verschiedene Programme gefördert. Diese Regelung sei „schon richtig im Interesse der Umwelt“ und mache weitaus mehr Sinn als die Stilllegung zuvor, die den Unkrautwuchs voll zur Blüte gebracht habe, meint Toparkus. Landwirtschaftliche Bewirtschaftung und Ökologie würden sich bei der jetzigen Vorgabe besser verbinden lassen.


Zuckerrübenanbau in diesem Jahr auf Null


Ärgerlich sei für den Betrieb, dass der Anbau von Zuckerrüben in diesem Jahr erstmals völlig auf Null gegangen sei. „Schade, es ist eine Fruchtart weniger“, bedauert der Vizechef der Genossenschaft. Die Zuckerfabrik in Uelzen nehme aber nur noch von den Betrieben Rüben ab, die Aktien besitzen. Die wenigen, die es hier seien, hätten die Landwirte der Region in eine Hand gegeben, damit sich der Anbau wenigstens dort halbwegs lohne. Der Marktpreis sei „tief in den Keller“ gerutscht. Man dürfe „nicht darüber nachdenken“, sagt Toparkus mit einem Anflug von Hoffnungslosigkeit, was den Zuckerrübenanbau betrifft. „Wir sind da völlig offen, wenn sich die Situation verändert, aber derzeit sieht es nicht danach aus.“

Rückstände wie jetzt hole die Natur meist selbst wieder auf. Es gehe natürlich Vegetationszeit verloren, der deutliche Temperaturanstieg am Wochenende dürfte dem Wachstum jedoch einen Ruck geben.

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