Sternberg : Gedenkstätte erhält neues Antlitz

Die Feierstunde, mit der das neue Eingangsportal des Jüdischen Friedhofs in Sternberg übergeben wurde, eröffnet Brigadegeneral Christof Munzlinger.
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Die Feierstunde, mit der das neue Eingangsportal des Jüdischen Friedhofs in Sternberg übergeben wurde, eröffnet Brigadegeneral Christof Munzlinger.

Das Eingangsportal vom Jüdischem Friedhof wurde erneuert. Ein Verbrechen von 1492 bei Sternberg leitete die Judenvertreibung aus ganz Mecklenburg ein.

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17. April 2015, 21:32 Uhr

Die Davidsterne auf den beiden Pfeilern sind Originale von 1825. In jenem Jahr war der Jüdische Friedhof vor den Toren Sternbergs entstanden. Sie wurden aufgearbeitet und sehen wie neu aus, wie das verzierte schmiedeeiserne Tor, das tatsächlich ersetzt wurde. Dies trifft auch auf die zwei Pfeiler und die Schwelle zu, aus roten Klinkern gemauert. Das dank zahlreicher Spenden erneuerte Eingangsportal wurde gestern feierlich der Öffentlichkeit übergeben. Eigentümer des heute nicht mehr genutzten Friedhofs ist der Landesverband der Jüdischen Gemeinde in MV, die Stadt betreut und pflegt die Stätte der Erinnerung und des Gedenkens.

Hier waren am 24. Oktober 1492 nach einem öffentlich geführten Prozess wegen angeblichen Hostienfrevels 25 Männer und zwei Frauen, Juden aus ganz Mecklenburg, bei lebendigem Leib verbrannt worden. Die übrigen 247 wurden des Landes verwiesen. Als sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts wieder Juden ansiedelten, richteten sie ihren Friedhof ein. 1938 wurde er geschändet und 1940 Sternberg „judenfrei“ gemeldet. Ein einziger Grabstein, die Friedhofsmauer und das Portal blieben erhalten, doch ihr Zustand verschlechterte sich sichtlich.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Johann-Georg Jaeger regte einen Ortstermin an und fand Verbündete. Er befasse sich seit langem interessiert mit dem Judentum. Für ihn sei „eines der schönsten Ergebnisse vom Herbst 1989“, dass die erste frei gewählte Volkskammer Juden aus der Sowjetunion die Möglichkeit gab, hierher überzusiedeln und zwei große Gemeinden in Schwerin und Rostock entstanden, so Jaeger. Nun habe eine Landtagsandacht um den 9. November den Anstoß für das Projekt gegeben.

Das sei auch ein Zeichen gegen Intoleranz, Fremdenhass und Extremismus jeder Ausprägung, sagte Brigadegeneral Christof Munzlinger eingangs. Er begrüßte Bundestags-, Landtags- und Kreistagsabgeordnete sowie mit besonderer Freude, so Munzlinger, Landesrabbiner William Wolff und Alt-Ministerpräsident Harald Ringstorff. Die Stadt, Jugendliche der evangelischen Kirchengemeinde und von Verbundener Regionaler Schule und Gymnasium hätten sich engagiert, Bauunternehmer Wilfried Mohrmann aus Sternberg und Hans-Herbert Plogt aus Siggelkow die Maurer- und Metallarbeiten „mit Herzblut“ erledigt.

Friedhöfe in ordentlichem Zustand bedeuteten „Respekt vor den Menschen, die ihr Leben auf der Erde verbracht haben, mit Herz und Seele, mit Freud und Leid“, so William Wolff. „Wir verneigen uns vor der Würde der Menschen. Das ist ihr kostbarstes Gut.“ Das Judentum habe hier Wurzeln, „die uns bis heute nähren“.

Sternberg, eine lebens- und liebenswerte Stadt, so Bürgermeister Jochen Quandt, stehe auch in Verbindung mit Unheil in der Geschichte. „Wir haben die Lehren daraus gezogen.“ Sternberg sei und bleibe weltoffen.

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