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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

14. Dezember 2017 | 01:54 Uhr

Rothen : Gartenbank unter dem Apfelbaum

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Kunsthandwerkerin Ulrike Steinhöfel bietet in Rothen Kurse an, bei denen sich die Teilnehmer unter Anleitung selbst etwas aus Holz bauen.

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erstellt am 23.Jun.2014 | 17:32 Uhr

In einem großen Rostocker Gartenfachmarkt hatte Susanne Schultz-Hering eine Bank gesehen, die gut unter den Apfelbaum in ihrem Garten passen würde. Abends scheine dort zwei Stunden die Sonne, einfach herrlich. Einen Moment habe sie überlegt, die Bank zu kaufen. „Doch das kann jeder“, sagt die Warnemünderin lachend. Sie entschied sich für einen Workshop bei Ulrike Steinhöfel im Rothener Hof. Beide kennen sich schon von einem Kurs, den die Kunsthandwerkerin in Rostock durchgeführt hatte. Ein Geschenk ihres Ehemanns zum Geburtstag, verrät Susanne Schultz-Hering. Es sei um Holz und Weide gegangen. „Man weiß oft nicht, was man sich schenken soll. Da hielt ich das für eine klasse Idee.“


Von nackten Zahlen zu handwerklichem Hobby


Nun war angekündigt, an drei Tagen, von Freitag bis Sonntag, eine Gartenbank zu bauen. So ein Wochenend-Workshop kostet doppelt so viel wie die fertige Bank aus dem Gartenfachmarkt. Aber selbst eine anzufertigen und dabei eine Menge dazuzulernen, sei eben etwas anderes, meint die unternehmungslustige Frau aus dem Ostseebad.

Sie hatte einen Bürojob und tagein, tagaus mit nackten Zahlen in einer Bank zu tun. „Jetzt bin ich Hausfrau und Mutter. Das gönne ich mir. Vorher ist unsere Familie quer durch Deutschland gezogen und hat immer wieder vorn angefangen“, erzählt die Frau aus dem beliebten Ostseebad. Dann habe sie wieder begonnen, zu stricken und zu häkeln. Den letzten Anstoß, dies weiter zu entwickeln, habe ihr ein Marktbesuch in Hamburg gegeben. „An einem Stand lagen Eierwärmer für zehn Euro. Die waren ganz toll, aber da habe ich mir gesagt, das kannst du auch.“ Seitdem mache sie in Handarbeit alles selbst, bis hin zu Basecaps.

Von Handwerkszeug habe sie allerdings bestenfalls mal einen Hammer in der Hand gehabt. Sich dann auch mit der Holzbearbeitung zu befassen, kostete „eine Menge Überwindung, vor allem um nichts falsch zu machen“. Obwohl ihr Handwerkliches eigentlich im Blut liege. Ihr Vater sei von Beruf Schiffszimmermann und habe lange in diesem
Metier gearbeitet, andere aus der Familie wären ebenfalls im Handwerk zu Hause.

„Wenn ich jetzt etwas selbst mache, dauert es seine Zeit. Für manches habe ich auch zweimal gebraucht“, bekennt Susanne Schultz-Hering. Bei Ulrike Steinhöfel findet sie fachliche wie verständnisvolle Anleitung. „Es stimmt schon, wer völlig ungeübt ist, kann schon eine gewisse Angst vor Werkzeugen haben, um bloß nichts verkehrt zu machen“, weiß Steinhöfel, die im thüringischen Apolda Tischlerin gelernt sowie 2008 bis 2010 in Lüneburg Gestaltung und Design studiert hat. Seit 2006 betreibt sie eine eigene Holzwerkstatt im Rothener Hof, in der die Kunsthandwerkerin Möbel in traditioneller Verarbeitung mit Schwalbenschwanz und Zinke herstellt und sich mit Wohnraumgestaltung beschäftigt.

Die Stichsäge müsse einfach nur gelenkt werden, „wie ein Auto“, vergleicht Steinhöfel. Zuweilen werde der Fehler gemacht, mit Druck nachhelfen zu wollen. Vielleicht wäre auch mal ein Kurs allein zum Gebrauch von Werkzeugen angebracht, überlegt sie. Und nach einem kurzen Blick zur Seite kommt der Tipp: „Susanne, du musst die Säge anders halten. Oder vielleicht geht es von der anderen Seite besser.“ Es sei eine japanische Säge, die auf Zug arbeite, dadurch weniger Kraft erfordere, eben frauenfreundlich. „Wenn die richtig angesetzt wird, schneidet sie fast von allein gerade. Über ihren Einsatz streiten sich zwar die Meister, aber wo ich gelernt habe, hatten wir die auch“, so Steinhöfel.

Eigens für die Kurse liegen Taschen mit Stecheisen und für Sägen bereit, „das Wichtigste jedenfalls“. Die Warnemünderin ist an dem Wochenende die einzige Teilnehmerin in Rothen. Und weil Steinhöfel von ihr weiß, wie sie mit Handwerkszeug umgehen kann, wird eine schwierigere Gartenbank mit Lehne gebaut. Denn so eine wollte Schultz-Hering gern. Auch die entsteht nur durch Holzverbindungen. Die Wangen werden eingegratet, wie es fachmännisch heißt. Dazu werden die schon vorbereiteten Hölzer, „Eiche aus dem Wald in der Nähe“, mit einer Gratsäge wie Schwalbenschwänze ausgesägt, mit dem Stecheisen ausgestochen und mit dem Grathobel fein nachbearbeitet. Zum Abschluss kommt ein Steg dazwischen, der den letzten Halt gibt.


Weitere Kurse über zwei oder drei Tage


Am kommenden Wochenende, vom 27. bis 29. Juni, gibt es einen weiteren Kurs zum Bau einer Gartenbank. Anmeldungen sind noch bis Donnerstag möglich. Weiter geht es dann mit der Herstellung
eines Küchenbretts (18. und 19. Juli) sowie einer Holzschatulle durch Zinkverbindungen (29. bis 31. August). Ein Kurs über drei Tage kostet 250 Euro. Das Material wird nach Menge und Holzart berechnet, zwischen 20 und 70 Euro. Anmeldung bitte bei HolzKunstWohnen Ulrike Steinhöfel, Tele-fon 03 84 85 / 50 92 54 oder post@holzkunstwohnen.de.

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