Dabel : Garagen: Geordnete Verhältnisse

Diese Garagenpächterin nutzte die Gelegenheit, die Gemeinde um Hilfe zu bitten: Die Kiefern direkt an der Rückseite ihres Autohäuschens, die beim Bau sicher noch nicht das Dach überragten, werden bei Sturm gefährlich: gerade einige Tage zuvor brach ein Ast ab und krachte auf das Garagendach. Die Kiefern stehen auf dem Boden der Gemeinde, also ist sie auch für deren Sicherung verantwortlich.  Fotos: Katja Frick
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Diese Garagenpächterin nutzte die Gelegenheit, die Gemeinde um Hilfe zu bitten: Die Kiefern direkt an der Rückseite ihres Autohäuschens, die beim Bau sicher noch nicht das Dach überragten, werden bei Sturm gefährlich: gerade einige Tage zuvor brach ein Ast ab und krachte auf das Garagendach. Die Kiefern stehen auf dem Boden der Gemeinde, also ist sie auch für deren Sicherung verantwortlich. Fotos: Katja Frick

Dabels Bürgermeister Herbert Rohde zieht Resümee nach der Begehung der gemeindeeigenen Garagen am Wochenende

svz.de von
31. Januar 2018, 12:00 Uhr

„Das ist top, dass wir das gemacht haben“, zog Dabels Bürgermeister Herbert Rohde Bilanz nach der Begehung der 63 gemeindeeigenen Garagen am Wochenende. Anlass für dies Aktion von Gemeinderat und Freiwilliger Feuerwehr war der Tod eines Mannes, der sich eine solche Garage als Wohnung hergerichtet hatte. In der Nacht vom 12. auf den 13. Oktober fing darin die nicht durch einen Elektriker abgenommene Elektroanlage Feuer, Lutz F. erstickte wahrscheinlich an den giftigen Rauchgasen im Schlaf (SVZ berichtete mehrfach.)

„Die Begehung wurde von allen positiv aufgenommen, wir hatten eine sehr gute Resonanz“, so Rohde. Von den 63 Pächtern, die im Vorfeld aufgefordert worden waren, ihre Garagen zugänglich zu machen, seien nur drei nicht da gewesen. Alle anderen waren entweder selbst anwesend oder ließen sich vertreten. „Das war okay, aber auch davon haben nur etwa zwei Prozent Gebrauch gemacht“, konnte der Bürgermeister berichten.

Viele Pächter fanden offenbar, dass es längst einmal Zeit war für eine solche Begehung. So wie das Ehepaar Haupt, das seine Garage in der Johannes-R.-Becher-Straße 1961 noch selbst gebaut hat - massiv und auch heute noch ein wahres Schmuckstück: „Da gab es doch in Parchim diese Fabrik für Ytong-Steine, mit denen habe ich die Garage gemauert“, erinnerte sich Herr Haupt. In seinem Bauwerk ist heute noch wie damals sein Auto untergebracht.

„Früher in der DDR gab es regelmäßige Begehungen“, wusste Ehrenwehrführer Günter Seelig.

Der eine oder andere Pächter habe schon mit Sorge beobachtet, was sein Nachbar alles so in der Garage nebenan lagere; die Begehung sei für die Sicherheit aller gut gewesen, meint auch Herbert Rohde. „Wir wollen geordnete Verhältnisse.“ Das Gemeindeoberhaupt gehört selbst mit zu den Erbauern eines Garagenkomplexes in der Johannes-R.-Becher-Straße, dieser wurde1973 errichtet. „Das war eine Enteignung“, musste sich dort auch noch nach zehn Jahren einer seiner Nachbarn Luft machen, ebenfalls einer der ursprünglichen Erbauer. Wie er haben viele der Menschen, die sich mit viel Mühe und Schweiß ihre kleinen Häuschen für Trabi oder Wartburg in der DDR selbst gebaut hatten, 2007 die Welt nicht mehr verstanden. Weil im Arbeiter- und Bauernstaat selten danach gefragt wurde, wem ein Grundstück gehört, wurden viele der Garagen auf Boden errichtet, der den Erbauern gar nicht gehörte. Nach der Wiedervereinigung war es jedoch plötzlich von großer Bedeutung, wem das Land gehört, auf dem sie errichtet wurden. Seit dem Schuldrechtsanpassungsgesetz (SchulRAnpG) 1995 ist der Grundeigentümer - in diesem Falle die Gemeinde Dabel - auch immer der Eigentümer der Gebäude, die darauf gebaut wurden. Ein Ankaufsrecht des Grundstücks durch die Gebäudeeigentümer sah das Gesetz nicht vor. Am 31.12.2006 endete dann die sogenannte Investitionsschutzfrist, nach der der Eigentümer des Grund und Bodens dem Nutzer bei Beendigung des Nutzungsverhältnisses z. B. durch Kündigung eine zeitwerte Entschädigung für die Garage zu leisten hatte.

Die Gemeinden und Städte in den neuen Bundesländern gingen unterschiedlich mit der Situation um. Die Gemeinde Dabel schloss mit den Menschen, die sich vorher als Eigentümer der Garagen wähnten, Pachtverträge über 60 Euro im Jahr. „Was sollten wir denn machen? Das ist doch wirklich nicht viel“, antwortete der Bürgermeister am Sonnabend seinem erbosten Nachbarn.

Doch der Glaube, Besitzer des Garagengebäudes zu sein, ist offensichtlich noch immer nicht ausgestorben: Ein weiterer Nachbar erklärte der Begehungsgruppe, dass ihm seine Garage vom vorherigen Pächter vor zwei Jahren verkauft worden sei. Für wieviel, wollte er der SVZ nicht sagen, Nachbarn sprachen von 500 Euro. „Einen weiteren solchen Fall hatten wir nicht“, konnte Herbert Rohde nach der Begehung mitteilen. Auch zu Wohnzwecken sei keine weitere Garage genutzt worden - so wie die, in der der tödliche Brand ausbrach. Die Elektroanlage dort sei übrigens sofort wieder abgeschaltet worden, nachdem dem er von ihrer Wiederinbetriebnahme erfahren habe.

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