Sternberg : Gärten gehen in die Winterruhe

An drei Stellen stehen Himbeeren, und überall hängen noch rote Früchte, die zusammen für eine kleine Mahlzeit reichen, freut sich Bernhard Josefowski aus dem Sternberger Gartenverein „Seeblick“.  Fotos: Rüdiger Rump
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An drei Stellen stehen Himbeeren, und überall hängen noch rote Früchte, die zusammen für eine kleine Mahlzeit reichen, freut sich Bernhard Josefowski aus dem Sternberger Gartenverein „Seeblick“. Fotos: Rüdiger Rump

Das milde Herbstwetter lockt länger heraus – ein Sternberger erntet noch Himbeeren. Nun werden jedoch letzte Vorkehrungen für die dunkle Jahreszeit getroffen.

svz.de von
18. November 2015, 17:10 Uhr

Auf den Graswegen in der Kleingartenanlage „Seeblick“ wird es unter den Schuhsohlen ein wenig wabbelig. Achtung, nicht ausrutschen! Der Boden hat sich vom ergiebigen Regen vollgesaugt. Die meisten Gärten sehen schon nach Winterruhe aus, in manchen steht aber noch spätes Gemüse, vor allem Porree.

Den hat meine Frau bei uns gerade geerntet, sagt Bernhard Josefowski. Aber Rote Bete, Chinakohl und Salat bleiben hier noch. Das milde Herbstwetter, das sich bislang ungewöhnlich lange hielt, hat die Vegetation ausgedehnt – oder vielleicht nur verschoben. „Es ging im Frühjahr erst spät los. Bis Mitte Mai war es kalt. Doch irgendwie gleicht die Natur das wieder aus“, meint der Sternberger. Für die Äpfel seien diese Temperaturen allerdings nicht so günstig. „Sie halten sich besser, wenn es kühler ist.“ Die Ernte sei in diesem Jahr reichlich gewesen. Allein im Gartenhaus steht gut ein Dutzend voller Stiegen, weitere in Schuppen und Gewächshaus. Ein Teil der Äpfel geht zum Mosten.

Josefowskis haben ihren Garten im Verein „Seeblick“ seit rund zehn Jahren, praktisch als Neuanfang. Mitte der 1970er-Jahre hatten sie einen an der Schweinsbrücke übernommen, die beiden Jungs seien damit groß geworden. „Das Gartenhaus habe ich mit den eigenen Händen gebaut“, erzählt der heutige Rentner, Jahrgang 1950, stolz. Er habe 23 Jahre als Brunnenbauer bei der Sternberger Firma Biemann gearbeitet, danach im Geschäft seiner Frau Margot und zuletzt zehn Jahre in einem Berliner Unternehmen. „Mit dem Laden wurde die Zeit aber knapp, so dass wir den Garten abgegeben haben“, erzählt der 65-Jährige. Die Liebe dazu sei jedoch vor allem bei seiner Frau, die vom Dorf stamme, geblieben. „Ich bin da erst langsam hineingewachsen. Mit jungen Jahren hatte ich andere Interessen“, erklärt der gebürtige Sternberger.

Die Gelegenheit sei dann gekommen, neu zu beginnen. Der Vorbesitzer des Gartens sei gestorben und der Sohn habe ihn abgeben wollen. „Da war alles mit Koniferen zugewachsen. Das sieht schön aus, aber es bleibt kaum Platz für anderes, und das bekommt zu wenig Licht“, so Josefowski. Außerdem würden Koniferen genauso viel Arbeit machen, denn sie müssten regelmäßig geschnitten werden. 30 habe er herausgenommen, nur einige als Abgrenzung oder Schutz stehen lassen.

Inzwischen bekamen Kartoffeln, verschiedenstes Gemüse, Kräuter, Erdbeeren und andere Früchte den Vorrang. Die Himbeeren, „eine späte Sorte“, trägt noch immer. Im Gewächshaus wachsen Tomaten, Paprika, Gurken, davor auch mal Feldsalat und Zwiebeln. „Die Gefriertruhe ist
jedes Jahr so voll, da passt kein Fleisch mehr hinein“, sagt der Kleingärtner schmunzelnd. Es gäbe zwar alles zu kaufen, doch das aus dem eigenen Garten schmecke eben besser. Bis zum Frühjahr reiche das meist. Was in dem Garten nicht gedeihe, das seien die Kohlarten.

„Natürlich will man nicht nur sagen, ich habe viel geerntet, es soll auch Spaß machen“, betont der Sternberger Gartenfreund. Und das mache es voll und ganz, zumal wenn es überall blühe. Seine Frau habe beispielsweise die Rosen „in Schwung“. „Wir sind froh, den Garten zu haben. Wenn man in der Stadt wohnt, ist es schön, ins Grüne zu kommen.“ Das 1973 in der Altstadt gekaufte Haus sei von 1785.

In der Gartenanlage wurde Anfang November das Wasser abgestellt. Bernhard Josefowski ist dennoch zwei-, dreimal in der Woche dort, meist mit dem Fahrrad, sieht nach dem Rechten, versorgt die Katzen von Bungalows am See, deren Besitzer dort nur den Sommer verbringen, oder macht Holz für den Kamin klein. Doch bei allen Vorkehrungen für den Winter – die Tür zum Gartenhaus schließt er nie ab, damit ungebetene Gäste, sollten einmal welche den Garten heimsuchen, nichts kaputt schlagen, um hinein zu gelangen. Genau das empfahl übrigens auch ein Seniorensicherheitsberater in der vorigen Woche bei einem Vortrag in Sternberg.

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