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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. November 2017 | 08:37 Uhr

Sternberg : Für Versöhnung über den Gräbern

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Sammlungen des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge sind auch für Jugendbegegnungen an den Kriegsgräbern im In- und Ausland

svz.de von
erstellt am 02.Nov.2017 | 07:00 Uhr

Alle Jahre wieder stehen sie um die Zeit des Volkstrauertages am 19. November mit ihren Spendenbüchsen auf den Märkten oder gehen damit durch die Straßen. Gemeint sind die Mitglieder des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge. In Sternberg waren gestern wie schon seit vielen Jahren Christiane Klemm, die Geschäftsführerin des VDK-Regionalverbandes Parchim, und Michael Hensel, Stabsfeldwebel a. D., unterwegs. „Ich mache das schon seit 1993, seitdem ich in Dabel stationiert war“, erinnert sich Michael Hensel, der eigentlich seit zwei Jahren pensioniert ist, zur Zeit aber in Schwerin als Reservist junge Menschen zu Karrieremöglichkeiten bei der Bundeswehr berät. Christiane Klemm hat das Ehrenamt als Geschäftsführerin 2013 im Kreisverband übernommen. „Mein Vater ist zum Glück nicht im Krieg gefallen, sondern sozusagen rechtzeitig im Kessel von Moskau verletzt worden, so dass er noch ausgeflogen wurde, bevor es dort richtig schlimm wurde. Aber ich hatte vorher schon beruflich mit der Kriegsgräberfürsorge im Landkreis zu tun“, erklärt die Demenerin.

Auch wenn Menschen wie Christiane Klemm und Michael Hensel in dieser Jahreszeit zum vertrauten Straßenbild gehören, wissen vielleicht die wenigsten, was der Volksbund alles so macht. Zunächst einmal hat er im Auftrag der Bundesregierung der Aufgabe, die Gräber der deutschen Kriegstoten im Ausland zu erfassen, zu erhalten und zu pflegen. Dann hilft er aber auch heute noch bei der Suche nach gefallenen Angehörigen, bietet historische Informationen, ist in der Bildungsarbeit aktiv, organisiert Kriegsgräber- und Bildungsreisen und leistet Forschungsarbeit für Einzelbiographien.

„Es gibt heute immer noch Anfragen wegen verschollener Angehöriger“, erläutert Christiane Klemm. „Es gibt ja immer noch Orte, wo die Kriegstoten nur verscharrt wurden. Wenn die dann ausgegraben werden, kann für die Soldaten anhand ihrer Marken die Identität festgestellt werden.“ Die Angaben zur Person würden mit der Liste der Anfragen abgeglichen und bei einer Übereinstimmung die Angehörigen benachrichtigt. „Die Anfragen sind ja oft schon sehr alt, so dass zum Teil die Ururenkel nun die Nachricht erhalten, wo ihr Ururgroßvater gefallen und begraben ist.“

Das große Projekt Mecklenburg-Vorpommerns ist die Pflege des deutschen Soldatenfriedhofs in der polnischen Gemeinde Stare Czarnowo (Neumark) bei Stettin. „In diesem Umfeld wird immer noch gegraben. Im letzten Jahr wurden dort 1000 Tote gefunden und eingebettet“, erzählt Christiane Klemm.

Die bei Sammlungen wie der aktuellen gespendeten Gelder fließen zum Teil in die Pflege dieses Friedhofs. „Aber das Geld ist auch für die Versöhnung über den Gräbern, für die Begegnung von Jugendlichen bei der Pflege von Kriegsgräbern im In- und Ausland“, ist Michael Hensel wichtig zu erwähnen. Seit über 50 Jahren bringt der Volksbund unter dem Motto „Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden“ junge Menschen aus einst verfeindeten Ländern zusammen. So wie zum Beispiel bei dem Workcamp, der im August in Schleswig stattfand und bei dem 26 Jugendliche im Alter von 16 bis 21 Jahren aus Deutschland, Ungarn, Italien, Weißrussland, der Ukraine, Türkei, aus Serbien, Moldawien und Polen den Toten ihre Namen zurück gaben. Sie malten die ausgeblichenen Buchstaben und Zahlen auf den Grabsteinen nach und sprachen jeden laut aus. Zudem kartierten sie die Gräber und aktualisierten eine Liste darüber, beschnitten Bäume und Sträucher des Soldatenfriedhofs, jäteten Unkraut und fegten die Wege.

Die Arbeit des Volksbundes ist also alles andere als rückwärts gewandt. „Wir hatten noch nie mit Rechten zu tun“, können Christiane Klemm und Michael Hensel einstimmig auf die Frage der SVZ antworten.

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