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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

20. Oktober 2017 | 18:12 Uhr

Brüel : Für ein paar Stunden geflüchtet

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Sechstklässler der Regionalen Schule Brüel schlüpften einen Vormittag in die Haut gleichaltriger Kinder, die ihre Heimat verlassen müssen.

svz.de von
erstellt am 24.Nov.2016 | 21:00 Uhr

Einmal in die Haut gleichaltriger Kinder schlüpfen, die ihre Heimat wegen Krieg  oder politischer Verfolgung  verlassen müssen und  in absehbarer Zeit nicht dorthin zurückkehren  –  das konnten jetzt 28 Sechstklässler der Brüeler  Regionalschule unter dem Motto „Heimat in der Fremde“ während einer Schreibwerkstatt mit Carmen Blazejewski in der Stadtbibliothek Brüel. „Mit dem Projekt  möchte ich die Integrationsbereitschaft und das Einfühlungsvermögen der Kinder für die Situation eines Flüchtlings fördern“, sagte die Schriftstellerin aus Neu Nantrow in der Nähe von Wismar im SVZ-Gespräch.

Wohin es geht, entscheidet das Los

Warum muss ich meine Heimat verlassen? Bei wem suche ich Hilfe? Wie komme ich in einem fremden Land mit einer fremden Sprache und Kultur  zurecht?  Wie finde ich neue Freunde? Will ich wieder zurück? „All das sind Fragen, die einem Flüchtling   in Not und Angst durch den Kopf gehen. Die Schüler sollen sich  diese  ebenfalls stellen und darüber nachdenken“, berichtete die Werkstatt-Leiterin. Für einen Vormittag wurden die Rollen getauscht und  der  Unterricht in die Räumlichkeiten der Stadtbibliothek verlegt.

In welches Land die  Mädchen und Jungen flüchten, entschied das Los.  „Wie dort  die Lebensumstände der Menschen sind, wissen sie aber nicht“, erklärte Blazejewski.  Janne Edem aus Brüel und Milena Pontau aus Tempzin zogen Ägypten. „Das ist ein Vorteil.  Ich habe  da schon zweimal mit meiner Familie  Urlaub gemacht. Ich kenne das Land  ganz gut“, freute sich Milena über das Losglück. Dorthin flüchten würde die Zwölfjährige aber nicht, „denn den Menschen geht es schlecht.“ Freundin Janne stimmte ihr zu: „Wir haben es hier in Deutschland besser.“

Bei  Leni Knetsch und Leny Gutzeit entschied das Los auf den afrikanischen Staat Eritrea. „Ich habe leider gar keine  Vorstellungen, wie die Menschen dort leben und gekleidet sind“, sagte Leny.  Mit diesem Unwissen ging es  in die Bibliothek.  „Für einige Länder steht  viel Literatur in den Regalen, für andere weniger oder gar keine. Deshalb habe ich noch ein paar Texte aus dem Internet ausgedruckt“, sagte Sabine Saalmann. Die Leiterin der Brüeler Stadtbibliothek zeigte sich beeindruckt von der Premiere dieser Veranstaltung: „Den Kindern gefällt es, sie haben Spaß und sind  konzentriert bei der Sache.“

Es wurden Reiseführer gelesen und Steckbriefe erstellt. Auch hatte Blazejewski einen Koffer voll mit Kleidungsstücken mitgebracht. „Vielleicht hilft es euch ja, wenn ihr euch eurem Land entsprechend verkleidet“, sagte sie. Gesagt, getan, stürzten sich alle auf den Koffer und banden sich Kopftücher um oder zogen Gewänder an. Das, was sie zuvor recherchiert hatten, wurde jetzt noch auf Papier gebracht. „So entstehen ganz unterschiedliche Geschichten. Ich bin gespannt, welche Gefühle die Kinder beschreiben“, sagte Blazejewski.

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