Ausgezeichnetes Projekt : Für die Bienen und das Land

Im Winter starb die Hälfte der Bienenvölker.
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Im Winter starb die Hälfte der Bienenvölker.

Beim ersten Bienenstraßenforum trafen sich Akteure und Interessierte aus ganz MV. Umweltpreis für das Projekt am 8. November

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03. November 2017, 20:55 Uhr

Mit den Bienen und den Blüten wird Kindern gern der Akt der Fortpflanzung erklärt. Gut möglich, dass nächste Generationen gar keine Bienen mehr zu Gesicht bekommen. Denn die schlechte Obsternte des Jahres 2017 wurde nicht nur durch die erfrorenen Blüten im Frühjahr verursacht, sondern auch durch das anhaltende Bienensterben. „Im letzten Winter gab es etwa 50 Prozent Verluste bei den Bienenvölkern“, berichtete Anja Hansen am Rande des ersten Bienenstraßenforums am Donnerstag in Sternberg. „Woran das lag, darüber wird gestritten. Umweltgifte der Landwirtschaft spielen eine Rolle, zu wenig Nahrungsangebote und vielleicht auch ein Milbenbefall.“ Anja Hansen kennt sich aus, sie ist beim Landschaftspflegeverband Sternberger Endmoränengebiet (LSE) zuständig für das Projekt „ErlebnisReich Bienenstraße“, für das es am 8. November sogar den Umweltpreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern gibt.

„Beim heutigen Treffen sollte es vor allem um die touristische Vermarktung der Bienenstraße gehen und welche Hilfe die einzelnen Akteure brauchen“, erklärte Anja Hansen. „Das große Ziel soll sein, die Bienenstraße als Alleinstellungsmerkmal des Landes MV zu vermarkten.“ Sie freue sich, dass etwa die Hälfte aller Eingeladenen zum Forum gekommen seien.

„So viele waren noch nie bei einem Treffen des Projektes“, freute sich auch der Chef des Naturparks Sternberger Seenland, Volker Brandt. Etwa 70 Akteure der Bienenstraße, aber auch von anderen Initiativen wie dem Streuobstnetzwerk MV und dem Verein Bützower Land sowie einzelne Interessierte suchten an diesem Herbstabend im Saal des Hotels „Dreiwasser“ das Gespräch miteinander oder Informationen.

Einer von ihnen war Dirk Einbeck vom „Café in der Alten Schule“ in Baumgarten. „Wir haben einen schönen großen Garten am Café und ich bin seit einem Jahr Imker“, erzählte er Anja Hansen. „Dabei geht es mir gar nicht so sehr um Honiggewinnung, sondern um den Erhalt der Bienen. Wie könnte ich mich an der Bienenstraße beteiligen? Welche Hilfe würde ich von euch bekommen?“, waren seine Fragen. „Ihr könntet Infotafeln zu den Bienen in eurem Garten aufstellen, für solche Tafeln haben wir eine Förderung beantragt. Damit könntet Ihr Teil der Bienenstraße werden und auf der Karte und unserem Flyer vermerkt werden“, waren die Antworten.

Sowohl Flyer als auch eine Internetseite seien derzeit aber erst im Entstehen. Für eine Förderung von Projekten mit Schulen könne man einen Antrag beim Lung in Güstrow stellen. „Die haben einen Fördertopf Umweltbildung und kooperieren mit uns“, erläuterte Hansen.

Doch letztendlich geht es bei dem Projekt nicht nur um die Ankurbelung des Tourismus in MV, sondern vor allem darum, auf das katastrophale Bienensterben aufmerksam zu machen und z. B. Landwirten einen Anreiz zu geben, mehr für den Erhalt der fleißigen Bestäuber zu tun. „Wir beraten Landwirte dazu auch“, informierte Anja Hansen. „Zum Beispiel zur Anlage von Blühstreifen. Dafür können gibt es gefördertes Saatgut.“

Die kluge Idee, durch Tourismus eine Lobby für die Bienen zu schaffen, entstand in Gemeinschaftsarbeit von Rita Klammer vom Imkerverein „Sternberg und Umgebung“ mit Volker Brandt vom Naturpark Sternberger Seenland und Irene Werner vom Sternberg Verein „Dialog + Action“. „2010 wurden mein Mann Wilfried und ich Mitglied im Imkerverein. Wir wollten sinnvoll alt werden und etwas für die Bienen tun, die sterben und keiner bekommt es mit. Da gab es nur 12 Mitglieder Ü65“, erinnerte sich Rita Klammer an die Anfänge. Dann sah sie auf Usedom einen Flyer für Bienenwanderwege und hatte die Idee für die Bienenstraße. „Die habe ich Volker Brandt und den Rangern vom Naturpark vorgestellt. Alle waren zuerst skeptisch und sind heute begeistert.“ Die Zusammenarbeit mit „Dialog + Action“ ergab sich zwangsläufig, denn der Verein beschäftigt sich schon seit Jahren mit den Bienen. Und der Imkerverein „Sternberg und Umgebung“ ist das heimliche Zentrum der Bienenfreunde, er zählt mittlerweile über 40 Mitglieder, die auch aus Schwerin oder Bützow kommen.

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