Trams : Für A-Weizen bleibt alles liegen

Frank Ehlers im Mähdrescher übergibt den gedroschenen Weizen in den Umladewagen von Erwin Buckentin.
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Frank Ehlers im Mähdrescher übergibt den gedroschenen Weizen in den Umladewagen von Erwin Buckentin.

Akkordarbeit auf den Feldern: Witterung lässt Getreide fast gleichzeitig reifen. Wariner Pflanzenbau eG unterbrechen Roggen- und Rapsdrusch.

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07. August 2015, 23:26 Uhr

Hochsaison in der Ernte: Bei diesem Wetter wird das Getreide fast gleichzeitig reif. Mähdrescher und Traktoren auf dem Feld ziehen dicke Staubwolken hinter sich her. So auch in der Wariner Pflanzenbau eG mit Sitz in Trams..

War man am Mittwoch noch im Roggen zugange, hieß es am Donnerstag aber Umsetzen der Mähdrescher nach Trams und Pennewitt, weil der Weizen reif und trocken ist. „Dieser Weizen ist so genannter A-Weizen, also Weizen von höchster Qualität und für Lebensmittel gedacht. Wenn der trocken ist, müssen wir sofort rein. Jetzt ein Regenguss drauf und er verliert sofort die Backqualität“, erklärt Daniel Bohl, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Pflanzenbau eG. Also bleibt alles andere liegen. Von den 280 Hektar Roggen hat der Betrieb 45 Hektar eingefahren von den 555 Hektar Raps etwa 40 Prozent. An Weizen standen am Donnerstag bis 13 Uhr 760 Hektar auf dem Halm. Ab 13 Uhr starteten insgesamt vier Mähdrescher plus vier Traktoren zum Abfahren und zwei Umladewagen auf den Weizenschlägen in Pennewitt und Trams.

„Um die Zeit hatte der Weizen nur noch 15 Prozent Feuchtigkeit. Das Korn lagern wir selbst ein. In der Halle wird es belüftet und verliert damit das letzte halbe Prozent Feuchtigkeit. Bei den Temperaturen hatte der Weizen auf dem Halm eine Stunde später schon die erforderlichen 14,5 Prozent und eine weiter lag er noch mal da drunter und ist somit gut lagerfähig, ohne, dass wir die Trocknung einschalten müssen“, so Bohl.

Eingesetzt hat die Pflanzenbau eG. übrigens zwei Mähdrescher Claas Lexion 480 mit einer Schildbreite von neun Metern und zwei Lexion 600 mit einem 10,5 Meter breiten Mähwerk. In diesen hochmodernen Fahrzeugen ist der Fahrer völlig abgeschirmt von der derzeitigen Hitze. „Er muss sich bei der Arbeit konzentrieren können. Deshalb stellt er sich die Klimaanlage zwischen 22 und 24°C ein.

Zwölf Stunden ist der Mähdrescherfahrer in der Regel im Einsatz. Mitternacht ist Schluss, damit er noch zum Schlafen kommt. Zwischendurch hat der Fahrer eine Viertelstunde Pause, um mal aus seiner Kabine rauszukommen. Und um 18 Uhr gibt es Abendbrot. Dafür sorgen die beiden Vorstandsvorsitzenden und die Prokuristin. Heike Schröder schmiert die Brote und bereitet Tee, Kaffee u. a. zu; Vorstandsvorsitzender Wolf Dietmar Vetter und Bohl bringen es aufs Feld, wo alle gemeinsam essen.

„Wenn das Wetter so bleibt, werden wir ungefähr bis Mitte August arbeiten. Wir rechnen so mit ca. 100 Hektar pro Tag – wenn alles gut läuft. In den vergangenen Jahren haben wir ca. 22 Mähdruschtage gehabt. Diese Zeit bedeutet höchsten Einsatz. Arbeitsspitze für die Landwirte ist aber bis etwa Mitte Oktober. Danach wird es ruhiger und die Kollegen können wieder an Urlaub denken“, so Bohl. „Natürlich sorgen wir auch während der Ernte dafür, dass die Kollegen bei schlechtem Wetter frei machen und sich erholen können.“

Den Eindruck, Mähdrescher rasen übers Feld, weil sie schneller fertig sein wollen, bestätigt er nicht. „Das funktioniert nicht“, so Bohl. „Es gibt zwar keine Geschwindigkeitsbegrenzung, aber der Stand des zu dreschenden Getreides bestimmt die Geschwindigkeit. Das ist wie beim Rasenmähen. Steht das Gras hoch und dicht, kann man nur langsam fahren. Mäht man nach wenigen Tagen einen relativ kurzen Rasen, kann man schneller fahren. Aber eben nur so, dass das Gras auch geschnitten wird. Denn stehen bleiben soll nichts.“

Wenn die Schläge abgeerntet sind, gehen sofort die Bodenbearbeitungsgeräte auf die Äcker. Sicher, mancher wundert sich, warum so schnell. So bleibt z. B. kaum Zeit für ausschweifende Reitjagden über die Felder. „Warum?, weil wir mit dem Umbruch die Wasserverdunstung des Bodens bremsen wollen und Unkrautsamen und ausgefallenes Getreide sollen zum Keimen gebracht werden“, erläutert Daniel Bohl. „Das ist die beste Unkrautbekämpfungsmaßnahme, denn wenn die Stoppeln mit Erde gemischt werden, verrottet alles viel besser.“ Grundsätzlich bleibe nichts stehen, nur wenn etwas stark mit Quecke verunreinigt sei. Dann werde auch mal gespritzt. Zudem sei bei Hitze die Brandgefahr sehr hoch, wenn Stoppeln stehen bleiben. „Also nach der Ernte lieber Staub hinterm Gartenzaun als ein brennendes Stoppelfeld.“

Auf ihre Fruchtfolge achtet die Wariner Pflanzenbau eG. sehr. „Auf den besseren Böden heißt das Gerste – Raps – Weizen, auf unseren Sandböden Roggen – Zwischenfrucht – Mais. Und je nach Maisertrag folgt höchstens noch einmal Mais und dann wieder Roggen. Der Mais geht in unsere Biogasanlage und die unserer Vertragspartner.“

Abschließend zeigt sich Daniel Bohl zufrieden mit den bisherigen Erträgen. „Wir hatten eine gute Gerstenernte, der erste Raps war auch ok“, schätzt er ein. „Die Bedingungen waren in dieser Saison sehr günstig. Wir hatten im Herbst eine sehr lange Vegetationsphase. Dem folgten ein milder Winter und ein zeitiges Frühjahr. Zwar ein bisschen wenig Regen, dafür waren Mai und Juni relativ kühl.“

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