Sternberg : Führungswechsel bei EcoMotion

Axel Becker (r.) übergibt zum Jahresende die Verantwortung für die Biodieselwerke in Sternberg und Malchin an Axel Munderloh, der seit 2006 in der Saria-Unternehmensgruppe tätig ist, zu der EcoMotion als Tochtergesellschaft gehört.
Axel Becker (r.) übergibt zum Jahresende die Verantwortung für die Biodieselwerke in Sternberg und Malchin an Axel Munderloh, der seit 2006 in der Saria-Unternehmensgruppe tätig ist, zu der EcoMotion als Tochtergesellschaft gehört.

Geschäftsführer Axel Becker geht zum Jahresende in den Ruhestand. Künftig ist Axel Munderloh für die Biodieselwerke in Sternberg und Malchin verantwortlich.

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01. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Er hat das Biodieselwerk in Sternberg aufgebaut und ist seit der Inbetriebnahme 2006 Geschäftsführer. Nun geht Axel Becker, der in diesem Monat 66 wird, zum Jahresende offiziell in den Ruhestand. Nach 51 Arbeitsjahren, wie er sagt. Becker war vorher Geschäftsführer in der Saria-Unternehmensgruppe, der Muttergesellschaft von EcoMotion. Dieses Unternehmen produziert Biodiesel in Lünen bei Dortmund, Malchin und Sternberg. Nach dem Ausscheiden Beckers bleibt Dr. Robert Figgener aus Lünen alleiniger Geschäftsführer von EcoMotion.

Künftig ist Axel Munderloh verantwortlich für die Werke in Sternberg und Malchin sowie für die kaufmännische Leitung bei EcoMotion insgesamt. Bereits seit 2006 in der Unternehmensgruppe tätig, war er an mehreren Standorten für die Verarbeitung tierischer Nebenprodukte zuständig, zuletzt in Hessen und Bayern. In Hamburg lebend, freut sich der 41-Jährige, der somit im Unterschied zu Tausenden in die Gegenrichtung pendelt, über die neue Herausforderung näher am Wohnort. „Bei EcoMotion kennt man sich untereinander. Das hat es mir relativ leicht gemacht. Und das Team hier am Standort ist gut und offen“, so Munderloh, der sich bereits seit April eingearbeitet und hier seinen Hauptsitz hat. Der Sternberger Jens Quandt, zu dessen Aufgaben bislang auch kaufmännische Belange vor Ort gehörten, konzentriert sich künftig auf Qualitätsmanagement und Nachhaltigkeit für die Werke der EcoMotion- Gruppe. Die Anforderungen würden durch gesetzliche Vorgaben immer komplexer, so Becker. Aber auch widersprüchlicher und kaum noch nachvollziehbar, weil es der Umwelt überhaupt nichts bringe, ärgert sich der Fachmann.

Es dreht sich um die Einsparung von Kohlendioxid an den Zapfsäulen der Tankstellen. Um die Treibhausgas-Bilanz von Diesel und Benzin zu verbessern, werden den fossilen Kraftstoffen Anteile an Biokraftstoffen beigemischt. Eine Quote gibt den Mineralölunternehmen Einsparziele für ihre Kraftstoffe vor. Sie wurde 2017 von 3,5 auf vier Prozent heraufgesetzt, 2020 sollen es sechs Prozent sein. Aus Sicht des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie sei dies „ein Rückschritt gegenüber den vormals ambitionierten umwelt- und klimapolitischen Zielen der Bundesregierung“. Die starren Quoten würden weitere Innovationen bei Biokraftstoffen verhindern, „da sich mit jeder Effizienzsteigerung die Beimischung zu fossilen Kraftstoffen verringert“.

Bei Biodiesel aus Rapsöl erreicht EcoMotion Sternberg derzeit eine Kohlendioxid-Einsparung von 61 Prozent gegenüber Normaldiesel. Vor drei, vier Jahren betrug der Wert 38 Prozent, „und das war der gleiche Biodiesel wie jetzt, nur die Berechnung war anders“, erklärt Becker kopfschüttelnd. In die fließt der Kohlendioxidausstoß von der Bestellung des Rapsackers über die Ernte und den Transport bis zur Verarbeitung ein. Das trifft bei der Produktion von Biodiesel aus tierischen Fetten wie in Malchin und Lünen nicht zu, weil dort Abfälle verwendet werden. Deshalb liegt hier die Einsparung von Treibhausgas bei 90 Prozent, was es der Mineralölindustrie leichter macht, mit weniger Beimischung von Biodiesel ihre Quote zu erfüllen. „Alles nur Mathematik, völlig sinnlos“, erbost sich Becker über die Zahlenspielerei, von der die Umwelt nichts habe. Aber dadurch sei der Absatz von Biodiesel aus Rapsöl noch komplizierter als ohnehin schon.

Zusätzlich machen den deutschen Herstellern Dumpingpreise für Biodiesel aus Argentinien und Indonesien zu schaffen. Dort vom Staat subventioniert, habe Argentinien Biodiesel billiger als Sojaöl, aus dem er produziert wird, nach Europa geliefert, sagt Axel Becker. Schutzzölle konnten die Wettbewerbsverzerrungen nur zeitweilig stoppen, ab Frühjahr werde erneut eine Schwemme von billigem Biodiesel aus Sojaöl befürchtet.

Zum Glück für die Branche hat die hier zu Lande schlechte Ernte zumindest den Rapspreis nicht in die Höhe getrieben. Der sei an den Weltmarkt von Soja gekoppelt. Die Ernte sei gut ausgefallen und habe den Preis fallen lassen, damit allerdings auch für die Erzeugnisse aus dem Biodieselwerk in Sternberg. Einen beträchtlichen Anteil daran hat der Rapskuchen, ein hochwertiges, eiweißhaltiges Futter, das in der Ölmühle anfällt. Die sei voll ausgelastet, sagt Becker. Im Jahr würden 185 000 Tonnen Raps verarbeitet. Etwa die Hälfte des Öls gehe in die
Umesterungsanlage zur Herstellung von Biodiesel, weit mehr als im Vorjahr. Die Auslastung der Anlage erreiche 38 Prozent. Die lag schon deutlich höher, doch andere Biodieselhersteller mussten aufgeben, EcoMotion Sternberg besteht auf dem Markt – ab 2018 mit einem neuen Chef.

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