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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

25. November 2017 | 10:50 Uhr

Frost kappt den Trinkwasserfluss

vom

svz.de von
erstellt am 09.Feb.2012 | 09:57 Uhr

Sternberg | Not macht erfinderisch. Seit dem Wochenende ist eine Sternbergerin ohne Wasser, weil die Leitung zu ihrer privaten Mietswohnung eingefroren ist. Das zwingt sie zur organisatorischen Höchstleistung. Jeden Abend schleppt sie von der Arbeit einen Fünf-Liter-Kanister mit Wasser nach Hause. Das muss einschließlich der Mineralwasserflaschen aus dem Supermarkt reichen bis zum Morgen. Kein Tropfen darf verschwendet werden. So wird das gebrauchte kostbare Nass vom Waschen und Zähneputzen in einer Schüssel gesammelt, um anschließend für die Toilettenspülung herzuhalten. Wie lange der Zustand anhält, konnte der Frau bis gestern niemand sagen.

Kein Einzelfall. Bei den Tiefsttemperaturen der vergangenen Tage musste so mancher zeitweise auf eine stabile Wasserversorgung verzichten. Beispielsweise in kommunalen Wohnungen in Ventschow. Hier waren eine Trinkwasserleitung und ein Hauswasserzähler eingefroren. Von Sonntag früh bis Montag früh hatten die Mieter in einem Haus kein kaltes Leitungswasser. Zum Glück floss zu ihnen weiter das Warmwasser, das an einem großen Heizsystem hängt. An solche tiefen Temperaturen könne er sich nicht erinnern, sagt Hausverwalter Ekkehard Graf. In den leer stehenden kommunalen Wohnungen von Ventschow wurde noch einmal kontrolliert, ob alle Heizungen funktionieren, so der Verwalter. Ganz zugedreht werden sie ohnehin nicht, die Räume bleiben temperiert, damit es nicht in den Wohnungen darüber oder darunter kalt wird.

Der größte Vermieter im Sternberger Seenland, die Sternberger Wohnungsbaugesellschaft Stewo, hat im eigenen Bestand bisher keine Probleme, erklärte gestern auf SVZ-Nachfrage Geschäftsführerin Regina Nienkarn. Auf einigen privaten Grundstücken, die die Stewo verwaltet, gab es hingegen schon Einfrierungen. Um Schäden zu verhindern, kontrolliert die Stewo regelmäßig die leer stehenden Wohnungen.

Die Sternberger Stadtwerke haben bisher fünf eingefrorene Wasserzähler ausgewechselt und die Zuleitungen dahin aufgetaut, sagt Bürgermeister Jochen Quandt. Die Stadtwerke haben Material zum Wechseln auf Lager. In allen bisher aufgetretenen Fällen sprach Quandt von Eigenverschulden. Die eingefrorenen Wasserzähler befanden sich in der Nähe von geöffneten Fenstern.

Ein Problem, das auch andere benennen, die mit der Wasserversorgung in der Region zu tun haben. Axel Hamann, Eurawasser-Gebietsdirektor in Bützow und zuständig für das Sternberger Seenland, sagt: Eingefrorene Leitungen gebe es in nicht gesicherten Gebäuden. Auch nicht-isolierte Rohre in Kellern sind gefährdet. "Man sollte darauf achten, dass beispielsweise die Kellerfenster verschlossen sind."

Immer wieder sind es die Wasseruhren, so Bernd Baasner, Geschäftsführer im Zweckverband Wismar, der u. a. für das Wasser in Ventschow und Jesendorf zuständig ist. Zwischen zehn und 15 Wasseruhren müssen die Techniker an einem harten Winterwochenende wechseln. Die Kosten trägt immer der Eigentümer. Das sind ca. 70 Euro, die man sich gut sparen könnte. Manche Schäden sind noch unbemerkt und treten erst zu Tage, wenn es wieder wärmer wird, weiß Baasner. Wenn die zugefrorenen Leitungen auftauen. Der Fachmann rät, insbesondere ungenutzte Objekte wie Ferienwohnungen und Bungalows zu kontrollieren. Größerer Schaden lässt sich verhindern, wenn die beiden Absperrhähne - unmittelbar vor und hinter der Wasseruhr -geschlossen werden und über das Ventil das Wasser aus der Uhr abgelassen wird.

Axel Hamann warnt davor, zugefrorene Wasserleitungen nicht mit offenem Feuer aufzutauen. Das Auftauen sollte man einem Fachmann überlassen.

Dem Hauptleitungsnetz der Wasserversorger konnte der Frost aber offenbar bisher nichts anhaben. Vorteil dieser Leitungen ist, dass größere Mengen Wasser darin ständig in Bewegung sind. Auch liegen die Leitungen relativ tief im Boden - zwischen 85 Zentimeter und 1,35 Meter. Die neuralgischen Punkte im Versorgungsnetz wurden mittlerweile abgeschafft, so Hamann. Der letzte befand sich in Klein Labenz, wo die Trinkwasserleitung Richtung Weiße Krug oberhalb des Radebachs lag. Im strengen Winter vor einigen Jahren war die Leitung in das kleine Dorf völlig eingefroren und die Anwohner von Weiße Krug mussten über Tankwagen mit Wasser versorgt werden. Mittlerweile liegt die Leitung sicher unter dem Flussbett.

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