Sternberg : Frische Karpfen in (fast) jeder Größe

Einen Moment später nach Kundenwunsch ausgenommen, bringt dieser Karpfen 2,7 Kilogramm auf die Waage. Jörg Rettig, Inhaber der Seenfischerei Sternberg, kauft Karpfen aus der Lewitz zu, die großen Exemplare fängt er mit seinen Mitarbeitern in den Seen.
Einen Moment später nach Kundenwunsch ausgenommen, bringt dieser Karpfen 2,7 Kilogramm auf die Waage. Jörg Rettig, Inhaber der Seenfischerei Sternberg, kauft Karpfen aus der Lewitz zu, die großen Exemplare fängt er mit seinen Mitarbeitern in den Seen.

Die Fischereibetriebe in der Region sind auf den letzten Kundenansturm des Jahres vorbereitet. Sie bieten natürlich gewachsene Festtagsfische aus Seen oder Teichen an.

svz.de von
29. Dezember 2013, 17:22 Uhr

Karpfen blau oder gebacken, komplett von Kopf bis Schwanz oder in Stücken – das ist Silvester wie Neujahr wieder einer der Renner. Die Fischereibetriebe in der Region sind auf den letzten Kundenansturm des Jahres vorbereitet. Jetzt dürfte er erfahrungsgemäß etwas
geringer ausfallen als zu Weihnachten, rechnet Fischer Andreas Frischke, der am Rande Sternbergs die Karpfenteiche und die Oberen Seen bewirtschaftet. „Weihnachten sind es mehr Feiertage, überall kommen die Familien zusammen, da wird zu Hause gut gegessen. Silvester gehen viele zum Feiern weg.“ Jörg Rettig, Inhaber der Seenfischerei Sternberg, sieht das ähnlich. „Bei Frischfrisch gar nicht mal, aber Räucherware verkaufen wir zum Jahreswechsel weniger.“

Dennoch brumme das Geschäft am Jahreswechsel aus alter Tradition noch einmal richtig. Und das sei gut für die Fischer. Das „kleine Hoch“, so Rettig, werde dringend gebraucht, denn in den nächsten beiden Monate kehre eher Ruhe ein. Er sei mit dem Weihnachtsgeschäft zufrieden und auch optimistisch, was den Verkauf heute und morgen betreffe. Zum Glück spiele das Wetter mit, anders als sonst manches Jahr. Frost, Eis und Schnee
erschwerten nicht nur die Arbeit, sondern würden auch den Fischen Stress bereiten bzw. selbst Stammkunden davon abhalten, aus dem Haus zu gehen.


Prachtemplare dieses Jahr um die zwölf Kilogramm schwer


Die Karpfen seien im Durchschnitt
„einen Tick“ größer, hat Rettig ausgemacht. Das wirke sich beim Umsatz aus, ob der Fisch im Ganzen oder in Stücken gekauft werde. Letzteres nehme, nachdem sich das schon in größeren Städten wie Güstrow gezeigt habe, auch hier merklich zu, sagt Rettig. „Das macht uns mehr Arbeit, doch wenn Kunden das wünschen, bieten wir diesen Service selbstverständlich an.“ Der Betrieb kaufe Karpfen aus der Lewitz zu. „Dort wird im letzten Jahr nicht zugefüttert, weil genug Fläche zur Verfügung steht und die natürliche Nahrung ausreicht. Das sind gute Teichkarpfen. Bei den Kleineren ist kein Unterschied zu
denen aus den Seen zu sehen“, meint der Fachmann. Die Prachtemplare, dieses Jahr um zwölf Kilogramm schwer, sonst mitunter sogar 15 kg, zieht Rettig mit seinen Mitarbeitern selbst aus den Seen. Auch Hechte bis zu zehn Kilogramm schwer oder Schleie, die das Angebot an Frischfisch ergänzen. Zander werde zu wenig gefangen, um dafür zu werben.

Im Gegensatz zu Tieren, die irgendwann ihre Endgröße erreichen hätten und bei denen die Fleischqualität dann abnehme, würden Fische zeitlebens wachsen. „Wenn sie älter sind, nicht mehr so schnell, doch sie wachsen weiter, und
dadurch wird die Qualität immer besser“, erklärt Jörg Rettig.

Sein Berufskollege Andreas Frischke kann das bestätigen. Die Karpfen, die er verkauft, kommen alle aus eigener Produktion, die Großen aus den Oberen
Seen, aus den Teichen die im vierten Jahr. Letztere habe er mindestens acht Mal in der Hand gehabt, das neunte Mal würden sie im Verkaufsraum gekeschert, um beim Kunden zu landen. Vor knapp vier Jahren im Mai geboren, wurden sie „als Stöpsel“ mit ca. 25 Gramm, wie Frischke lächelnd sagt, im Herbst umgesetzt und im Frühjahr darauf vom Winter- in den Sommerteich. Das wiederholt sich jedes Jahr bis zum Abfischen.

Rund 500 Stück hat Frischke traditionell am letzten Oktober-Wochenende in aller Öffentlichkeit abgefischt. Die Ausbeute sei normal, genauso die Größe, „nicht weltbewegend“, obwohl es ein heißer Sommer war. „Wer mit der Natur lebt, sagt, was das Jahr brachte, ist in Ordnung, aber nicht mehr als erwartet bei dem schönen Wetter“, so Frischke. Die Karpfen holten in so kurzer Zeit Rückstände aus den Vorjahren nicht auf. „Ich könnte zufüttern, um mehr Wachstum zu erreichen, Getreide oder Vollfutter. Aber dann würden die Karpfen teurer und hätten nicht die Qualität, die die Kunden hier erwarten“, sagt Frischke. Er setze immer nur so viele Karpfen ein, wie natürliche Nahrung vorhanden sei. Ein Kollege in Schleswig-Holstein nehme neun Euro pro Kilogramm frischer Karpfen, in Hamburg noch mehr. „Das ist mit den hiesigen Geldbeuteln nicht zu machen.“ Bei den Sternberger Fischern sind es sechs Euro. Frischke ärgert ein wenig, wenn „fliegende Händler“ darunter bleiben. Bei denen wüssten die Kunden aber kaum, woher die Karpfen kommen. Genauso sei das oft bei denen, die eingefroren angeboten werden. Wer was von Karpfen verstehe, kaufe frische Ware, von der er wisse, woher sie komme, ist der Fischer überzeugt.

Bei seinen Karpfen gehe es mit ca. zwei Kilogramm los. Es seien auch Ausreißer dabei, die kleiner sind. Fische würden wie Mensch und Tier nicht einheitlich wachsen. Die heutigen Spiegelkarpfen, die
einen hohen Rücken, aber kaum Schuppen haben, hätten sich in etwa 1000 Jahren Zucht so entwickelt. Der Urkarpfen sei lang und schlank gewesen etwa wie ein Döbel und voller Schuppen. Davon trage der heutige Speisefisch nur noch wenige an den vorderen Flossenansätzen und an der Schwanzflosse. Weil sich diese im Wasser spiegeln, kam der Karpfen zu seinem Namen. Von den Schuppen stecke sich mancher eine ins Portmonee. Sie soll Glück bringen und eine stets gefüllte Geldbörse, erzählt der langjährige Fischer Wilfried Frische augenzwinkernd.

Neben Karpfen in (fast) jeder Größe bietet Frischke Forelle, Schlei und Hecht an „alles selbst gefangen in den Oberen Seen, die für ihr klares Wasser bekannt sind“. Hecht mit Speck durchzogen, und in Sahnesoße schmecke auch vorzüglich.

Beide Fischereibetriebe haben heute von 8 bis 18 Uhr, morgen von 8 bis 13 Uhr (Frischke) bzw. von 8 bis 12 Uhr (Seenfischerei) geöffnet.

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