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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

24. November 2017 | 01:16 Uhr

Sternberg : Frieren vor dem AOK-Mobil

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Kritik von Bürgern bei Premiere des neuen Beratungsangebotes: Kassenmitglieder standen teilweise eine geschlagene Stunde an.

von
erstellt am 06.Jan.2015 | 16:40 Uhr

Premiere für die Krankenkasse AOK gestern auf dem Sternberger Kirchenvorplatz. Nach der Schließung des bisherigen Beratungsstandorts am  Finkenkamp 5 zum Jahreswechsel erfolgt die Betreuung der Mitglieder ab sofort immer dienstags und mittwochs von 9 bis 13 Uhr per AOK-Mobil.

Die ersten Versicherten standen bereits weit vor der Öffnungszeit an.  Und so bildete sich schnell eine Schlange, gegen 9.40 Uhr trampelten zehn Frauen und Männer zum Erwärmen von einem Fuß auf den anderen  vorm Mobil, in das wegen des Datenschutzes immer nur ein Versicherter hinein kann.

„Hier werden wir erst richtig krank!“
„Gut gemeint, aber nicht gut durchdacht“, meinte Sabine Krasemann aus Wamckow zur gestrigen Premiere. „Wer aus Sternberg ist, kann ja nochmals nach Hause gehen, aber die von auswärts? Die Leute frieren“, so die Wamckowerin, die hinzufügte: „Und das nennt sich Gesundheitskasse.“ Worauf die Sternbergerin Helga Puck ergänzte: „Hier werden wir erst richtig krank!“ Sie war gegen 9.40 Uhr „bereits zum zweiten Mal hier. Die Schlange war schon länger, einige sind wieder gegangen.“

Sahra Hacker aus Sternberg fröstelte es erkennbar in ihrer blauen Jacke, in der sie die  Hände vergrub.  Sandra Grammdorf und Sören Wirkus warteten bereits eine gute halbe Stunde. „Spitzenreiter“ mit einer geschlagenen Stunde Anstehen war Jörg Rieske (alle Sternberg). „Wenn hier wenigstens ein Zelt stehen würde, wo man sich runterstellen könnte. Zum Glück regnet es heute nicht“, meinte dieser.

Der Brüeler Martin Oehlke  hatte sich für seine gehbehinderte Schwiegermutter in die Warteschlange eingereiht. „Für die wäre es total unmöglich hier“, so Oehlke bedient.

Anstehen musste auch derjenige, der nur etwas abgeben wollte. Die Wartenden vermissten denn auch einen „Postkasten“, wo man seinen Antrag reinwerfen könnte. „Das ist kein Zustand“, lautete das Fazit des Sternbergers Werner Helms. Ein Behinderter musste durch die schmale Mobil-Tür  gar rein- und rausgetragen werden.

AOK-Niederlassungsleiter Bernd Franke hatte in der SVZ-Ausgabe vom 31. Dezember die Veränderung wie folgt begründet: „Wir haben uns über einen längeren Zeitraum die Wünsche unserer Kunden genau angesehen und festgestellt, dass viele Versicherte lieber zum Telefon greifen oder uns per

E-Mail kontakten, um ihre Anliegen zu klären.“ Für eine persönliche Beratung könnten aber auch das Service-Center in Güstrow genutzt werden  oder Beratungsstandorte in den Nachbarregionen wie etwa in Bützow,  Schwerin oder Parchim. Für die gestern vor dem Mobil  Frierenden waren das keine wirklichen Alternativen.

AOK reagiert: „Wir nehmen Anliegen ernst“
AOK-Pressereferent  Markus Juhls  erklärte auf SVZ-Nachfrage: „Es ist gut, dass wir solche Hinweise bekommen, etwa den nach einem Einwurf. Wir nehmen die Anliegen ernst.“ Zugleich betonte Juhls, „dass die Bus-Idee absolut nichts Neues in MV ist“, um hinzuzufügen:  „Heute ist der erste Tag, das sind Startschwierigkeiten.“ Der in Parchim ansässige AOK-Niederlassungsleiter  Bernd Franke, der auch für  die Regionen Lübz, Plau und Sternberg zuständig ist,  erklärte, dass man nach dem SVZ-Anruf „sofort reagiert habe und eine zweite Kollegin vor Ort war“. Zudem wollte er  gestern  mit dem Sternberger  Bürgermeister  erörtern, „ob es machbar ist, dass die Leute im Bürgeramt warten könnten“.  Behinderten AOK-Versicherten riet Franke, „kurzfristig  einen Hausbesuchstermin übers kostenfreie Service-Telefon 0800/2650800 zu vereinbaren“.

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