Gießkannen und Harken bei Dieben sehr begehrt : Friedhofsgebühren explodieren

Harken und Gießkannen für den Sternberger Friedhof müssen regelmäßig nachgekauft werden, weil sie zum begehrten Diebesgut geworden sind. Roswitha Spöhr
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Harken und Gießkannen für den Sternberger Friedhof müssen regelmäßig nachgekauft werden, weil sie zum begehrten Diebesgut geworden sind. Roswitha Spöhr

Im Juni diesen Jahres hatte eine Sternberger Leserin ihre Mutter beerdigen müssen. Als dann der Bescheid über die Friedhofs- und Bestattungsgebühren in der Post war, glaubte sie ihren Augen nicht zu trauen.

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12. September 2012, 06:30 Uhr

Sternberg | Im Juni diesen Jahres hatte eine Sternberger Leserin ihre Mutter beerdigen müssen. Auch in dem Monat, aber drei Jahre zuvor, war es der Cousin, den sie zu Grabe getragen hat, erzählt sie. Beide haben auf dem Friedhof in Sternberg ihre letzte Ruhestätte gefunden, in einem anonymen Urnengrab.

Als dann der Bescheid über die Friedhofs- und Bestattungsgebühren in der Post war, glaubte sie ihren Augen nicht zu trauen, sagt unsere Leserin. Standen auf dem Gebührenbescheid aus dem Jahr 2009 noch 1218 Euro, summierten sich die Leistungen jetzt auf 1625 Euro, zeigte sie sich gegenüber SVZ immer noch irritiert über eine derartige Steigerung. Die könne sie auch bis heute nicht nachvollziehen. "Allein die Grabpflegegebühren sind in dieser Zeit von 132 auf 350 Euro gestiegen. Wenn dann noch die Feierhalle, der Redner und die Gaststätte dazu kommen, sind es rasch 5500 Euro, die eine Beerdigung kostet", rechnet sie vor und fragt, wer das noch bezahlen könne.

Birgit Janz von der Friedhofsverwaltung in Sternberg hat Verständnis für die Leserin: "Ja, das ist viel Geld". Janz erklärt: "Die Gebühren kommen regelmäßig auf den Prüfstand. Alle drei bis vier Jahre erfolgt eine neue Kalkulation. Wir müssen kostendeckend arbeiten, das heißt, die Lohn- und Betriebskosten müssen abgedeckt werden. Das prüft der Landkreis."

Auf dem kommunalen Friedhof in Sternberg sei ein Mitarbeiter des Bauhofes ständig beschäftigt. Was die Kosten zunehmend in die Höhe treibe, seien unter anderem die Entsorgung der Container, das Benzin für die Rasenmäher und der Neukauf von Geräten. "Im vergangenen Jahr haben wir 40 neue Gießkannen, Harken, Hacken und sogar die Tüllen für die Wasserhähne neu kaufen müssen", zählt Birgit Janz auf. Gießkannen und Harken werden leider schon regelmäßig vom Friedhof gestohlen, sagt sie. Neu angeschafft werden müssen von Zeit zu Zeit sogar die Vasen auf dem anonymen Grabfeld, weil sie zerbrochen werden. "Für die Pflege dieser Gräber haben die Angehörigen bezahlt, und das schließt auch ordentliche Vasen ein", so Janz. Ein Problem nicht nur auf dem kommunalen Friedhof in Sternberg sei, dass im Grünschnittcontainer längst nicht nur verwelkte Blumen, Blattschmuck und anderes Grün entsorgt werden. "Manche Leute werfen da sogar Grill- und andere Essensreste, Holzkohle und Windeln hinein. Das müssen wir dann komplett als Mischcontainer entsorgen, was sich in den Kosten niederschlägt", sagt sie. Oftmals zum Ärgernis werden auch die sanitären Anlagen auf den Friedhöfen, bedauert Janz. "In Sternberg mussten im vergangenen Jahr zweimal Fachleute ran, weil die Toiletten durch Hygieneartikel verstopft waren. In Brüel wurde regelrecht randaliert. Wenn der Friedhofsmitarbeiter Feierabend hat und am Wochenende werden die Toilettenanlagen deshalb jetzt auch verschlossen", nennt Birgit Janz eine Konsequenz daraus.

Doch nicht nur Gießkannen und Harken sind bei Langfingern begehrt, "auf dem alten Friedhof in Brüel wurde beobachtet, wie sich Leute von einer Wasserstelle ihre Kanister gefüllt haben", so Janz. "Gäbe es auf den Friedhöfen in Sternberg und Brüel nicht solche großen Probleme mit der Ordnung, könnten vielleicht sogar die Unterhaltungsgebühren gesenkt werden", zeigt sich Birgit Janz überzeugt.

Auf den Friedhöfen in den Dörfern im Amtsbereich gebe es übrigens kaum Probleme was die Ordnung betreffe, sagt sie.

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