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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

18. November 2017 | 07:38 Uhr

Sternberger Seenland : Freud und Leid beim Rotmilan

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Projekt beim Landschaftspflegeverband: Die Zahl der erfassten Paare hält sich konstant. Aber es wurden zwei tote Altvögel unter ihren Horsten gefunden.

von
erstellt am 12.Sep.2017 | 21:00 Uhr

Die Zeit des Rotmilans in unseren Gefilden geht zu Ende. Alt- und Jungvögel verlassen im September und Oktober ihre Brutreviere und fliegen in die Überwinterungsgebiete. Die liegen im Unterschied zu anderen Zugvögeln in Europa, vor allem in Spanien und Südfrankreich. „Das ist eine Besonderheit des Rotmilans“, sagt Marika Schuchardt vom Landschaftspflegeverband Sternberger Endmoränengebiet (LSE) mit Sitz in Kobrow II. Hier wurden das vierte Jahr Daten zu dem Greifvogel gesammelt, die Horste ausfindig gemacht, kartiert und regelmäßig kontrolliert, Belegung, Brutverlauf und Bestandsentwicklung erfasst. 2015 waren zum ersten Mal mit Hilfe von Baumkletterern Jungvögel beringt und bei denen, die groß genug waren, Flügelmarken angebracht worden.

Das rund 300 Quadratkilometer große Gebiet, das der LSE untersucht, umfasst weite Teile des Naturparks Sternberger Seenland bis nahe an den Dobbertiner See. Es ist eine von elf Regionen in sieben Bundesländern, in denen seit 2013 das vom Bundesamt für Naturschutz geförderte Artenschutzprojekt „Land zum Leben“ läuft. Brutbestand und Gefährdung des Greifvogels sollen ermittelt werden, um Maßnahmen ableiten zu können, die dem Rotmilan wieder mehr Lebensraum und damit seine Existenz sichern.

In diesem Jahr konnte für zwölf Rotmilanpaare der Brutnachweis erbracht werden. Daraus wurden ebenso viele flügge Jungvögel dokumentiert, zwei Dreierbruten sowie vier Paare ohne Bruterfolg, bilanziert Schuchardt. Im Vorjahr waren es elf Paare mit Brutnachweis und ebenfalls zwölf Jungvögel, die ausgeflogen sind.

Die Freude über den etwa gleich gebliebenen Bestand werde allerdings durch zwei ungeklärte Todesfälle getrübt. Die beiden Altvögel seien
unter ihren Horsten gefunden worden. In einem habe das verbliebene Männchen den Jungvogel in dem Nest aufgezogen. „Wir haben beobachtet, dass er ausgeflogen ist“, so Schuchardt. „Der andere Horst war nicht einsehbar, so dass wir nicht wissen, ob in dem auch ein Jungvogel war. Wir haben keinen abfliegen sehen.“ Hier habe das Weibchen überlebt.

Solche Verluste seien „traurig, gerade bei den wenigen Paaren, die es bei uns gibt“, sagt die studierte Landschaftsarchitektin und Umweltplanerin, die mit ganzem Herzen bei der Sache ist. „Sonst würde man die Arbeit nicht machen.“ Umso mehr habe es weh getan, die toten Rotmilane zu sehen. Ein solch Fall könne durch verschiedenste Ursachen immer wieder passieren, doch der zweite Fund sei ihr dann richtig nahe gegangen. „Auffällig war, das beide Vögel nicht einfach am Boden lagen, sondern sich richtig verkrallt hatten.“ Ob das in einem quälenden Todeskampf geschehen sei, wisse sie nicht, das wäre Spekulation, so Schuchardt. Fakt sei jedoch, dass in dem gleichen Gebiet fünf tote Kolkraben gefunden wurden.

Die beiden Rotmilane seien eingefroren und zum Landesamt für Natur, Umweltschutz und Geologie (Lung) in Güstrow geschickt worden. Dort habe sich Kristin Zscheile der Sache angenommen und veranlasst, dass die Totfunde in Rostock und München untersucht werden, um ihre Ursache zu ermitteln.

Jeder Horst, sagt Marika Schuchardt, sei wöchentlich durch sie oder ihren Kollegen Hans-Joachim Hogrefe kontrolliert worden. Sie hätten das weitläufige Terrain untereinander aufgeteilt. Dieses Jahr sei es „eine schöne Rennerei“ gewesen. Immer mit der Zeit im Nacken, denn die sei vom Brutbeginn der Rotmilane etwa Anfang bis Mitte April bis zum Austrieb der Bäume nur kurz. Habe sich das Blattwerk entfaltet, sei von unten nicht mehr zu sehen, was sich in den Horsten abspielt. „Wir haben hier 100 Prozent Waldbrut, vor allem in Buche und Kiefer“, erklärt Schuchardt In Richtung Bützow sei es schon anders, da baue der Rotmilan auch in Pappeln und Einzelbäumen, die besser einzusehen seien.

Erschwerend sei auch, dass rund 60 Prozent der Paare jedes Jahr umziehen und neu bauen. Ursachen gebe es mehrere. Manchmal sei ein Horst abgestürzt, woanders ein Baum, auf dem sich einer befand, gefällt worden. „Das kann passieren“, wobei Letzteres durch gute Kontakte zu den Forstämtern Schlemmin, Gädebehn und Sandhof, die über die erfassten Horste informiert würden, möglichst vermieden werde.

Beim Beringen und der Kontrolle der Horste helfe das Forstamt Schlemmin mit Baumsteigern.  Darauf freue ich mich jedes Mal“, so Schuchardt. Und schon bald geht es in das fünfte Jahr des bis 2019 anberaumten Projektes. Von November bis Februar/März steht die so genannte Geländearbeit an, die Suche der Horste.

 

 

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