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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

19. Oktober 2017 | 00:17 Uhr

Sternberger Seenland : Fremder Späher im Naturpark

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Das Sternberger Seenland wird zum dritten Mal nach Kriterien für das Qualitätssiegel bewertet. Das Ergebnis liegt erst im September vor, doch der Scout sieht gute Chancen.

von
erstellt am 12.Jul.2016 | 05:00 Uhr

Die freiwillige Vereinbarung, die von den meisten Kanu-Anbietern an Warnow und Mildenitz unterschrieben wurde, hat ihn sichtlich beeindruckt. Sie sieht vor, dass bei einer Wassertiefe unter 30 Zentimetern keine Boote ausgegeben werden, damit der Grund der Flüsse und die darin lebende Bachmuschel geschützt werden (wir berichteten). Für Michael Puschmann, Geschäftsführer im Naturpark Schwalm-Nette, der in Nordrhein-Westfalen an der deutsch-niederländischen Grenze liegt, ist das ein Beleg für Qualität im Kanu-Tourismus. Puschmann bewertet als Scout den Naturpark Sternberger Seenland.


Kriterienkatalog mit rund 100 Fragen


Der Verband Deutscher Naturparke (VDN) e.V. hat die dritte Phase seiner Qualitätsoffensive gestartet, die nun bis 2020 läuft. Das Sternberger Seenland ist von Anfang an dabei, hat das entsprechende Zertifikat 2006 erhalten und fünf Jahre darauf erstmals verteidigt. Das soll sich nun wiederholen. Ein überarbeiteter Kriterienkatalog enthält rund 100 Fragen zu fünf Handlungsfeldern. Das sind die vier Säulen der Naturparkarbeit – Naturschutz und Landschaftspflege, Erholung und nachhaltiger Tourismus, Umweltbildung und Kommunikation, nachhaltige Regionalentwicklung – sowie Management und Organisation. „Der Fragenkatalog muss vorab ausgefüllt werden“, erklärt Jan Lippke, stellvertretender Leiter des Naturparks Sternberger Seenland. Zur Selbstauskunft gebe es dann ein Informationsgespräch und Exkursionen.

„Die Schilder sind schön geworden“, sagt Andreas Hennig vom Kanucamp in Sternberger Burg und meint die drei Informationstafeln direkt an der Einsetzstelle für Kanus. Hier würden die Paddler ein- und darauf hingewiesen, dass sie „durch sensible Gebiete“ fahren. Gerade Frauen stünden Schweißperlen auf der Stirn, wenn sie hören, dass diese Strecke auf Mildenitz und Warnow bis Eickhof Wildwasserabschnitte enthalte. „Wobei wir Anfängern eindringlich die Einsteigertour von Weitendorf aus empfehlen“, so Hennig. Bei starker Strömung sei es „wirklich schwierig, das Boot gerade im Wasser zu halten“. Wer nicht steuern könne, habe „fast verloren“. Dann komme es vor, dass das Boot kentert.

Sven-Erik Muskulus, der u. a. Kanutouren anbietet und Vorsitzender des Fördervereins Naturpark Sternberger Seenland ist, erkläre sogar die Paddeltechnik, fügt Jan Lippke an. Das gehöre zum Qualitätsstandard. „Deshalb empfehlen wir Anbieter, die die freiwillige Vereinbarung unterschrieben haben.“ Eine Einweisung sei „ein wichtiger Schritt, Einfluss zu nehmen“, stimmt der Qualitätsscout zu. Bei ihm gebe es drei Flüsse zum Paddeln, einer falle jedoch oft wegen Niedrigwasser heraus. Es bestehe ein Verein für Kanutourismus. Keinem solle was vorenthalten werden, doch die Natur erleben und den Naturschutz
berücksichtigen, müsse im Einklang stehen, „die Grätsche zwischen Naturschutz auf der einen Seite und Naherholung und Tourismus auf der anderen“ bewältigt werden. Das sei wie auf dem Grat eines Gebirges, „man darf nicht zu einer Seite abkippen“.

Seine Mission als Scout sehe er weniger darin, die Selbstauskunft zu überprüfen, sondern sich kennen zu lernen und „Anregungen zu geben statt den Finger in eine Wunde zu legen“. Kein Naturpark sei perfekt, überall gebe es Möglichkeiten zum Nachbessern. Zumal trotz übergreifender Ziele des Bundesverbandes die Individualität ein Trumpf der Naturparke sei. Jeder setze andere Schwerpunkte. Der im Sternberger Seenland punkte neben Kanutourismus stark mit Umweltbildung und dem Naturparkzentrum in Warin, das „keine Selbstverständlichkeit“ sei. Dies gelte genauso für den Naturparkplan.

Ein großes Manko sei „die dünne Personaldecke“. Nach Erhebungen des Bundesverbandes benötige eine Geschäftsstelle vier Vollzeitstellen, die in Warin habe aber nur die Hälfte. „Aktivitäten in den Köpfen werden dadurch gehemmt, wie Angebote gemeinsam mit Touristikern“, so Puschmann. Auch der Internetauftritt sei „überholungsbedürftig“. Dieses Medium sei zu wichtig geworden. Ein „tolles Projekt wie die Bienenstraße“ hätte es verdient, besser dargestellt zu werden.

Die Ergebnisse gebe der VDN auf seiner Mitgliederversammlung im September bekannt. Doch ohne vorgreifen zu wollen, sehe er gute Chancen für das Sternberger Seenland, so der Scout, das Qualitätssiegel erneut zu verteidigen. Auch Jan Lippke ist völlig entspannt. Minimum seien 250 Punkte. Vor fünf Jahren waren es 304 Punkte. Nach einer Überschlagsrechnung anhand der Kriterien könnten es diesmal an die 350 Punkte werden.

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