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Wolf im Sternberger Seenland unterwegs : Fotofallen für Meister Isegrim?

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Rissgutachter haben sich Ende der vergangenen Wochen bei einer Beratung in Güstrow näher mit den Fotos und Berichten über das wahrscheinlich von einem Wolf gerissene Reh im Wald zwischen Sternberg und Warin befasst.

svz.de von
erstellt am 07.Apr.2013 | 05:25 Uhr

Sternberg/Güstrow | "Es passt alles", sagt Kristin Zscheile, zuständig für Wolfsmonitoring im Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) in Güstrow. Rissgutachter haben sich Ende der vergangenen Wochen bei einer Beratung in Güstrow näher mit den Fotos und protekollarischen Berichten über das wahrscheinlich von einem Wolf gerissene Reh im Wald zwischen Sternberg und Warin befasst. "Was wir auf den Fotos gesehen haben, sieht gut aus", so Zscheile. Sie spricht von einem starken Indiz, dass wirklich ein Wolf im Naturpark unterwegs ist.

Wie SVZ berichtete, häuften sich in den vergangenen Monaten die Hinweise auf Meister Isegrim. Es gab Spuren im Schnee bei Warin. Schließlich wurde vergangene Woche das tote Reh gefunden. Vorher gab es auch Meldungen aus dem Forstamt Schlemmin auf mögliche Wolfspuren. Das würde ebenfalls zu Meister Isegrim passen, der ein Revier von 250 Quadratkilometern beansprucht.

Kristin Zscheile bedauert es, dass eine in der Nacht zum vergangenen Donnerstag am gerissenen Reh bei Sternberg aufgestellte Kamera nur Kolkraben fotografierte, aber leider den Geist aufgab, bevor sich ein größerer nächtlicher Räuber an der Beute zu schaffen machte. Derzeit werde über das Aufstellen von Fotofallen in der Region nachgedacht, um den Wolf zu identifizieren.

"Wir gucken, ob sich die Hinweise verdichten", sagt Zscheile. Dann werde man auch mit Informationen an Schafhalter herantreten über Herdenschutz und Zäune. Um Schafe vor Wolfsangriffen zu schützen, sind mindestens 90 Zentimeter hohe, gut gestellte, rundum geschlossene Elektrozäune zu empfehlen. Feste Zäune sollten 1,20 Meter hoch sein und mit einem Untergrabschutz versehen werden.

Allerdings sucht sich ein Wolf seine Beute vorrangig im Wald und macht sich eher selten über Haustiere her. "Der Ueckermünder Wolf ist brav", erklärt sie zum Beuteverhalten von einem der drei nachgewiesenen Raubtiere in Mecklenburg-Vorpommern. Anders der sogenannte "Bombodron-Wolf" , der auch in der Müritz-Region aufgetaucht ist. Er war aber schon drei Jahre in der Region, bevor er Nutztiere gerissen hat.

"Er hat draußen genug Futter", sagt Zscheile. Selbst in der Lausitz, wo der Räuber bereits seit zwölf Jahren unterwegs ist, gibt es weiterhin Schafhaltung. Nutztiere machen weniger als ein Prozent der Wolfsnahrung aus, berichtet die Fachfrau. Die großen Schafhalter beugen vor. Gefährlich sei es natürlich, wenn man in einer Wolfsgegend ein Schaf nachts angepflockt im Freien stehen lässt.

Sollte das Gefährdungspotenzial durch den Wolf steigen, sind auch die Inhaber von Wildtiergattern, in denen Dam- und Rotwild, gezüchtet wird, gut beraten, ihre Zäune sicher zu machen.

Der Gedanke an Isegrim im Wald dürfte manchen in Schrecken versetzen. Das Märchen von "Rotkäppchen und der Wolf" spukt durch die Köpfe. Statistisch gesehen ist die Gefahr für den Menschen aber äußerst gering. Der Wolf ist sehr scheu. Ein norwegische Institut hat alle bekannten Vorfälle mit Wölfen aus den vergangenen 50 Jahren in Europa zusammengefasst, so Zscheile. Danach gab es auf dem ganzen Kontinent in einem halben Jahrhundert neun verbürgte Todesfälle von Menschen durch den Wolf. Es erwies sich, dass in fünf dieser Fällen das Tier von Tollwut befallen war. Die anderen vier Vorfälle ereigneten sich in Spanien mit offenbar angefütterten Wölfen und wo diese Tiere keine Fluchtmöglichkeiten hatten. Schlussfolgerung: Unter normalen Bedingungen sind Menschen in Europa recht sicher vor Isegrim.

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