Ventschow : Forstaufseher: „So eine Sauerei“

Forstaufseher Manfred Wendel  geht nur mit einem Stock beim illegal entsorgten Wildschwein-Unrat  am Alt Schlagdorfer Weg im Ventschower Privatwald bei.  Fotos: Roland Güttler                                         
1 von 4
Forstaufseher Manfred Wendel geht nur mit einem Stock beim illegal entsorgten Wildschwein-Unrat am Alt Schlagdorfer Weg im Ventschower Privatwald bei. Fotos: Roland Güttler                                         

Ventschower Manfred Wendel fand am Alt Schlagsdorfer Weg die Reste zweier fachgerecht abgeschwarteter Wildschwein-Frischlinge

von
07. März 2016, 06:00 Uhr

„Sehen Sie sich mal den ganzen Unrat im Wald an, da liegen gar Reste zweier Wildschweine“, so Hans-Hubertus Moll am „Heißen Draht“. Seit 2004 besitzt er rund um Ventschow 510 Hektar Privatwald. Dieser reicht von Jesendorf und Tarzow bis nach Flessenow, Retgendorf, Liessow und Dämelow.

Zusammen mit Forstaufseher Manfred Wendel (62), der seit anderthalb Jahren für Moll tätig ist, ist SVZ unterwegs. Wendel, er wohnt seit drei Jahrzehnten in Ventschow, war von 1986 bis 1992 der hiesige Revierförster. „Die Kiefernbestände, die ich heute durchforste, habe ich vor 30 Jahre gepflanzt“, sagt er beiläufig, als wir kurz hinter der Ventschower Kreuzung auf der L 101 in Richtung Rubow fahren. Dann geht es rechts ab auf den unbefestigten Alt Schlagsdorfer Weg. Anfangs sind es „nur“ Heckenreste und eine Plastetüte, doch dann liegt was ekelhaftes am Waldrand. Mit einem Stock macht Wendel den Haufen etwas auseinander. Es kommen zwei Wildschwein-Schwarten plus Knochen zum Vorschein, samt weißem „Ganzkörperkondom“ und den benutzten Handschuhen. Auch ein Staubsaugerbeutel und zwei große Hundefuttertüten, die „im normalen Handel nicht gängig sind“, liegen da.

„So eine Sauerei! Wer soll das jetzt wegräumen?“. Der langjährige Waidmann erkennt sofort mit Kennerblick; hier hat einer die Frischlinge fachgerecht abgeschwartet und die Knochen ausgelöst. Wendel mag’s kaum aussprechen: Er hegt den Verdacht, dass es ein Jäger war.

Unweit davon, an der „Dämelower Dickung“ liegen hunderte Eierschalen. Und keine 50 Meter hinter der Ventschower Kreuzung, auf der L 031 in Richtung Dämelow, landeten rechter Hand auf ca. 15 Metern gut und gerne 30 Schnapsflaschen im Graben, in denen mal Korn drin war. Von zwei Fabrikaten! „Und in der Gegenrichtung sind es Flaschen einer Weinsorte“, so Wendel.

Viel zusätzliche Arbeit für die vier polnischen Beschäftigten von Waldbesitzer Moll. Zwei Mal jährlich – Frühjahr und Herbst – ist Waldputz; um den Dreck anderer wegzuräumen.  

Kommentar: Keinerlei Ekelgrenze
Unrat allerorten. Die Wegwerfmentalität rechts und Links der Straßen und Wege bekommt offensichtlich nie eine Konjunkturdelle. Dabei sind es längst nicht nur die im Vorbeifahren in die Gräben und Wälder geworfenen Coffee-to-go-Becher vom Fastfood-Besuch oder anderer Müll. Bei den illegal in der Landschaft entsorgten Resten gibt es keinerlei Grenzen. In Jesendorf wurde vor 14 Tagen eine ausgeweidete Ziege entdeckt und im Ventschower Privatwald liegen aktuell zwei Wildschwein-Schwarten samt Knochen und den benutzten weißen Handschuhen. „Das war kein Laie“, so ein erfahrener Jäger. Umwelt-Frevler in der nach oben offenen Ekel-Skala, die leider zumeist keiner erwischt…
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen