Sternberg/Groß Raden : „Flüchtlinge müssen auch Alltag haben“

Beim Stockbrotbacken (v. l.): Eileen (12), Lea (12) und Dustin (13) aus Sternberg gemeinsam mit dem 16-jährigen Afghanen Sharif.
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Beim Stockbrotbacken (v. l.): Eileen (12), Lea (12) und Dustin (13) aus Sternberg gemeinsam mit dem 16-jährigen Afghanen Sharif.

Gemeinsame Aktion in Sternberg von Schule, Verein Dialog+Action und Ehrenamtsstiftung.

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10. November 2015, 12:00 Uhr

Unter Kindern und Jugendlichen gelingt  der Kontakt am schnellsten. Das bestätigte sich auf der  Wanderung von Einheimischen und in Sternberg untergebrachten Flüchtlingen.  Von der Sternberger KGS-Schule  aus machten sich am Sonnabend ca. 70 Personen auf den Weg  zum Kamelhof von Jens Kohlhaus in Sternberger Burg. Nach einstündiger Besichtigung ging’s weiter zum Freigelände des Archäologischen Freilichtmuseums Groß Raden, um hier am Feuer   Stockbrot und Geflügelbratwurst zuzubereiten.

Die Organisation lag in den Händen von Birgit Willsch, die u. a.  Mathe und  Physik am Sternberger Gymnasium unterrichtet. „Für die Arbeit mit Flüchtlingen gibt es Unterstützung von der Ehrenamtsstiftung“, erläutert sie. Dort meldete sie die geführte Wanderung für 60 Personen an, die Schule buchte  dann den Kamelhof. „Die jungen Flüchtlinge, die so viel durchgemacht haben,  müssen hier  auch Alltag haben“, meinte KGS-Schulleiterin Petra Langpap. Zugleich lobte sie Birgit Wilschs Engagement.

 Neben Schülern waren u.a. auch Stammgäste des Jugendclubs vom Verein Dialog+Action sowie 13 der 14 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge dabei. Diese wohnen im Seehotel  und werden  von „Dialog+Action“ betreut,   Jugendclubleiterin Gudrun Suckow kümmert sich ehrenamtlich um sie. „Es sind alles junge Männer zwischen 16 und 17 Jahren. Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und auch ein Ägypter ist dabei“, so Vereinschefin Irene Werner. Dazu gehören Hodrum (17) aus Eritrea und der Afghane Shalif (16). „Das sind alles ganz tolle Jungs, unheimlich hilfsbereit,  dankbar“, so Irene Werner. Wegen der Frau-Mann-Problematik in den Heimatländern  hatte die 67-Jährige gleich zu Beginn eines deutlich  gemacht: „Ich arbeite hier wie ein Mann und möchte auch so respektiert werden.“ Damit waren die Pflöcke abgesteckt; wohl wissend, dass im arabischen Raum  die Frau nicht viel zählt. 

 Beim mittäglichen Grillen in Groß Raden war von der Geschlechter-Thematik nichts zu spüren.  Der 16-jährige Sharif hielt den Stockbrotteig gemeinsam übers Feuer mit Eileen, Lea und Dustin aus Sternberg. Der  syrische Kurde Alan (17)  fand die „Wanderung mit den Tieren toll“.

Birgit Willsch hatte auch ihre Schwester Ines Hepperle samt einer Frau aus Somalia und deren zwei Kindern eingeladen. Hepperle kümmert  sich in Bützow um Flüchtlinge.

Und das Besondere in Groß Raden war: Wer nicht ganz genau hinschaute, konnte nicht unterscheiden, wer wer ist.  Ob einheimisch oder Flüchtling – schnell vermischten  sich alle am Lagerfeuer. Und man tauschte sich aus: Mit Händen und Füßen oder ein bisschen auf  Deutsch oder Englisch… Es funktionierte.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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