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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 16:15 Uhr

Fleißige Bienen aus acht Ländern

vom

svz.de von
erstellt am 17.Aug.2012 | 06:56 Uhr

Brüel | Sichtschneisen an den Regenrückhaltebecken, ein Sonnen- und ein Repti lienbeet in der Bahnhofstraße, ein Wildbienenhotel am Baumlehrpfad - in Brüel sind seit dieser Woche 15 junge Leute tüchtig am Wirken. Sie kommen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Russland, Spanien, Südkorea, der Türkei und Ukraine, sind zwischen 16 und 26 Jahre alt und bleiben drei Wochen. Es ist das erste Workcamp im Naturpark Sternberger Seenland sowie bundesweit zum Thema Bienen, freuen sich Rangerin Margot Rossow und Rita Klammer vom Imkerverein Sternberg und Umgebung.

Das Grün an der Schulstraße sieht gleich einladender aus, finden die beiden Frauen. Die Sichtschneisen sollen ermöglichen, die Blicke schweifen zu lassen, aber genauso Wildpflanzen Platz geben sich auszubreiten, um wiederum Bienen Nahrung zu bieten. Denn wo alles zugewuchert ist, hätten Samen keine Chance. Ans Ufer kommen vielleicht Schwertlilien und Blutweiderich. Auf der kleinen Insel blüht gerade eine Schwanenblume, zeigt Margot Rossow. In der letzten Augustwoche setzen die Jugendlichen 10 000 Zwiebeln Wildkrokusse in den Rasenstreifen an der Schulstraße. Die bienenfreundlichen Pflanzen für das Sonnenbeet, wie Salbei, Lavendel, Blauraute oder Johanniskraut, stellte der Landesimkerverband zur Verfügung. Naturmaterial für das Wildbie nenhotel sammelten die Teilnehmer des Workcamps selbst: Stengel von Brombeeren, Holunder, Gräsern in unterschied lichen Durchmessern, Schneckenhäuser, in Baumscheiben haben sie Löcher gebohrt. Der Bauhof der Stadt unterstützt die tatenfreudigen Gäste, wo es geht.

Der Förderverein für den Naturpark hatte den Antrag für das internationale

Jugendcamp gestellt, Imkerverein und Stadt übernahmen die Organisation und legten fest, wo der Einsatz der Jugend lichen am meisten Sinn macht. Dieses

Zusammenwirken entwickle sich immer besser, stellt Rita Klammer erfreut fest. Sie setzt sich dafür ein, alle Aktivitäten in der Region, die der Landschaft mehr Bienenfreundlichkeit bringen, zu vernetzen, findet auch in den Schulen Verbündete. In der Vergangenheit hätten die Menschen Bienen fast nur mit Honig und Wachs in Verbindung gebracht, aber kaum mit der Pflanzenwelt, die dazu gehöre. Wenn dem Ökosystem, der Nahrungskette in der

Natur, ein Glied verloren gehe, breche nach und nach alles andere zusammen, sagt Margot Rossow. "Ein Volk besteht aus 50 000 Bienen", fügt Rita Klammer an, "und jede, die fliegt, braucht 1200 Blüten pro Tag. " Brüel soll deshalb eine blühende Stadt werden. Das brauche Zeit und stoße auch nicht überall auf Verständnis oder gar Mittun. Doch wenn selbst an belebten Straßen blühende Pflanzen wachsen und Bienen dorthin kommen, sei das ein gutes Zeichen. Denn sie würden sehr sensibel reagieren und fortbleiben, wo Auspuff gase störten. Die Naturparkrangerin nickt zustimmend. "Bienen sind ein Indikator für gesunde Umwelt genauso wie etwa der Fischotter."

Die Teilnehmer des Workcamps sind mit Freude bei der Sache. Abends sehen, was mit eigener Hände Arbeit entstanden ist, mache einfach Spaß. Für Jonathan, der in Frankreich als Tischler arbeitet, ist es auch wichtig, mit jungen Leuten zusammenzukommen und Deutschland kennen zu lernen. Anja aus Russland, die Management studiert, möchte der Natur helfen. Und Mini, so die Übersetzung ihres Vornamens aus dem Koreanischen, liebt Deutschland. Die 26-Jährige absolviert bereits ihren dritten Einsatz.

Die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (IJGD), ein 1949 gegründeter gemeinnütziger Verein, organisiert jedes Jahr um die 100 Workcamps in der ganzen Welt, erklärt Milena Nikolaus, Psychologiestudentin in Potsdam. Sie und Markus Reschinski aus Schwäbisch Hall, gelernter Industriemechaniker und zunehmend sozial engagiert, leiten die Gruppe. Sie hatte sich nach einer Teilnahme an so einem Camp vor zwei Jahren darum beworben, erzählt die 21-Jährige. Es sei mehr ein Koordinieren, die Gruppe entscheide gemeinsam, organisiere den Alltag für sich und praktiziere interkulturelles Lernen wie Völkerverständigung ganz lebensnah.

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