Umbau an der Mühle in Warin : Fischtreppe ersetzt marodes Wehr

<fettakgl>Das Wehr an der Wariner Mühle. </fettakgl>Dahinter stürzt das Wasser in die Tiefe. Früher wurde die Wasserkraft genutzt, um die Mühle zu betreiben und auch Strom zu erzeugen.
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Das Wehr an der Wariner Mühle. Dahinter stürzt das Wasser in die Tiefe. Früher wurde die Wasserkraft genutzt, um die Mühle zu betreiben und auch Strom zu erzeugen.

Das Wehr an der Mühle in Warin ist seit Jahren einsturzgefährdet. Nun verschwinden die letzten Hürden für die Meerforelle. Endlich steht die Finanzierung für den Neubau einer Fischtreppe.

svz.de von
21. Januar 2013, 09:43 Uhr

Warin | Die letzten Hürden verschwinden für die Meerforelle, um in Laichgebiete zu gelangen. Von der Ostsee über die Warnow und ihre Nebenflüsse bis in den Neuklostersee könnte der Weg bis Ende nächsten Jahres frei sein. Der Wasser- und Bodenverband Obere Warnow mit Sitz in Warin plant Fischtreppen in Warin und in Tempzin. In den vergangenen Jahren wurden bereits zwei Fischaufstiege in Brüel, einer in Sülten und einer Neumühle gebaut.

Der Umbau des Wehres in Warin wird das größte Einzelprojekt, das der Wasser- und Bodenverband bislang in Angriff genommen hat. Geschäftsführerin Andrea Döring spricht von geschätzten Kosten von 1,35 Millionen Euro. Die Finanzierung steht. Das Gros der Summe fließt über Fördermittel und Zuschüsse von der Europäischen Union, dem Bund und dem Land. Mit zehn Prozent der Summe ist die Stadt Warin im Boot. Bis Ende 2014 ist Zeit, um die Fördermittel einzusetzen.

Seit mehreren Jahren ist bekannt, dass das vor 100 Jahren errichtete Wehr an der Mühle in Warin einsturzgefährdet ist. Darüber gibt es Gutachten, sagt Andrea Döring. "Es hängt an einem seidenen Faden." Die Stauanlage könne, wenn es gut geht, zwar noch 20 Jahre halten. Aber sie könnte ebenso gut beim nächsten Frost zusammenstürzen.

Das war nach Bekanntwerden der Schäden ein Horrorszenarium. Denn der durch das Wehr regulierte Mühlenbach überwindet einen Höhenunterschied von drei Metern. Würde es keinen Rückstau geben, würden sich Unmengen Wasser aus dem Wariner See in den Glammsee ergießen und weiter flussabwärts ausbreiten - so auch in der Stadt Brüel. Der Wariner See würde so weit fallen, dass selbst die Badeanstalt nicht mehr nutzbar wäre.

Um das zu verhindern wurde, ein Notwehr errichtet. Dicke Bohlen wurden unter der Brücke an der Bundesstraße in Warin im Bachlauf verankert und bilden eine zusätzliche Barriere für das Wasser. Diese Notlösung musste zwischenzeitlich teilweise wieder erneuert werden, da sich der Neubau der eigentlichen Anlage mehr und mehr verzögerte. Ein Grund war der Streit mit dem Besitzer der Mühle, der am Bach Strom erzeugte, über Wasserstände und Beteiligung an den Kosten. Es erwies sich: Fischaufstieg und Energiegewinnung passen nicht zusammen. Eine Mediation brachte letztlich den Durchbruch. Der Mühlenbesitzer erklärte sich bereit, zum Ende des Jahres 2011 auf die Energiegewinnung zu verzichten, berichtet Andrea Döring. Damit war der Weg frei für die Investition, für die mittlerweile die Pläne vorliegen.

Es geht um ein anspruchsvolles Projekt: Zum einen weil für den Fischaufstieg besagter Höhenunterschied von rund drei Metern zu überwinden ist. Die Konstruktion muss sowohl beim Winterhoch- funktionieren als auch bei Niedrigwasser. "Das ist ein kleines Kunststück", sagt Andrea Döring. Das Planungsbüro habe viel gerechnet. Jetzt habe man mit dem Anglerverband den Konsens gefunden, dass der Fischaufstieg bei Trockenheit auch 30 Tage im Jahr nicht funktionieren darf.

Das zweite Problem beim Bau ist der Untergrund mit Torf und Moor. Aus diesem Grund müssen bis zu neun Meter hohe Spundwände in den Boden eingebracht werden, die den Wasserlauf links und rechts begrenzen. Eine weitere Herausforderung für die Bauleute ist, dass sie im Untergrund auf etliche Ver- und Entsorgungsleitungen stoßen.

Die Pläne für Warin sehen vor, dass die Fischtreppe ähnlich konstruiert wird wie in Neumühle. Es werden zwischen der Straßenbrücke und dem Glammsee in unterschiedlichen Höhen Riegel aus Feldsteinen montiert. Der Wasserlauf wird gerade im oberen Teil seitlich durch relativ weit aus dem Boden herausragende metallene Wände begrenzt. Um den Anblick zu verschönern, werden diese nach derzeitigen Planungen von außen durch Anpflanzungen begrünt. Damit es bei Hochwasser keine Überschwemmungen gibt, entsteht neben der Fischtreppe ein neues Wehr, das sich öffnen und schließen lässt. Das wird automatisch geregelt entsprechend dem jeweiligen Wasserstand. Ein- oder Aussatzstellen für Wasserwanderer sind nicht vorgesehen.

Für den zweiten noch fehlenden Fischaufstieg in Tempzin steht die Finanzierung derzeit noch nicht.

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