Wasserspiegel des Groß Labenzer Sees gesunken : Fischtreppe bereitet Fischer Sorgen

<fettakgl>Walter Piehl (r.) mit seinem Helfer Erwin Deckert </fettakgl>auf dem Groß Labenzer See. Auf dem Gewässer gibt es keine Probleme beim Fischen. Aber es wird immer schwieriger, mit dem Fischerkahn bis an den Steg zu kommen. <fotos>Fotos: Michael Beitien</fotos>
1 von 2
Walter Piehl (r.) mit seinem Helfer Erwin Deckert auf dem Groß Labenzer See. Auf dem Gewässer gibt es keine Probleme beim Fischen. Aber es wird immer schwieriger, mit dem Fischerkahn bis an den Steg zu kommen. Fotos: Michael Beitien

Der Wasserspiegel des Groß Labenzer Sees ist laut Fischer Walter Piehl um rund einen halben Meter gesunken. Der Fischer, der am Mittwoch auf dem See unterwegs war, kam mit seinem voll beladenen Boot kaum noch an seinen Steg.

svz.de von
11. Juli 2012, 09:58 Uhr

Groß Labenz | Der Wasserspiegel des Groß Labenzer Sees ist laut Fischer Walter Piehl um rund einen halben Meter gesunken. Der Fischer, der gestern mit seinem Helfer Erwin Deckert unterwegs war, um den Fang aus den Reusen zu holen, kommt mit einem voll beladenen Boot kaum noch an seinen Steg. Gestern sprach er auch mit Anliegern einer anderen Steganlage. Demnach gibt es weitere Boote, die nicht mehr schwimmen, sondern auf dem Grund liegen und scheuern. Die Besitzer fragen sich: Wer kommt für den Schaden auf? Auch am Klein Labenzer Badestrand ist das starke Sinken des Wasserspiegels sichtbar. Dort, wo früher die Begrenzungsleine für Nichtschwimmer angebracht war, steht man heute nur noch bis zu den Knien im Wasser. Schwimmmeister Klaus Fröhlich hat reagiert und die Leinen weiter weg vom Ufer gespannt (SVZ berichtete).

Der Fischer vom Labenzer See vermutet Fehler bei der Planung der neuen Fischtreppe, die zu dem Dilemma geführt haben könnten. Am Auslauf des Sees Richtung Radebach gab es früher ein Wehr, mit dem Piehl den Wasserstand regeln konnte. Das wurde vor Monaten durch eine Fischtreppe ersetzt. Sie ist ein Glied, um das Wassersystem entlang der Oberen Warnow für die Fische durchgängig zu machen, so dass diese in ihre Laichgebiete kommen.

Fischer Walter Piehl war mit dem Anliegen einverstanden. Das Ingenieurbüro habe versichert, dass es für ihn keine negativen Begleiterscheinungen gibt. Es kam anders. Sein gepachteter See ist geschrumpft. Damit liegt auch ein Teil des Schilfgürtels trocken, der Laichplatz für Fische und Lebensraum für andere Tiere ist. Piehl hat sich mittlerweile an verschiedene Behörden gewandt und drängt darauf, dass das Manko behoben wird.

Das Ingenieurbüro habe alles so eingestellt wie von der Wasserwirtschaft festgelegt, weiß Volker Brandt, der Chef der Naturparkverwaltung Sternberger Seenlandschaft. Die Wariner Naturpark ranger lesen jede Woche den Pegel am Groß Labenzer See ab, um die Entwicklung genau zu dokumentieren.

Eine Ursache des niedrigen Wasserstands sieht Brandt in der Trockenheit der vergangenen Monate. Im Winter habe es nicht genug geregnet. Dieses Defizit könnten die Sommerniederschläge nicht ausgleichen, zumal auch die Vegetation zu viel Wasser verbraucht. Als generelles Problem bezeichnet Brandt, dass es zu wenig Wasserspeicher in der Landschaft gebe. Wenn es regnet, laufen die Gewässer kurzfristig voll und genau so schnell wieder ab.

Um die Fischtreppe bauen zu können, wurde der Spiegel des Groß Labenzer Sees erheblich abgesenkt, sagt Dr. Roland Finke, Fachdienstleiter Umwelt beim Landkreis Nordwestmecklenburg. "Wir gehen davon aus, dass der See ein Jahr braucht, um sich von der Baumaßnahme zu erholen."

Bei der Planung der Fischtreppe seien die Pegel-Messwerte der letzten zehn Jahre zur Grundlage genommen worden. Danach sei mit dem derzeitigen Stand noch nicht das Minimum des letzten Jahrzehnts erreicht. Wenn man sich vor Ort den Steg des Fischers anschaut, gewinne man aber schon den Eindruck, dass hier etwas nicht stimmt.

Mittlerweile könnte eine Fehlerquelle ausgemacht worden sein. Wie Finke gegenüber SVZ erklärt, wurde der Pegel des Sees in der Vergangenheit um sieben Zentimeter neu justiert. Die Fachleute prüfen derzeit die Auswirkungen. Denn demnach wäre es möglich, dass die Oberkante des Sees beim bisher extremsten Niedrigwasser einmal sieben Zentimeter höher war als bisher angenommen. Jetzt wird genauer analysiert, ob angesichts dieser Tatsache an der Fischtreppe nachgebessert werden muss. Das würde aber lediglich bedeuten, dass ein paar große Steine in den Ablauf gelegt werden müssten, um den Querschnitt des Wasserlaufs zu verringern, sagt Finke.

Eins scheint aber nach Aussagen von Fachleuten vorhersehbar: Nach dem Abriss des Wehres wird der Labenzer See naturnaher und damit mehr denn je den Schwankungen des Wetters unterliegen. Die Fischtreppe muss letztlich genauso bei Niedrig- wie bei Hochwasser funktionieren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen