Sternberg : Fischerfest: Abschied mit Wehmut

Jörg Rettig hat es sich reiflich überlegt: Der kleine Fischereibetrieb schafft so ein Fest nicht länger, und das Niveau sollte nicht sinken.
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Jörg Rettig hat es sich reiflich überlegt: Der kleine Fischereibetrieb schafft so ein Fest nicht länger, und das Niveau sollte nicht sinken.

Der Aufwand ist zu groß für einen kleinen Betrieb. Die tüchtigen Helfer werden immer älter. Für eine Veranstaltung am 1. Mai in Sternberg sorgt künftig der Carnevalclub.

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02. Mai 2017, 21:00 Uhr

Wehmut klang mit, als Jörg Rettig am Nachmittag des 1. Mai verkündete, dass dies nach 23 Jahren das letzte Fischerfest in Sternberg sei. Doch es sei keine spontane Entscheidung, er habe die reiflich überlegt. Der Aufwand sei mit der Zeit enorm gewachsen, und den bewältige der kleine Betrieb neben dem Tagesgeschäft, das sich keineswegs verringert habe, nicht mehr. „Mir ist auch ein Stein vom Herzen gefallen“, bekennt der 52-Jährige. Er sei erleichtert, „dass wir das Fest immer vernünftig geschafft haben, ohne Unfall oder unliebsames Vorkommnis“.

Im Frühjahr habe ein Mitarbeiter aufgehört, so dass die Seenfischerei mit ihm, so Rettig, nur noch aus zweieinhalb Arbeitskräften bestehe. Und die stets zuverlässigen, tüchtigen Helfer wären zum Teil schon zwischen 70 und 80. Für die „legendäre Fischsuppe“, die sein Vater koche, hätten vier, fünf Frauen den ganzen Vortag zu tun, um die Zutaten frisch vorzubereiten. Nicht nur beim Fest selbst sei viel Arbeit nötig, sondern auch vorher und danach. Zudem seien die gesetzlichen Vorschriften alles andere als weniger geworden.

Irgendwie hätte sich das Aus des Fischerfestes in kleinem Kreis herumgesprochen gehabt. Er sei am Vormittag mehrmals gefragt worden, erzählt Rettig. „Alle haben das bedauert. Es ist schön, dass es so ist. Als ich im Gespräch die Gründe dargelegt habe, gab es aber viel Verständnis.“

Alles habe eben seine Zeit, meint der Fischermeister. Das Fest, mit dem er 1994 begonnen habe, als sein Vater Johann-George Rettig noch Chef auf dem Fischereihof war, sei die Neugeburt einer kleinen Maifeier aus DDR-Zeiten gewesen. Die Helfer, die bei verschiedensten Arbeiten des Fischers mit angepackt hatten, seien nach der Mai-Demo eingeladen worden. Beim geselligen Beisammensein, zu dem „um die 25 Leute“ zusammenkamen, sei Aal geräuchert, was getrunken und erzählt worden. Daran erinnert sich auch der alte Fischer gern. Er habe das schon von seinem Vorgänger übernommen und sei über das jetzige Ende des Festes traurig, sagt Johann-George Rettig gegenüber SVZ. In der Wendezeit sei das wie vieles andere eingeschlafen, führt der Sohn den Gedanken weiter. „Als wir 1994 neu angefangen haben, war das wieder ein Frühschoppen bis gegen Mittag mit ein bisschen Akkordeonmusik. Es ging klein los, hat sich aber schnell entwickelt zu einem Fest für den ganzen Tag. Es war immer eine schöne Atmosphäre“, blickt Jörg Rettig zurück. Allen, die bei der Vorbereitung und am 1. Mai geholfen hätten, aus der Familie, Freunde, Bekannte und der eine oder andere Betrieb, gebühre großer Dank.

Nun sei er stolz, dass auch das letzte Fischerfest erneut so viele Menschen angezogen habe und ein erfolgreicher Abschluss gelungen sei. Das Kommen und Gehen über den Tag eingerechnet, könnten es rund 800 Besucher gewesen sein, überschlägt Rettig. Allein am Aalschätzen hätten sich rund 100 beteiligt und diese noch nie so dicht beieinander gelegen. Der größte Räucheraal wog 1440 Gramm. Der Sieger habe nur drei Gramm mehr geschätzt, jemand anders vier und „um die zehn Leute“ hätten das Gewicht des Aals lediglich um zehn bis 20 Gramm verfehlt. Richtig gefreut habe er sich, so Rettig, dass ein Schweriner, der seit dem dritten, vierten Mal jedes Jahr zum Fischerfest gekommen sei, der glückliche Gewinner war.

Frohe Kunde erreicht SVZ gestern Nachmittag telefonisch von Andrea Thiele, Präsidentin des Sternberger Carnevalclubs. Dieser sorgt künftig für eine bunte Veranstaltung am 1. Mai in der Stadt.

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