Sternberg : Fischer schippert mit Landratten

bootsfahrt in sternberg mit fischer foto michael beitien
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Jörg und Johann-George Rettig bringen Einheimische und Touristen mit dem Fischerkahn von Sternberg nach Groß Raden

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25. Juli 2018, 20:30 Uhr

Es ist ein besonderes Erlebnis, Sternberg vom Wasser aus zu sehen. Jörg Rettig und sein Vater Johann-George bringen Einheimische und Gäste mit dem Fischerkahn über den Sternberger See und durch den Hechtgraben bis nach Groß Raden und dabei den „Landratten“ die Natur ein Stück näher. Der Andrang zu den Touren ist im Hochsommer groß, so in dieser Woche bei Hitze und spiegelglatter See.

„Ich bin gespannt, ob ich seekrank werde“, scherzt Elli Zielke aus Bolz. Zusammen mit ihrem Mann Willfried und Dieter Urbaneck, einem Gast aus Nordrhein-Westfalen, steigt sie in den Fischerkahn. Wolfgang Bodewein macht die Tour nicht zum ersten Mal. Er ist angetan von der Landschaft. „Kinder wollen was erleben“, sagt Gudrun Krüper aus Hagenow, die mit Enkelin Stine und ihrem Lebensgefährten Horst Dethlof an Bord geht. Die Hagenower machen zum wiederholten Mal in Sternberg Urlaub und freuen sich über die Natur und die Umgebung mit vielen Erlebnismöglichkeiten. Bernd Kienappel aus Warnow berichtet, dass er regelmäßig um den See läuft. Jetzt wolle er die Natur einmal vom Wasser aus erleben. Er kennt den Kapitän des Bootes Jörg Rettig. Bernd Kienappel arbeitet in der Fischfabrik in Schwaan, aus der der Sternberger Fischer Konserven bezieht.

Schon vor der Wende waren Schülerklassen und Gruppen aus Betrieben mit dem Fischer auf den See gefahren, erzählt Johann- George Rettig. Später gab es offizielle Touren. Der Fischer kaufte eigens zwei Zugnetzkäne. Die hölzernen Kähne können nicht untergehen, versichert der Senior. Ursprünglich waren sie für Fischer auf Poel gedacht, aber für deren gedachte Arbeit offensichtlich zu schwer. Später gingen sie an Berufskollegen auf dem Schweriner See, denen die Kähne auch zu groß waren. Viele Jahre lagen sie an Land. Der Sternberger Fischer erwarb sie, baute Bänke ein und nutzt die Boote seitdem für die Überfahrten über den See.

Anfangs fuhren die Fischerboote nur auf Bestellung mit Gästen. Mittlerweile legen sie aber in der warmen Jahreszeit jeden Dienstag zweimal in Sternberg und zweimal in Groß Raden ab, um Individualtouristen an Bord zu nehmen. Der Kahn, mit dem in früheren Jahren die Landratten über den See schipperten, wird heute an eins der Boote angehängt, um Fahrräder zu transportieren. Und auch den einen oder anderen, der in den größeren Kähnen keinen Platz findet.

Es gab schon Tage in diesem Sommer, da hätte sich Jörg Rettig gewünscht, dass nicht so viele Menschen mitfahren wollen. Denn zu hoher Tiefgang ist nicht gut. Der Wasserstand des Sees fällt durch die lange Trockenheit. Der Hechtgraben ist bei Niedrigwasser die schwierige Stelle. Der ist sehr morastig. So kommt es vor, dass die Motorkühlung nicht mehr funktioniert. Kürzlich musste wieder ein Kahn von dem anderen in Schlepptau genommen werden, weil der Motor streikte.

Bei Anfragen zu Klassenfahrten oder von Geburtstagsgesellschaften empfiehlt die Tourist-Info auch Fahrten mit dem Fischerkahn, sagt Leiter Martin Bouvier. Busgesellschaften, die Gäste ins Freilichtmuseum nach Groß Raden bringen wollen, sind dankbar für den Tipp, dass die Reisenden auf dem Rückweg eine Bootsfahrt buchen und dann in Sternberg wieder in den Bus einsteigen können.

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