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Ärger am Groß Labenzer See : Fischer schimpft: Pfusch-Fischtreppe

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Die 2012 eingeweihte Fischtreppe vom Groß Labenzer See in den Radebach sorgt weiter für Diskussionen. Für den Alt Schlagsdorfer Fischer und Pächter Walter Piehl ist es „Pfusch, eine Katastrophe!“

svz.de von
erstellt am 11.Apr.2013 | 07:12 Uhr

Klein Labenz/Görslow | Ortstermin mit Fischer Walter Piehl aus Alt Schlagsdorf am Groß Labenzer See. "Das hier ist keine Fischtreppe, sondern eine Katastrophe - eine Ansammlung von Steinen. Hier ist viel Geld verbaut worden für wenig Kreatives", wettert der regionbekannte Mann mit dem markanten Rauschebart am Auslauf des Sees Richtung Radebach stehend. Piehl bewirtschaftet seit 20 Jahren den 261 Hektar großen See, in dem "es bis auf Zander und Störe alle Fischarten gibt". Für den Bau der Fischtreppe, die vergangenen Sommer übergeben wurde, sei, so Piehl, "der Wasserspiegel des Sees um etwa 50 Zentimeter gesunken". Eine Absenkung bestätigte Dr. Ing. Roland Finke, Fachdienstleiter Umwelt des Landkreises Nordwestmecklenburg. Ziel sei es jedoch, innerhalb eines Jahres den Normalzustand wieder herzustellen (SVZ berichtete).

Was bei der Labenzer Fischtreppe schief gelaufen ist durch die Landgesellschaft Greifswald als Projektträger, kleidet Finke in die Worte: "Die Solschwelle wurde relativ großzügig berechnet und noch großzügiger ausgeführt." Piehl sagt dazu einfach - "Pfusch!"

"Ich dachte, es wäre schon geklärt", so Finke und verkündet dann, er wolle das Thema "so schnell wie möglich vom Tisch haben". Gleiches ist auch Piehls Intension ("Ich lasse nicht locker, bis es erledigt ist."), gleichwohl aus anderem Grund. Er und sein vor Ort in Klein Labenz wohnender Mitarbeiter Erwin Deckert wollen vor allem eines - mit ihrem Fischerboot problemlos an den Steg herankommen. Vergangenen Herbst war plötzlich ein Meter davor Schluss. "Was meinen Sie, was das dann für eine Plackerei für uns ist", schimpft Deckert. Und da er schon mal in Fahrt ist, geht er ein ganz heißes Eisen der Region an: "Hinter den Bibern sind sie doller her als hinter uns Menschen!"

In der Tat fühlen sich die vor einigen Jahren angesiedelten, streng geschützten Nager inzwischen bis hoch nach Blankenberg sehr wohl. Für die das Wassersystem der Oberen Warnow nutzenden Fische hingegen werden die Biberburgen im Radebach zunehmend zum Problem. "Aale können diese passieren, Forellen, Barsche, Hechte und Plötzen aber nicht", sagt Piehl.

Zudem war die Fischtreppe im Herbst durch die falsch projektierte Solschwelle plötzlich wie trockengelegt. Da schlug der Landesangelverband (LAV) mit Sitz in Görslow bei Schwerin Alarm und veranlasste, dass seitdem ein Plasterohr für Wasserzufuhr sorgt. "Der Radebach, deren Pächter wird sind, ist einer der wichtigsten Laichgebiete in der Region für das ebenfalls geschützte Neunauge sowie für die Bach- und Meerforellen", erläutert der stellvertretende LAV-Geschäftsführer Mario Voigt. Die Neunaugen laichen im April, die Forellen im November. "Normalerweise finden wir hier ein Dutzend Forellen-Laichgruben, 2012 war es eine einzige im Dezember. Im Grunde genommen also ein kompletter Ausfall. Und die Larven des Neunauges entwickeln sich über ein paar Jahre im nassen Sand. Hoffentlich ist das Ökosystem nicht zerstört worden", so Voigt. Aus seiner Sicht müsse die eine oder andere Biberburg vor allem in Höhe Bahndamm Blankenberg beseitigt werden. Dafür sei Voigt schon mal ganz schön angegriffen worden. Biberschutz kollidiert hier offensichtlich mit dem des ebenfalls zu schützenden Neunauge. "Doch dieses", so Voigt, "habe eben nicht so schöne kugelrunde Augen und so ein schönes Fell wie der Biber." Was die Fischtreppe betrifft, so zweifelt der LAV-Mann deren Machbarkeit an der Stelle an: "Sie muss 330 Tage im Jahr funktionieren. Das glaube ich nicht, wenn ich mir das Einzugsgebiet des Labenzer Sees ansehe". Ansonsten sei diese Fischtreppe - und da widerspricht er Fischer Piehl - gemäß dem natürlichen, so genannten Solgleiten richtig gebaut. Sie müsse nur höher und länger gezogen und der nachträglich eingebrachte Erdwall sofort entfernt werden. Bei einer exakt gebauten Fischtreppe schwämmen die "schwimmstarken Fische wie die Forelle mittig in der stärkeren Strömung, die schwimmschwachen wie Neunauge, Plötz oder Barsch hingegen an den Rändern", erläutert der Experte.

Wie es mit der Problem-Fischtreppe und dem dazu nötigen Pegel des Groß Labenzer Sees nun weitergeht, dazu wurde Mitte März ein "wasserrechtliches Verfahren" eröffnet.

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