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Mehrere Kurzschlüsse an einem Tag in Sternberg : Fischadler legen Stromnetz lahm

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Ein Fischadlerpaar hat beim Nestbau bei Dabel das Stromnetz von Sternberg lahm gelegt. Die Greifvögel warfen Äste in die Freileitung. In kurzen Abständen ging am Montagnachmittag nicht nur bei der Polizei das Licht aus.

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erstellt am 12.Apr.2011 | 06:58 Uhr

Sternberg | Sie wollten sich nur ihr Nest bauen und legten halb Sternberg lahm: Fischadler sorgten am Montag für mehrere Stromunterbrechungen.

"Es scheint, als tritt jemand immer wieder auf die Leitung", so ein Sternberger Polizist. In kurzen Abständen ging am Montagnachmittag nicht nur im Revier das Licht aus. In Büros in der Sternberger Innenstadt stürzten mehrmals hintereinander Computer ab. Gesprächspartner wurden getrennt, weil Telefonanlagen ausfielen. Ein Bürger wartete auf eine dringende Nachricht von Bürgermeister Jochen Quandt, der zeitweise keine E-Mails mehr verschicken konnte. Eine Sternbergerin musste ohne Benzin an einer Tankstelle umkehren, weil das Kassensystem zusammengestürzt war...

Schuld am Stromausfall war ein Fischadlerpaar, das sich auf einem Abzweigmast an der Putenfarm in Dabel ein Nest baut, erklärte gestern Jan Koppelmann, Vogelschutzbeauftragter des Energieversorgers Wemag. Die Seeadler haben Äste auf die Freileitung geworfen. Es kam zum Überschlag. Monteure mussten einen Ast wieder aus der Leitung holen. Die Wemag-Mitarbeiter beobachten immer wieder, wie die Fischadler ihr Baumaterial aus zwei, drei Metern Höhe fallen lassen. Dabei landen etliche Zweige neben dem Horst und hängen in den Leitungen.

"Die Fischadler bauen immer auf dem höchsten Punkt", sagt Wolfgang Köhler, der Experte für diese Greifvögel in Mecklenburg-Vorpommern. Früher war das immer ganz oben auf den Bäumen.

In den 1930er-Jahren haben die Adler die Strommasten als Horststandorte entdeckt. Auf diesen Masten brüten mittlerweile 80 Prozent aller Fischadler. Allein auf den Masten der Wemag sind es ca. 40 Paare. Viele davon haben ihren Horst auf 110-KV-Leitungen. Da gibt es keine Probleme, wie Experte Köhler sagt. Anders bei den 20-KV-Leitungen, wo die Abstände der Bauelemente geringer ist. Lange Äste können die Leitungen berühren und Kurzschlüsse auslösen.

Zwischenzeitlich wurden vielerorts Horstkörbe installiert, um ein Herunterfallen von Ästen zu verhindern. Die Wemag ist zudem bestrebt, die Fischadler weg zu bekommen von vielen Strommasten. Auf ihnen werden Andreas-Kreuze montiert, die verhindern, dass sich die Greifvögel niederlassen.

Als Alternative werden für die Adler separate Masten mit Nisthilfen aufgebaut. Das hat auch den Vorteil, dass die Stromabschaltungen bei der alljährlichen Beringung der Jungvögel unterbleiben. "In fünf Fällen haben wir das probiert", erklärt Koppelmann. In vier davon wurden die neuen Masten von den Fischadlern angenommen. Eine gute Lösung, meint er, für die Sicherheit der Tiere und für die Versorgung der Stromkunden. Geprüft wird, ob sich eine solche Möglichkeit in Dabel findet.

Standorte sind nicht so einfach zu finden, wie Köhler sagt. Mit dem Mast müssen die Landwirte zurecht kommen, die ihre Flächen bewirtschaften. Der Fischadler muss den Horst annehmen und die Vogelschützer müssen zur Beringung mit einem Hubsteiger herankommen.

Die Probleme an den Strommasten konzentrieren sich auf das Frühjahr. Die Fischadler kehren Ende März/Anfang April aus Westafrika zurück und bauen ihre Horste aus oder auch völlig neu. Schäden, die durch Winter und Sturm entstanden sind, werden repariert. Mitte April beginnen die Seeadler mit dem Brüten.

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