Ventschow : Firmenchef per Plakat gesucht

Nachfolgersuche per Plakat auf Zaun des Firmengeländes von „Stender Bautechnik“ an der Landesstraße 101 in Ventschow.
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Nachfolgersuche per Plakat auf Zaun des Firmengeländes von „Stender Bautechnik“ an der Landesstraße 101 in Ventschow.

Mit nichtalltäglicher Aktion versucht der Ventschower Unternehmer Klaus-Dieter Stender einen Nachfolger zu finden

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22. Februar 2018, 05:00 Uhr

Fast am Ventschower Ortsausgang auf der Landesstraße 101 in Richtung Cambs sticht das gelbe Banner am Zaun der „Stender Bautechnik“ sofort ins Auge. „Nachfolger gesucht“ plus die Handy-Nummer von Firmeninhaber Klaus-Dieter Stender stehen darauf. Eine wirklich ungewöhnliche Aktion, um einen Betriebsnachfolger zu finden. Mit seiner Bautechnik bietet er Dienstleistungen unterschiedlichster Art für Firmen und Privatleute etwa in Sachen Hausbau, Pflasterung, Gehweg an, „oder wenn einer ein Loch in die Wand bohren will oder einen Kaminanschluss in der Wand braucht“, erläutert Stender.

Bei seiner Plakataktion handelt es sich „um eine dritte Variante, einen Nachfolger für die Firma zu finden“, sagt der 62-Jährige gegenüber SVZ. Der Werkstattchef eines Mercedes-Autohauses in Westmecklenburg habe ihn daraufhin kontaktiert, nachdem er am Plakat vorbei gefahren war. Ausgang offen…

„Für die Region wäre es schön, wenn ein Neuer es weiterführt, aber das ist nicht ganz einfach“, bekennt Stender. Seit 1958 wohnt er bereits in Ventschow und hat sich gleich nach der Wende selbstständig gemacht.

In der Hochzeit seines Unternehmens hatte Klaus-Dieter Stender sechs Mitarbeiter; seit vergangenem Herbst arbeitet er allein. „Ich habe noch zwei Leute auf Zuverdienstbasis.“

Für seine Firma sucht er seit „drei Jahren nach einen Nachfolger, in den vergangenen Monaten intensiver“. Dabei bedient er sich vor allem des Internets. Seit einem halben Jahr ist er unter www.ohnemaklernet.de vertreten. Und auch bei immocsout24.de hat er „unter der Rubrik ,Gewerbegebiete MV‘ ein Video plus Bilder, darunter auch eine Luftbildaufnahme reingestellt“.

Auch die „Invest in Mecklenburg-Vorpommern GmbH“ mit Sitz in Schwerin ist mit involviert bei Stenders Nachfolgesuche. „Die haben mir einen Inder angeschleppt. Der wollte hier Durchlauferhitzer aus vorgefertigten Teilen zusammenbauen. Allerdings die Halle nicht kaufen, sondern nur mieten.“

Der in Aussicht gestellte Mietpreis entsprach aber nun gar nicht den Vorstellungen des Mecklenburgers. „Auch ein Engländer war schon da. Der wollte hier Lithium-Batterien produzieren, allerdings erst einmal den Brexit abwarten.“ Ansonsten hätten sich Leute gemeldet, die man in Stenders Augen „gleich vergessen“ konnte.

Klaus-Dieter Stender studierte zu DDR-Zeiten Schiffbau und arbeitete dann auf der Wismarer Werft als Rationalisierungsingenieur. „1971 hatte ich in Wismar eine Wohnungsantrag gestellt und nach zehn Jahren Wartezeit dann 1981 nachgefragt. Da hieß es noch sechs weitere Jahre. Man wollte keinen vom Land in die Stadt ziehen lassen“, so Stender. Also ging er als Hauptmechaniker ins Betonwerk Ventschow. „Bis zur Wende. Dann sagte ich mir: Mit Bohrtechnik und Stemmgeräten kennst du dich aus.“ Also machte er sich selbstständig, stellte zuerst auf dem Acker – hier stand grüner Roggen – eine Teleskopblechhalle hin. 1996 entstand dann die jetzige Gewerbehalle mit 720 Quadratmetern, das Firmengrundstück beträgt insgesamt 7000 Quadratmeter. Auf der Halle hat Stender noch zwei Wohnungen gebaut, eine für sich und die andere vermietet.

„Das Objekt soll meine Rentengrundlage sein, darum will ich es auch lieber gerne verkaufen als vermieten. Als Selbstständiger hat man keine große Vorsorge getroffen.“

Mit 63 will er in Rente gehen. Das Datum ist schon am 30. Mai dieses Jahres, da muss es mit der Nachfolge bald klappen…

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