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Dorfkirche Ruchow : Findling erinnert an Opfer von Flucht und Vertreibung nach 1945

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Durch Krankheit, Hunger oder Heimweh Verstorbene wurden auf dem Ruchower Friedhof begraben. Hinterbliebene fragen nach einem Ort zum Trauern.

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erstellt am 16.Apr.2016 | 12:00 Uhr

Der mächtige Findling liegt seit dem vorigen Herbst neben der Ruchower Dorfkirche. Er soll an die Flüchtlinge erinnern, die zwischen 1945 und 1947 durch Krankheit, Hunger oder Heimweh starben und dort auf dem Friedhof ihre letzte Ruhe fanden.

Das hatte Stefanie von Laer vom Förderverein „Historische Orgel zu Ruchow“ in dem von ihr gestalteten Gottesdienst zu Heiligabend angekündigt. Zuvor sei über ein Jahr lang für die Restaurierung des Richborn-Positivs aus dem 17. Jahrhundert, der ältesten Orgel in Mecklenburg, gesammelt worden und nun solle eine würdige Stätte für die in der Nachkriegszeit Verstorbenen geschaffen werden. Sie seien linker Hand auf dem Friedhofsgelände begraben worden, aber auch außerhalb der Mauern, wie sich herausgestellt habe. „Es kommen Hinterbliebene und fragen, wo sich die Ruhestätte ihrer Eltern oder Großeltern befindet und sie trauern können“, erzählt Stefanie von Laer.
Besonders bewegend sei für sie die Begegnung mit einer Frau gewesen, die als Kind das Martyrium mit ihrer Mutter durchgemacht hatte, die verstarb.

Die meisten Flüchtlinge seien im Gutshaus in Tieplitz untergebracht gewesen, das einst im Besitz der Grafen von Schaumburg-Lippe war und 1937 von den Vorfahren ihres heutigen Mannes übernommen wurde. Nach der Wende erwarb Justus von Laer das Herrenhaus zurück, ließ es umfangreich renovieren und abgerissene Gebäudeteile wieder aufbauen, so dass sich das Gutshaus etwa wieder wie vor 100 Jahren präsentiert.

Im Kirchenbuch von Ruchow, früher Patronatskirche für Tieplitz und Bolz, stehe das Taufdatum ihres Mannes; das verbinde zusätzlich, sagt Stefanie von Laer zu ihrem großen Engagement für die Kirche und die Restaurierung der historischen Orgel, die am 4. Juni festlich gesegnet wird. Bis dahin soll auch der Findling beschriftet sein: Wir denken an die hier ruhenden Opfer von Flucht und Vertreibung 1945-1947. Sie starben an Typhus, Hunger und Heimweh.

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