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Schlimmer Verdacht bei der Freiwilligen Feuerwehr Witzin : Feuer unterm Dach der Brandschützer

vom

Die stellvertretende Wehrführerin, die inzwischen von diesem Amt sowie als Gemeindevertreterin und 2. stellvertretende Bürgermeisterin zurückgetreten ist, soll das Konto für die Kameradschaftskasse leergeräumt haben.

svz.de von
erstellt am 07.Mär.2012 | 06:21 Uhr

Witzin | Es wurde eines der häufigsten Gesprächsthemen im Dorf, Gerüchte schossen ins Kraut - die stellvertretende Wehrführerin in Witzin soll sich an der Kameradschaftskasse vergriffen, das Konto der freiwilligen Feuerwehr (FFw) leergeräumt haben. Auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung gab es kein Dementi, eher eine indirekte Bestätigung. Die Feuerwehr untersuche die Vorwürfe, hieß es da nur. Sie werde zu gegebener Zeit, wenn Ergebnisse vorliegen, darüber informieren, in welcher Form, blieb allerdings offen. Das sei eine interne Angelegenheit der Brandschützer, da es sich allein um

deren Geld handele. Die beschuldigte Witzinerin hatte bis zu dem Tag sämt liche Ehrenämter niedergelegt, auch als Gemeindevertreterin und 2. stellvertretende Bürgermeisterin.

Jetzt hat die FFw Witzin Anzeige bei der Kriminal polizei in Sternberg erstattet, wie SVZ auf Nachfrage von Wehrführer Edwin Schmied erfuhr. Einzelheiten wolle er "nach Rücksprache mit den Kameraden" nicht nennen, auch keine Schadenssumme oder mögliche personelle Konsequenzen bei den Blauröcken. Schmied verweist auf die Wahlen in der Wit ziner Feuerwehr, die Mitte März anstünden. Die Kripo Sternberg ermittelt nun wegen des Verdachts der Unterschlagung, wurde unserer Zeitung gestern auf Anfrage bestätigt.

In Witzin ist hinter vorgehaltener Hand von 15 000 Euro Fehlbetrag die Rede. Bestätigt hat diese Summe bislang niemand. Auf der öffentlichen Sitzung der Gemeindevertretung gab es auch auf hart näckiges Nachfragen keinerlei konkrete Antworten, es blieb bei dem Hinweis, dass dies eine interne Sache der Feuerwehr sei. Selbst jene, die sich darauf beriefen, dass bei einem Griff in die Kameradschaftskasse öffentliche Gelder, gemeint sind jährliche Zuschüsse von der Gemeinde, veruntreut worden seien und die Öffentlichkeit daher das Recht habe, über deren Verbleib Auskunft zu erhalten, kamen nicht weiter. Die Gemeinde zahle im Jahr lediglich 500 Euro an die Feuerwehr, und

weder die müsse darüber Rechenschaft ablegen, noch haben Bürgermeister oder Gemeinderat eine Aufsichtspflicht. Das meiste Geld auf dem nun

offenbar abgeräumten Konto hätten die Brandschützer selbst erwirtschaftet, zum Beispiel mit dem Verkauf von kleinen Speisen und Getränken bei Festlichkeiten im Dorf. Da gegenüber dieser Summe die 500 Euro Zuschuss von der Gemeinde anscheinend nur einen

geringen Anteil in der Kameradschaftskasse ausmachten, lässt sich erahnen, dass nicht nur Taschengeld wie aus

einer Portokasse, sondern ein durchaus

ansehnlicher Betrag abgeschöpft worden sein könnte. Ob es sich tatsächlich um die genannten 15 000 Euro handelt, bleibt Spekulation.

In der emotionalen Debatte auf der Gemeindevertretersitzung hatte sich Wehrführer Edwin Schmied ein Herz gefasst und offen bekundet: "Ich bin Schuld an der Sache." Denn er habe seiner Stellvertreterin zu sehr vertraut. Als sie 2008 die Kameradschaftskasse übernommen habe, sei anfangs noch kontrolliert worden, später nicht mehr,

weil "volles Vertrauen" bestand, sagte Schmied in dieser Woche auf SVZ-

Anfrage.

Üblich ist auf Jahreshauptversammlungen der freiwilligen Feuerwehren nach Offenlegung der Einnahmen und Ausgaben durch den Kassenwart auch ein Kassenprüfungsbericht seitens

zuvor bestimmter Kameraden. Darauf dürften sich, so ist anzunehmen, auch die Witziner Feuerwehrleute bei ihrer anstehenden Wahl in diesem Monat

besinnen.

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