Rothener Mühle : Feinsinniger Wort- und Spielwitz

Der König von Makronien und sein treuer Kammerdiener Zwickel in Marta Olejkos Puppenspiel „Prinzessin gesucht, heiraten nicht ausgeschlossen“.  Fotos: Roland Güttler
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Der König von Makronien und sein treuer Kammerdiener Zwickel in Marta Olejkos Puppenspiel „Prinzessin gesucht, heiraten nicht ausgeschlossen“. Fotos: Roland Güttler

Eröffnungsabend der 20. Wintergalerie: Puppenspielerin Marta Olejko glänzte mit auf den Punkt gebrachter Lebendigkeit und Stimme.

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08. Dezember 2014, 10:27 Uhr

„Ich komme aus Schwerin. Da gibt es ein Schloss, darin wohnt der König von Schwerin, das wissen alle – der heißt Erwin übrigens.“ So stimmte Marta Olejko die gut 30 Gäste beim Eröffnungsabend der 20. Wintergalerie in Rothener Mühle aufs folgende Puppenspiel ein.

Puppen-Theater und Wintergalerie gehören seit zwei Jahrzehnten untrennbar zusammen. „Wir sind große Freunde davon“, hatte Tine Schröter im Vorfeld gegenüber SVZ kund getan. Am Samstagabend fehlte sie dann aber leider erkrankt; ihr Mann Wolf, auch stark verschnupft, begrüßte allein die Gaste. Ohne Handschlag freilich.

So verpasste Tine Schröter einen künstlerischen Hochgenuss. Die 1967 in Bergen auf Rügen geborene Marta Olejko hatte das Puppenspiel „Prinzessin gesucht, heiraten nicht ausgeschlossen“ mitgebracht. Ein ziemlich sperriger Titel, wie sie zugab. „Es fußt auf einer Geschichte von Richard Volkmann-Leander. Der war Arzt im 1. Weltkrieg, schrieb Briefe in Märchenform von der Front nach Hause. Der Originaltitel ist noch viel sperriger“, so Olejko. Und in der Tat. Bei Volkmann-Leander lautet diese Geschichte: „Von der Königin, die keine Pfeffernüsse backen, und dem König, der nicht das Brummeisen spielen konnte“.

Olejko hat dies für die Puppenspiel-Bühne umgearbeitet. Ein Schloss in der Landeshauptstadt ist da. Und wenn man dann noch verkündet, dass Schwerin einst Makronien hieß, kann es losgehen mit dem König von Makronien auf der Suche nach einer Prinzessin. Der einsame Monarch, der eines über alles liebt, sucht aber nicht irgendeine, sondern die, die klug und hübsch ist, vor allem aber eines kann – Pfeffernüsse backen. Es ist im Märchen wie im richtigen Leben – die Rechte muss es eben sein. Die „Prinzessin von Akademien“ (Pi-Zahl als Telefon-Nummer) ist klug aber hässlich. Bei der „Prinzessin von Beauty Belanien“ sagt deren Tel.-Nr. bereits alles – 0815. Bleibt noch die „Prinzessin von Melodien“. Doch die will nur den als Mann, der das Brummeisen spielen kann. Am Ende lernt der König das Instrument spielen und die Prinzessin die von ihm so heiß geliebten Pfeffernüsse backen. Märchen machen’s möglich. Dem Glück stand nichts mehr im Wege.

Glücklich und zufrieden verließen auch die Gäste diesen Puppenspiel-Abend. „Das war so lebendig gespielt, einfach total lebendig“, war Anke Fleischer aus Sagsdorf regelrecht begeistert von ihrer Wintergalerie-Premiere. Zudem gefalle ihr „der Ausstellungsmix“. Monika und Jörn Haase aus Weitendorf hingegen sind bereits Stammgäste: „Wir kommen immer wieder gerne her. Es ist einfach schön hier“, so Jörn. Die Holzendorferin Ulrike Diederichs war zudem angetan vom Ambiente in Schröters Werkstattgalerie: „Unten kann man sich hinsetzen, und oben dann tritt Ruhe ein. Eine schöne Idee.“

Einige Samstags-Gäste zeigten sich überrascht, dass die Puppenspielerin auch die Malerin Marta Olejko ist. Ja, sie ist seit 1994 zudem auch als Instrumental-Lehrerin an der Musik- u. Kunstschule Ataraxia Schwerin tätig.

Neben einer Auswahl von Olejkos Bildern sind in Rothener Mühle von insgesamt einem Dutzend Künstlern Grafiken, Steinköpfe, Porzellan, Schmuck, Glas, Scherenschnitte, Mode sowie Möbel und Körbe zu sehen und zu erwerben. Die 20. Wintergalerie öffnet nochmals am kommenden Wochenende jeweils von 12 bis 18 Uhr.

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