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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 03:07 Uhr

Groß Raden : Faszination Wikinger

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Vortrag von Dr. Jochen von Fircks über die Schiffe der berühmten Nordmänner.

von
erstellt am 15.Jan.2015 | 18:02 Uhr

Um die Wikinger und deren Schiffbau im Besonderen ging es am Mittwochabend im Rahmen der Wintervortragsreihe des Archäologischen Freilichtmuseums Groß Raden. Zur Begrüßung von Dr. Jochen von Fircks, dessen Buch „Wikingerschiffe“ im Hinstorff-Verlag erschien, meinte Landesarchäologe Dr. Detlef Jantzen: „Die Wikinger haben was Faszinierendes. Was ihre völkerrechtliche Tätigkeit betrifft, so würde man sie heute in der Rubrik Terroristen einordnen. Es ist schon erstaunlich, dass sie bis heute so einen guten Ruf haben angesichts, was sie in Europa zerstört haben, auch Kulturgüter.“

In Skandinavien und Großbritannien wird die Wikinger-Zeit vom Jahr 793 an (Überfall Kloster Lindisfarne) bis 1066 (Schlacht bei Hastings) datiert. Mit heutigen Maßstäben wird man der Zeit von vor über 1000 Jahren freilich nicht gerecht – und auch Jantzens Einleitungsworte waren, historisch gesehen, nicht wirklich ernst gemeint…

Die Faszination Wikinger – sie stellte sich indes unter den erneut zahlreichen Besuchern beim Vortrag des Rostockers Dr. von Fircks schnell ein. Die Taten der rauen Nordmänner, die der französischen Normandie ihren Namen gaben, sind nicht nur durch berühmte Sagas überliefert.

Die Wikinger waren beileibe nicht nur Krieger, sondern auch Händler. Deren Orte sind – nachweislich – entlang der Ostsee u.a. in Reric (nicht zu verwechseln mit der Stadt Rerik – d. Red.) bei Groß Strömkendorf, Ralswiek auf Rügen sowie in Danzig und dem seit bereits 4000 Jahren besiedelten alten Ort Truso bei Elbing im heutigen Polen zu finden. „Die wichtigsten Handelsrouten gingen seinerzeit über die Flüsse, über Land war es viel zu beschwerlich und gefährlich, so Dr. Jochen von Fircks. Ein Gräberfeld am Unterlauf des Dnepr umfasse 5000 skandinavische Grabhügel. Bisher konnte da aber kein Wikinger-Wrack gefunden werden.

Anders verhält es sich z. B. bei Roskilde in Dänemark, wo gleich fünf Skuldeler-Wracks entdeckt wurden. Mit ihren sechs Ruderplätzen waren diese Boote aber nicht hochseetauglich. Dafür hatten die Nordmänner andere Schiffe mit Rahsegel. Dass Leif Eriksson im Jahr 1000 bis nach Neufundland kam, belegen Funde in L’Anse aux Meadows. Die Wikinger fuhren westwärts oberhalb zwischen dem 60. und 65. Breitengrad. Als Orientierung dürften nicht nur hohe Küstenlinien gedient haben, sondern „auch der Sonnenaufgang und -untergänge“.

Der Buchautor brachte beim Groß Radener Vortrag auch einen Sonnenkompass als mögliche Navigationshilfe ins Gespräch. Eine Hälfte davon wurde auf Grönland gefunden. „Mit einer Skala drauf. Und die ist bisher nie diskutiert und beachtet worden“, so Dr. von Fircks. Er vermutet, dass „die Scheibe mit einem höhenverstellbaren Gnomen versehen war. Die sind nicht einfach blind umhergefahren!“ Nach den Sternen konnten sie sich – anders als etwa die Polynesier – am 60. Breitengrad (Stichwort Mittsommernacht) freilich nicht orientieren.

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