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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

25. November 2017 | 08:57 Uhr

Sternberger Seenland : Fastenzeit spaltet die Gemüter

vom

Mit vollem Einkaufswagen geht es zum Auto auf dem Parkplatz; das Wochenende kann kommen. Fastenzeit? Die jüngere Frau vor dem Discounter in Sternberg hebt kurz die Schultern - und packt ungerührt weiter um.

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erstellt am 11.Mär.2011 | 08:21 Uhr

Sternberg | Mit vollem Einkaufswagen geht es zum Auto auf dem Parkplatz; das Wochenende kann kommen. Fastenzeit von Aschermittwoch bis zum Ostersonnabend? Die jüngere Frau vor dem Discounter in Sternberg hebt kurz die Schultern - und packt ungerührt weiter um. Kurz aufschauend sagt sie dann doch: "Ich halte nichts von der Fastenzeit. Aber das muss jeder für sich entscheiden. Und da ich auch sonst keinen Alkohol trinke, würde das bei mir schon mal wegfallen." Die Frau hat es eilig, ist "auf dem Weg zur Arbeit". Ihren Namen will sie nicht nennen, auch nicht, woher sie kommt.

Auch Bernd Sawatzki aus Schönlage kümmert das Fasten nicht. "Wer das machen will, soll es", meint er kurz und bündig. Aber: "Ich versuche ständig, gesund zu essen - wenig Fleisch und Fett, dafür viel Gemüse und Vollkornbrot. In etwa anderthalb Jahren habe ich dadurch über 15 Kilogramm abgenommen und fühle mich viel wohler. Und jetzt halte ich mein Gewicht." Einen besonderen Anstoß habe er nicht gebraucht, sondern "einfach so" damit begonnen.

Anita Stunek und Ute Graczyk aus Wamckow sind gemeinsam zum Einkaufen gefahren. "Kolleginnen von mir fasten jedes Jahr eine Woche, und das ziemlich streng. Alle Achtung, dass sie den Willen dazu aufbringen und das durchhalten. Sonntag geht es wieder los", erzählt Anita Stunek. "Ich finde es gut, aber für mich wäre das nichts. Obwohl ich sicher auch Gründe hätte", fügt die Wamckowerin lachend hinzu.

Er habe den Winter über zugenommen, wieder einmal, bekennt Jan Markowski, Präsident des Sternberger Carneval Clubs (SCC). Das bedeutet für ihn, mehr Sport zu treiben. Doch um sich das vorzunehmen, brauche er keine Fastenzeit. Demnächst beginne die neue Drachenbootsaison, und dann werde tüchtig geschwitzt. Mehrere aus dem Faschingsklub sitzen mit Sportlern aus Pastin im Boot der "Sternberger Pastinetten".

Außerdem treffe nicht zu, dass das närrische Treiben mit Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch vorbei sei. "Für uns steht Sonnabend das Männerballett an", sagt der SCC-Präsident schmunzelnd.

Sich vornehmen, auf etwas zu verzichten und das dann auch konsequent durchzuziehen, findet Monika Weiske, Filialleiterin der Sternberger Sertürner-Apotheke, "richtig gut", und das keineswegs nur in Bezug auf das Abnehmen. "Wenn jemand in dieser Zeit über sich und sein Leben nachdenkt, wirkt sich das bestimmt positiv für ihn aus", glaubt Monika Weiske. Ihre Kollegin Katrin Toden hagen sieht das ähnlich. Sie habe sich bislang zwar wenig mit diesem Thema befasst, findet die Fastenzeit als

Anstoß, das eigene Leben zu verändern, aber "gar nicht schlecht". Allerdings sollte, wer sich jetzt dazu entschließt, dies auch übers Jahr durchziehen und nicht nur für knapp sieben Wochen. "Dann ist es für mich erst richtig sinnvoll", so Katrin Toden hagen. Auf etwas verzichten zu wollen und dieses Vor haben durchzuhalten, ist anerkennenswert, meint auch Antje Rosenow.

"Ich wars! Sieben Wochen ohne Ausreden." lautet das Motto der evangelischen Kirchen Deutschlands für die Fastenaktion 2011. Es soll zum Nachdenken anregen. Die Evangelische Jugend in Mecklenburg und Pommern hat erstmals eine gesonderte Fastenaktion ins Leben gerufen: "Probiers mal - 7 Wochen anders leben".

Fastenzeit 2011

Die christliche oder katholische Fastenzeit 2011 geht von Aschermittwoch, 9. März, bis Ostersonnabend, 23. April. Dieser Zeitraum ist angelehnt an die 40 Tage, die Jesus gefastet hat. Sie hat eine lange Tradition im Christentum, aber auch in anderen Religionen, zum Beispiel im Islam, gibt es Fastenzeiten wie den Ramadan. Mag die Meinung dazu in der Region zweigeteilt sein – Fasten scheint wieder modern zu werden. Ob es Fleisch ist, auf das verzichtet wird, Kaffee, Nikotin, Süßigkeiten oder Alkohol . Und das nicht unbedingt nur für (streng) gläubige Menschen. Eine Zeit des bewussten Verzichts kann sowohl Körper als auch Geist gut tun,gilt für viele als Hauptantrieb. Wer Alltagsgewohnheiten überdenkt und bewusst neu ordnet, schafft Platz für Veränderungen und vielleicht für eine ganz neue Lebensqualität.

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